Schokolade

Der schweizer Nationalstolz

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Wer liebt ihn nicht, diesen Moment, wenn ein Stückchen zarter Schokolade auf der Zunge zergeht – während der Festtage geben wir uns diesem Genuss besonders gern hin. Doch wie kommts, dass Schweizer Schokolade auf der ganzen Welt so beliebt ist? Eine kurze Geschichte von der Bohne bis zur Tafel.

Für Österreich ist die Kaffeehauskultur typisch, die Ungarn haben ihren Paprika, die Engländer sind bekannt für ihren schwarzen Humor und wir Schweizer stehen für Berge, Käse, Uhren – und Schokolade. Letzterer kann kaum jemand widerstehen, und ihr Image kennt man auf der ganzen Welt. Ihre grössten Fans sind die Schweizer selbst: Pro Kopf und Jahr vernaschen wir knapp 12 Kilo der süssen Versuchung. Rund achtzig Prozent davon ist Milchschoggi – naheliegend, gilt die Schweiz ohnehin als Land der Milchschokolade. Erstaunlich eigentlich, denn der braune Rohstoff, seit Jahrtausenden bekannt, wächst weit von unserem Land entfernt.

Bereits um 1500 v. Chr. spielte ein bitteres Getränk aus Kakao und Wasser in der Kultur der Maya und Azteken eine wichtige Rolle: Es wurde Königen, Priestern und Kriegern als Stärkung gereicht. «Xocolatl», so der aztekische Name für das «heilige Getränk», gab denn auch unserer heutigen Schokolade den Namen. Die braune Bohne gelangte erst im 16. Jahrhundert nach Europa. In Spanien, Italien, Frankreich und Belgien galt heisser Kakao einst als Luxusgetränk des Adels.

Es war ungesüsst und enthielt verschiedene, teils scharfe Gewürze wie Chili. Bis ins 19. Jahrhundert konnte sich der einfache Bürger die Trinkschokolade nicht leisten. Erst als Maschinen zur Verarbeitung des Kakaos erfunden und Schokoladenfabriken gegründet wurden sowie die Erträge im Kakaoanbau stiegen, konnten sich auch andere Bevölkerungsschichten als der Adel Schokolade gönnen. 

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts brachten Wanderhändler aus Frank-reich und Italien das exklusive Produkt auch in die Schweiz. Zudem zog es Confiseure aus dem Tessin und der welschen Schweiz während ihrer Wanderjahre in die damaligen Zentren der Schokoladenherstellung: nach Mailand, Venedig, Nizza oder Paris. Anfangs wurde Schokolade als Arzneimittel und Aphrodisiakum eingestuft und deshalb vor allem in Apotheken verkauft. Dass die Schweizer Schokolade zu einem durchschlagenden Erfolg wurde, ist erst der Leistung einiger Pioniere zu verdanken. François-Louis Cailler eröffnete 1819 in Corsier-sur-Vevey eine mechanisierte Schokoladenmanufaktur und legte damit die Basis für deren industrielle Herstellung. Heute, 200 Jahre später, ist Cailler die älteste, noch exstierende Schweizer Schokoladenmarke. 1826 folgte ihm Philippe Suchard in Neuenburg mit seiner Schokoladenfabrik. 1836 eröffnete David Sprüngli an der Zürcher Marktgasse die Confiserie Sprüngli & Fils. 1875 erfand Daniel Peter, ein Metzgerssohn, der in die Familie Cailler eingeheiratet hatte, die Milchschokolade. Er tüftelte an der richtigen Mischung aus Kondensmilch und Kakaomasse.

Der Schmelz bringts

Der nächste Durchbruch, das Verfahren fein schmelzender Schokolade, geht auf Rodolphe Lindt zurück, der das sogenannte Conchieren erfand. Durch langes und langsames Kneten und die daraus entstehende Reibungswärme wird beim Conchieren die Masse flüssig. Dabei verflüchtigen sich Bitterstoffe und Fruchtsäuren. Ohne dieses wichtigen Verfahren würden wir den süssen Genuss heute wohl immer noch kauen statt ihn auf der Zunge zergehen zu lassen.
Die Geschichte der Schokolade ist also eine Geschichte der Schweizer Innovation, des Erfinderglücks, der Tradition, der Innovation und wohl auch der Bündner Bevölkerung des 17. Jahrhunderts. Ein Blick zurück deckt nämlich ein spannendes, für manche vielleicht unbekanntes Kapitel der Schweizer Exportwirtschaft auf.

Die Geburt der Schweizer Qualität

Graubünden war zur damaligen Zeit ein Landwirtschaftskanton, dessen karge Böden sich aber nur bedingt für den Ackerbau eigneten. Hunger und Armut dominierten. Bündner Zuckerbäcker entflohen diesen prekären Zuständen und fingen in der Fremde an, Kuchen zu backen und Kaffee auszuschenken. Diese frühen Wirtschaftsflüchtlinge brachten es mit ihrem Können und ihrer Ausdauer zu Ruhm und Ehre. Mit Marzipan, Kuchen, Limonaden, Eis und eben auch Schokolade eroberten sie als Pioniere der frühen Aussenwirtschaft ganz Europa. Sie machten «Schweizer Qualität» zu einem Be-griff und legten damit den wichtigen Grundstein für unsere Exportwirtschaft. Insgesamt sollen rund 10 000 Bündner Zuckerbäcker in rund 1000 Städten ihr süsses Netz über Europa ausgebreitet haben.

Schoggi ist unser Nationalstolz

«Swiss Chocolate» prägt unser Image also bis heute, denn das Besondere an ihr sind 200 Jahre Erfahrung im Schokobusiness. Wenn wir auf den Flughäfen und in den Supermärkten dieser Welt ein Produkt aus einer Schweizer Schokoladenmanufaktur entdecken, stiehlt sich bei den meisten ein stolzes Lächeln auf die Lippen. Oder nicht? Unsere Schokolade ist für uns eben nicht nur ein Genussmittel, sie ist auch unser Aushängeschild und längst ein helvetisches Kulturgut.

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