Badenfahrt

Zürcher lieben Badenfahrten

Die Zunft zur Schiffleuten legt mit ihren Weidlingen zur Badenfahrt 1977 an.

Die Zunft zur Schiffleuten legt mit ihren Weidlingen zur Badenfahrt 1977 an.

Den Begriff Badenfahrt gab es noch nicht, als die Zürcher das Stadtfest längst erfunden hatten – und liebten.

«Die richtige Badenfahrt wurde im tiefsten Mittelalter erfunden, von den Zürchern.» Wer dies schreibt ist ein Namensvetter und entfernter Verwandter des Autors David Hess, der vor 200 Jahren das Buch «Badenfahrt» schrieb. Er, der sich David Hess der Jüngere nennt, fasste das gesammelte Wissen in einem im Baden-Verlag anlässlich der Badenfahrt 1997 erschienenen Band zusammen. Badenfahrt-Freude wird auch dem legendären Heerführer und Bürgermeister Zürichs nachgesagt. Einerseits habe er in Zürich durch strenge Sittengesetze Ausschweifungen verhindern wollen, andererseits fuhr er jeweils mit einer Schar locker gesinnter Gesellen nach Baden, wo man gemeinsam «in zügellosester Art der Freude» lebte – wobei dies noch nicht sein Ende durch das Schwert auf dem Blutgerüst bedeutet hatte.

«Moralisch gefestigtere Stimmen konnten sich in Zürich erst 1659 durchsetzen, als ein striktes Verbot der Badenfahrt ausgesprochen wurde», schreibt Hess der Jüngere weiter. In Baden selber hielt erst um 1845 mit der Schliessung der öffentlichen Bäder der weniger ausschweifende Kurbetrieb Einzug.

Moralisch gefestigter war ein weiterer Zürcher Badenfahrer: Stadtschreiber und Dichter Gottfried Keller, der drei Badenfahrten erlebt haben soll. «Nichts beglückt die Bäderstadt mehr, als wenn ein mit Gebresten behafteter Mensch gläubig zu ihr eilt und sich ihr anvertraut. Sie nimmt ihn liebevoll auf und trägt mütterliche Sorge zu ihm.» So schrieb Apotheker und Historiker Ueli Münzel über die Zustände, wie sie der alte Gottfried Keller bei seiner letzten Badenfahrt, 1889, antraf. «Doch ohne irgendwelche Verbesserung, vielmehr mit gehäuften Gebresten und geschwächten Kräften kutschierte er nach Zürich zurück. Es hätte ihm wohl keine andere Heilquelle, keine Kunst und kein Kraut geholfen. Seine Zeit war um.
Während die Badenfahrten der Neuzeit von Beginn weg eine Vielzahl an Zürcher Gästen hatten, initiierte die Badener Zunft zur Sankt Cordula 1977 den Besuch von Zürcher Zünften an der Badenfahrt. Seit wird von ihr regelmässig eine Zunft zur Badenfahrt geladen.

Standesgemäss kam im Jahre 1977 die Zunft zur Schiffleuten mit ihren Weidlingen auf der Limmat (siehe Foto) nach Baden. 1982 folgte die Zunft zur Schmieden mit der Gesellschaft zum schwarzen Garten, 1987 empfing man die Zunft zum Widder, und 1997 waren es die vereinigten Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern. Sie standen am zweiten Badenfahrt-Sonntag nach traditionellem Ritual zu Red’ und Gegenred’ und zu «grusam guetem essen und drinken».

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