FC Basel

FCB-Coach Urs Fischer: lieber Bratwurst und Bier als Cüpli und Crevetten

Beerbt Paulo Sousa als Trainer des FC Basel: Urs Fischer

Beerbt Paulo Sousa als Trainer des FC Basel: Urs Fischer

Analyse zum neuen Trainer des FC Basel, Urs Fischer: «Fischer muss nicht von Basel sein, sondern einer für Basel.»

Als sich der Basler Himmel gestern verfinsterte, da trat Urs Fischer ins Licht. Urs Fischer? Das FCZ-Urgestein, von den Zürcher Fans verehrt als «für immer oise Käpt’n»? Man kann sich fragen: Marco Streller als neuer Trainer des FC Zürich, ginge das auch? Es wäre eine schwierige Vorstellung. Und trotzdem: Fischer ist der richtige Mann am richtigen Ort.

Warum? Schnell fliessen die Gedanken zu Christian Gross, auch er Zürcher, vom grasshüpfenden Rivalen, verantwortlich für acht FCB-Titel in zehn Saisons. Aber bei der Liaison zwischen dem FCB und Fischer geht es um mehr. Der Schritt von Paulo Sousa zu Fischer ist die Rückkehr von der Welt- auf die Stadtbühne. Fischer erzählt nicht schon zu Beginn davon, wie er die Champions League gewinnen wird. Der FCB ist nicht schon von Anfang an «Zwischenstation». Das ist richtig nach Jahren, wo der FCB die Trainer wechselte, wie es sonst Abstiegskandidaten tun. Auch Fischer will die Siege «fühlen», aber er weiss, dass es manchmal mehr braucht: «Leiden» – im Cupfinal schmerzlichst vermisst. Und eines stellt er klar: Über allem steht der Weg zum Sieg.

FCB-Coach Urs Fischer: Das sind seine Ziele

FCB-Coach Urs Fischer: Das sind seine Ziele

Ein sympathischer Auftritt, gewürzt mit einer Prise Humor

Sousa und Fischer. Das ist ein bisschen wie Louis XIV. und Wilhelm Tell. Hier der Sonnenkönig, der in Basel im Vorbeigehen kurz die Lorbeeren abholt, sich aber längst auf dem Weg zur Weltherrschaft sieht. Da der tapfere Junge, dem man seine verblüffenden Qualitäten nicht sofort ansieht, sondern erst erahnt, wenn der Pfeil im Apfel steckt. Es wird eine Zeit dauern, bis Fischer die Basler Herzen erobern kann. Aber die Voraussetzungen sind gar nicht so schlecht.

Fischer überzeugt jedenfalls bei seinem ersten Auftritt. Er kommt sympathisch rüber, würzt seine bedachten Worte mit etwas Humor («Walter Samuel erhält einen neuen Vertrag? Da bin ich total dagegen. Er ist 38, spielt immer noch – und ich musste einst mit 37 aufhören!»). Entscheidend wird, wie schnell es Fischer gelingt, eine überzeugende Einheit zu formen. Das ist herausfordernd. Denn der FCB muss sich von Marco Streller emanzipieren. Er muss dem Berner Hunger auf den ersten Meistertitel seit 30 Jahren entgegentreten. Und überdies vielleicht einen Walliser Angriff abwehren.

So will Urs Fischer in Basel überzeugen

So will Urs Fischer in Basel überzeugen

Überall, wo Fischer als Trainer tätig war, herrschte eine beeindruckende Ordnung. Neben dem Platz. Und vor allem auf dem Platz. Der Spieler Fischer hatte manchmal etwas chaotische Züge. Er scheute sich nicht vor plötzlichen Sturmläufen. Vielleicht hat sein eigenes Wesen und Wirken zur Erkenntnis beigetragen, dass Struktur und Ordnung im Team Voraussetzungen für den Erfolg sind. Beim FCZ sahen fast alle, was für tolle Arbeit Fischer ablieferte – bis auf Präsident Canepa. Beim FC Thun überzeugte Fischer die ganze Schweiz von sich. Die Mittel waren bescheidenen, der Fussball attraktiv. Überdies hörte man Fischer nie Jammern. Nie! Weder über Schiedsrichter noch über Spielpläne oder andere äussere Umstände.

Lieber Bratwurst und Bier als Cüpli und Crevetten

Ja, Urs Fischer versprüht vielleicht weniger Glamour als Fink, Yakin oder Sousa. Er ist ein Arbeiter, einer der auch mal «Chluure», «Chischte» oder «Scheichä» sagt. Er mag lieber Bratwurst und Bier als Crevetten und Cüpli. Er kann auch damit umgehen, wenn wie gestern an den Toren des St. Jakob-Parks ein Transparent hängt mit den Worten: «Fischer, nie eine vo uns!!!» Denn er weiss: Er muss nicht von Basel sein, sondern ein Mann für Basel.

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