Fokus Gesundheit

Mit Hitze gegen den Krebs

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Seit über zwanzig Jahren werden im Kantonsspital Aarau Krebspatienten zusätzlich zur Chemo- und Strahlentherapie auch mit Hyperthermie behandelt – so wie die 86-jährige Dora Meister.

«Mir geht es hervorragend. Gestern bin ich mit einer Freundin im Kino gewesen und am Sonntag steht ein Konzert auf dem Programm.» Dora Meister (Name geändert) sitzt entspannt in ihrem liebevoll eingerichteten Wohnzimmer an einem schönen Biedermeiertischchen und lässt die letzten Jahre Revue passieren. Im Oktober 2012 hatte die heute 86-jährige rüstige Rentnerin zweimal etwas Blut im Urin. «Obwohl ich keine Schmerzen hatte, bin ich zu meiner Frauenärztin gegangen.» Die habe eine Ultraschalluntersuchung gemacht und einige kleine schwarze Punkte gesehen, die man «gelegentlich detaillierter anschauen müsse». Wider Erwarten ging es dann aber plötzlich sehr schnell. Schon nach gut einer Woche lag Meister im Kantonsspital Aarau (KSA) auf dem Operationstisch. «Mit einem Auge habe ich auf dem Bildschirm zugeschaut, wie die Chirurgen das betroffene Gewebe entnahmen und in die Histologie schickten.» Befund: kleine, oberflächliche Harnblasentumore. Es folgte eine Immuntherapie, bei der die Blase sechsmal mit abgeschwächten Tuberkelbakterien gespült wurde. «Dann hatte ich zwei Jahre Ruhe», sagt Meister. Bis zum 15. November 2016.


«Jetzt wird alles gut»

«Während der halbjährlichen Kontrolle haben die Ärzte im KSA auf dem Ultraschallbild etwas Grösseres entdeckt», erinnert sich Meister. Eine Gewebeentnahme brachte den Befund: ein Blasentumor. «Ein Schock», sagt Meister. Für sie sei festgestanden, dass sie auf keinen Fall ohne Blase weiterleben wolle; aus diesem Grund habe sie sich bereits mit palliativen Behandlungsmethoden auseinandergesetzt. Zum Glück teilten ihr die Ärzte mit, dass es da noch eine andere Behandlungsmöglichkeit gäbe: die Hyperthermie. Und nach einem ersten Gespräch mit dem behandelnden Arzt, Dr. Emsad Puric, habe sie gewusst, dass sie diese Therapie machen wolle. Im Dezember sei sie dann ins Haus 25 eingetreten und habe sofort gespürt: «Jetzt wird alles gut.» Noch selten habe er eine so topfitte 84-jährige Frau gesehen, erinnert sich Stephan Bodis, Chefarzt am Radio-Onkologie-Zentrum des KSA. Nach einer gründlichen Anamnese und diversen Tests hätten er und seine Kollegen die Kombi-Behandlung mit der sogenannten Tiefen-Hyperthermie in die Wege geleitet. Die Hyperthermie könne man sich wie eine gut einstündige Sauna für eine bestimmte Körperregion in einer mässig bequemen Hängematte vorstellen, beschreibt Bodis die Behandlung. «Dabei steigt die Körpertemperatur um bis zu 1,5 Grad an und der Tumorbereich wird mittels Mikrowellen gut
kontrolliert auf 41 bis 43 Grad erhitzt.» Das mache die Krebszellen empfindlicher für die darauffolgende Bestrahlung und sorge für eine bessere Durchblutung des Gewebes. Hauptsache, es nützt, wird sich Dora Meister gesagt haben. Eine Wellness-Kur sei es zwar nicht gewesen, meint sie. «Man muss schon etwas auf die Zähne beissen. Die Therapie hat an meinen Kräften gezehrt.» Doch dank der sehr guten und professionellen Betreuung im KSA habe sie nie den Mut aufgegeben. «Die Ärzte und MTA haben mir bis ins Detail erklärt, was mich erwartet, und ich konnte sie immer anrufen, wenn ich eine Frage hatte.» Und wie sieht es mit den Nebenwirkungen der Therapie aus? «Praktisch keine», sagt Meister. Einzig beim Essen müsse sie etwas aufpassen: Krautarten und Steinfrüchte vertrage sie gar nicht mehr.

«Ein kleines Wunder»

Neben Blasenkrebs können viele weitere Tumorarten mit der Hyperthermie behandelt werden. Neun Indikationen werden von den Krankenkassen seit Anfang 2017 vergütet (z. B. Brust-, Gebärmutterhals- oder Darmkrebs). In der Regel sind die Patienten vorbestrahlt und/oder haben einen Tumor, der kaum erfolgversprechend operiert oder bestrahlt werden kann. Doch zurück zu Dora Meister. Mitte Juni 2019, die Behandlung war inzwischen abgeschlossen, wurde eine neue Bildgebung gemacht. «Wir waren hocherfreut», sagt Bodis. Der Tumor war komplett weg – und ist seither nicht mehr aufgetaucht. Für Meister ein kleines Wunder: «Ich bin unendlich dankbar, dass mich meine Ärzte auf diese Behandlung hingewiesen haben und dass ich weiterhin mit einer funktionierenden Blase leben kann.»

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Autor

Markus Kocher

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