FC Basel

Grosse Ernüchterung und viel Frust: Es fehlt nicht viel, aber …

Die Baslerin Stefanie De Alem de Eira (links) kann sich gegen Zürichs Selina Kuster nicht behaupten.

Die Baslerin Stefanie De Alem de Eira (links) kann sich gegen Zürichs Selina Kuster nicht behaupten.

Die Basler Frauen hatten sich vor dem Event grosse Hoffnungen auf einen positiven Ausgang gemacht, mussten aber eine Enttäuschung hinnehmen. Der FC Basel verliert den Frauen-Spitzenkampf gegen den FC Zürich gleich mit 0:4 (0:3).

Sie hatten sich ja so viel vorgenommen. Sie hatten aus dem Gipfeltreffen der Nationalliga A einen Event gemacht. Mit Matchprogramm und Mobilisierung von Anhängern, die trotz der Kälte zahlreich zum einstigen Männer-Klassiker FCB gegen FCZ kamen. Sie, das sind die Frauen des FC Basel, die sich stark genug fühlten, um dem Serienmeister der letzten Jahre (seit 2009 ging der Titel, mit Ausnahme des Jahres 2011, an die Limmat) nicht nur Paroli zu bieten, sondern diesen auch zu bezwingen und so bis auf einen Zähler an die Zürcherinnen heranzukommen. Allerdings hat Zürich noch ein Nachtragsspiel ausstehend.

Tor des Jahres

Als der Vergleich zwischen Rot-Blau und Blau-Weiss fertig war, leuchtete ein 0:4 von der Anzeigetafel auf. Und beim Gastgeber herrschte ein Mix aus Ernüchterung, Frust, Wut und wohl auch Ratlosigkeit. Damit beträgt der Rückstand sieben Punkte, nach Verlustzählern sind es sogar deren 10.

Von Anpfiff an war Basel bemüht, die Partie zu bestimmen. Die Elf von Cheftrainer Kaan Kahraman zeigte viel Präsenz, war physisch den Gästen überlegen – alleine, das finale Zuspiel in die Abschlusszone wollte dem FCB nie gelingen. Dies gelang den FCZ-Spielerinnen dafür umso besser. Nach einem abgewehrten Freistoss wuchtete Fabienne Humm (28), die Liga-Topskorerin, den Ball von der Strafraumecke aus mittels eines Seiten-Fallrückziehers ins hohe Eck.

Ein Tor, wie es einem Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo wohl noch nie gelungen ist. Ein Tor des Jahres. „Wenn die Rasensaison vorbei ist, spiele ich viel Beachsoccer; und da übe ich solche Schüsse“, meinte Humm nach Abpfiff fast schon entschuldigend…

Und weil Cinzia Zehnder in der 36. Minute herrlich antizipierte und eine Freistossflanke von Selin Kuster mit einem raffinierten Kopfball ins lange Eck verlängerte, war der Vergleich nach knapp einer halben Stunde vorentschieden. Mit dem 0:3, das Sandrine Mauro mit einem perfiden Aufsetzer aus 20 Metern erzielte, war dann „der Mist geführt“, wie ein FCB-Anhänger in der Halbzeit-Pause lakonisch meinte.

Umstellung nicht gelungen

Die zweiten 45 Minuten gehörten dem FC Basel. Zumindest, was Ballbesitz anbelangt. Klare Tormöglichkeiten erspielte sich der Gastgeber aber nicht. „Wir hatten sicher mehr Spielanteile“, monierten nach Abpfiff Goalie Nadine Böni, Captain Danique Stein und Sophie Herzog. Es war der Versuch, eine Kanterniederlage zu erklären, die man in diesem Ausmass niemals erwartet hatte. „Zürich war sehr effizient und wir waren bei den Standards nicht aufmerksam genug“, so FCB-Trainer Kahraman.

Dabei hatte der Meister die ganze Woche auf Kunstrasen trainiert, weil man im Glauben war, der Match würde auf dieser Unterlage gespielt. Die FCB-Verantwortlichen setzten die Partie dann doch auf Naturrasen an – „und uns ist die Umstellung nicht perfekt gelungen. Mit dem Resultat bin ich natürlich sehr zufrieden; aber spielerisch verlange ich von meinen Spielerinnen mehr“, erklärte FCZ-Trainer Dorjee Tsawa.

„Match abhaken und vorwärts schauen“, meinte Stein, bevor sie duschen ging. In einer Woche will der FCB im Cup-Halbfinal gegen Neunkirch den Finaleinzug schaffen. Dort dürfte wieder der FC Zürich warten, da sich der Branchenleader beim B-Ligisten Rapid Lugano wohl durchsetzen wird. Der Leistungsunterschied zwischen Basel und Zürich ist nicht mehr gross und wird von Saison zu Saison kleiner. Aber an der Hierarchie hat Rot-Blau bisher vergeblich gerüttelt. 

FC Basel – FC Zürich 0:4 (0:3)

Nachwuchs-Campus Basel. – 315 Zuschauer (Saisonrekord). – SR: Wettstein. – Tore: 9. Humm 0:1. 36. Zehnder 0:2. 44. Mauron 0:3. 76. Kuster (Händeelfmeter) 0:4.

Basel: Böni; Mühlebach, Stein, Boschert, Seljimi; Rolser; Szarva (55. De Alem da Eira), Susuri (41. Sylvestre), Bangerter (68. Glaser); Herzog, Aigbogun.

Zürich: Studer; Remund, Gensetter, Kuster, Stierli (81. Aloi); Mauron, Hoyle, Zehnder; Terchoun (46. Müller), Humm, Selimi (46. Lienhard).

Bemerkungen: Basel ohne Scheidegger und Suppa (beide verletzt). – Zürich ohne Baumann, Beutler, Deplazes, Friedli und Keller (alle verletzt). – Verwarnungen: 14. Rolser (Reklamieren), 18. Kuster (Foul), 45. Boschert (Foul) und 47. Gensetter (Foul). – Susuri scheidet mit einer Bänderverletzung aus. – Eckbälle: 3:2 (2:0).

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