Vintage (frz. vendange) bezeichnete ursprünglich die Weinlese, später dann einen besonders guten Jahrgangswein. In der Modewelt bedeutete Vintage entsprechend „Jahrgangsmode“, wobei die Designermode früherer Jahrzehnte ab 1920 gemeint ist.

Der Interiorbereich übernahm diese Klassifizierung. Design-Möbel und hochwertige Objekte aus der Zeit zwischen 1920 und 1990 bezeichnet man heutzutage als Vintage. Herrschten anfangs Holz und Leder bei diesen Einrichtungsgegenständen vor, kamen später darüber hinaus Kunststoff und Metall zum Einsatz. Zu den bekanntesten Vintage-Designern gehören das amerikanische Ehepaar Charles und Ray Eames, der Finne Alvar Aalto sowie die beiden Dänen Arne Jacobsen und Verner Panton. Sie gelten bis heute als Design-Ikonen.

True Vintage und Vintage-Stil

„Echte“ Vintage-Möbel („True Vintage“) sind also Stücke, die tatsächlich ein gewisses Alter vorweisen, hinter denen eine Geschichte steckt und die eine gewisse Patina haben. Es gibt auch moderne Kopien von Vintage-Möbeln, diese Objekte wurden dann im Vintage-Stil entworfen. Ebenfalls vom „True Vintage“ abzugrenzen sind Einrichtungsgegenstände im Retro-Look, die sich zwar in Form- und Farbgebung an alte Designs anlehnen, jedoch neu sind und auch keine Kopien sein wollen.

Weder echte Vintage-Möbel noch Retro-Objekte sind Antiquitäten. Der Begriff „antik“ ist Einrichtungsgegenständen vorbehalten, die aus einer Zeit vor der Moderne stammen. Weil echte Vintage-Möbel trotzdem recht alt sind, wird für sie oft der Begriff ‚Junge Antiquitäten’ verwendet. Bei der Einrichtung im Vintage Look wird viel Wert darauf gelegt, dass möglichst alle Objekte diesem Stil entsprechen. Es soll eine klare Linie zu erkennen sein.

Shabby Chic boomt seit fast 40 Jahren

Ganz anders der sogenannte „Shabby Chic“-Stil. Inspiriert von alten Landhäusern mit ihren antiken Ölgemälden, verblichenen Chintzstühlen und opulenten Lüstern, begannen Londoner Künstler und Bohemiens in den 1970er-Jahren, ihre Wohnungen im Stile dieser alten Landsitze einzurichten – ein bewusstes Statement gegen den luxuriösen Einrichtungsstil der oberen Mittelklasse.

Die britische Architektin Rachel Ashwell gab dem Trend Anfang der 1980er-Jahre den Namen „Shabby Chic“. Sie vereinte gekonnt Fundstücke vom Flohmarkt, geschichtsträchtige Erbstücke und kuriose Gegenstände sowie schicke neue Einrichtungsgegenstände miteinander. Dabei dominieren Weiss- und Pastelltöne. Handelt es sich beim Shabby Chic ursprünglich um alte massive Möbelstücke, werden inzwischen auch neue Möbel auf alt und verkratzt getrimmt. Aus fast allem lässt sich heute Shabby Chic machen. Möbel in diesem Stil lassen sich wunderbar selbst gestalten und gehören unweigerlich zum aktuellen DIY-Trend. 

In puncto Kreativität liegt der Shabby Chic deutlich vor dem Vintage Look. Während bei Letzterem eine klare Linie unerlässlich ist, sind der Kreativität beim Shabby Chic keinerlei Grenzen gesetzt. Gerade das Zusammengewürfelte und Einzigartige macht den Reiz des Shabby Chic aus. Wobei hier auch die Herausforderung liegt: Die Kombination der Möbel soll schliesslich nicht völlig durcheinander wirken. Eine Einrichtung im Vintage-Stil ist deshalb zwar weniger kreativ, dafür sehr viel einfacher. Nachhaltig, da wiederverwertend, sind beide – abgesehen von den neuen Shabby-Chic-Möbeln, die im Möbelhaus erhältlich sind.

Antiquitäten sind über einhundert Jahre alt

Und was gilt nun als antik? Als grobe Richtlinie gilt: Alles, was älter ist als einhundert Jahre, ist eine Antiquität. Genauer gesagt gilt: Alles was vor der Moderne lag, wird als antik bezeichnet. Antike Möbel können aus heutiger Sicht also aus der Zeit zwischen der Renaissance (ca. 1600-1670), dem Barock (ca. 1575 bis 1770), dem Rokoko (ca. 1720-1770) dem Klassizismus (ca. 1770 – 1840), dem Biedermeier (ca. 1815-1848) und dem Jugendstil (ca. 1890-1910) stammen. Es sind dies etwa die verschnörkelten Louis-XV-Sessel aus der Zeit des Rokokos, die schlichten Biedermeier-Sofas und Kommoden, die heute noch in vielen Haushalten stehen, oder die verspielten Spiegel und Lampen, die typisch für den Jugendstil sind. 

Antike Möbelstücke funktionieren am besten in Kombination mit zeitlosen Einrichtungsgegenständen: Als einzelne Hingucker wirken sie nicht so dominant und schwer wie eine komplette Einrichtung im antiken Stil. Um den massiven Möbeln ihre Übermacht und Schwere zu nehmen, können sie auch hell lackiert werden und können so zum Beispiel wunderbar Teil einer Shabby-Chic-Einrichtung werden.

Shabby Chic, Vintage und Antik: Wo kaufen?

Es gibt zahlreiche Läden, die sich auf Vintage-Möbel spezialisiert haben. Da es sich meist um hochwertige Design-Produkte handelt, hat True Vintage seinen Preis. Natürlich können Sie Glück haben und auf einem Flohmarkt fündig werden. Aber versierte Verkäufer wissen auch dort um den Wert der Ware.

Antike Möbel gibt es nicht nur beim Antiquitätenhändler. Wenn Sie auf der Suche nach einem besonders edlen Stück sind, werden Sie zwar hier am ehesten fündig. Aber mit etwas Geduld können Sie auch auf einem (spezialisierten) Flohmarkt oder in einer Brockenstube zu Ihrem Ziel kommen. Vielleicht ist der Zustand dann nicht mehr ganz perfekt, dafür der Preis interessant. Überlegen Sie sich vorher, wie der Zustand sein sollte oder ob Sie sich zutrauen, die Stücke selbst auf Vordermann zu bringen – eine Restauration antiker Möbel kann Sie schnell ein kleines Vermögen kosten.

Am einfachsten und günstigsten ist es, sich im Shabby-Chic-Stil einzurichten. Nahezu alle Holzmöbel lassen sich mit etwas Phantasie und Kreativität so gestalten, dass sie dem Shabby Chic entsprechen. Doch in der Vielfalt liegt auch die Gefahr: Vermeiden Sie eine allzu beliebige Kombination von Formen, Farben und Zeitepochen. Sonst kann Ihr Zuhause schnell chaotisch wirken.