Fussball

Wie Paulo Sousa in Florenz vom Gehassten zum Geliebten mutierte

Er zeigt sich offen den Fans gegenüber: Paulo Sousa und seine Truppe stellen sich einmal pro Woche einem öffentlichen Training mit anschliessender Autogrammstunde.

Er zeigt sich offen den Fans gegenüber: Paulo Sousa und seine Truppe stellen sich einmal pro Woche einem öffentlichen Training mit anschliessender Autogrammstunde.

Trotz anfänglicher Widerstände hat sich Paulo Sousa bei der AC Fiorentina rasch Respekt verschafft. Das Team der Brüder Della Valle will mit dem Geld, das durch die vielen Spielerverkäufe vorhanden ist, den eigenen Nachwuchs fördern.

Anfang Juni prangten in Florenz an diversen Hauswänden, Trottoirs und Mülltonnen Schmähschriften, welche die Verpflichtung von Paulo Sousa als Coach der Fiorentina scharf kritisierten. Der harte Kern der Tifosi monierte dessen Spielervergangenheit beim verhassten Rekordmeister Juventus Turin.

Gut eingelebt in der Toskana

Knapp zwei Monate später sind die Sprühereien in der Stadt am Arno verschwunden. Statt Skepsis dominiert Begeisterung für die Arbeit des Ex-Baslers. Die guten Resultate während der Testspiele im Sommer mit Siegen gegen Chelsea und den FC Barcelona nahmen den voreiligen Kritikern den Wind aus den Segeln.

Vor allem aber verstand es Sousa, das Vertrauen der Anhängerschaft zu gewinnen. Anders als bei seinem Vorgänger Vincenzo Montella gibt es neu einmal pro Woche ein öffentliches Training mit anschliessender Autogrammstunde. Das kommt nicht nur bei den jugendlichen Fans gut an.

Mit lateinischem Charme und Schalk hat der 45-Jährige die Florentiner überzeugt. Sousa spricht passabel Italienisch, sucht den Kontakt zu den Tifosi, posiert für Selfies und signiert lächelnd Autogramme. Vergleiche mit Giovanni Trapattoni, der von 1998 bis 2000 die «Viola» trainierte, machen die Runde. Montellas Narzissmus und das Beharren auf einen «Tiki-Taka» im Stile Barcelonas, jedoch ohne Titel, gehen Sousa völlig ab. Seine Elf spielt einen pragmatischeren Fussball, der auf Pressing und schnelle Konter ausgerichtet ist. Mit sechs Punkten aus drei Spielen ist der Start in die neue Saison geglückt.

Salahs gescheiterter Wechsel

Dabei waren die Vorzeichen dazu alles andere als gut gestanden. Die Gebrüder Diego und Andrea Della Valle, Besitzer des Clubs und als Mehrheitsaktionäre des Modehauses «Tod’s» auf der Liste der reichsten Geschäftsmännern Italiens, hatten beschlossen, ihr Mäzenatentum drastisch zu verringern.

Das Defizit von 37 Millionen Euro allein für das Jahr 2014 wog zu schwer. Mit den Abgängen der Grossverdiener Mario Gomez (Besiktas Istanbul), Stefan Savic (Atlético Madrid) und Alberto Aquilani (Sporting Lissabon) konnte die Lohnsumme um 23 Millionen Euro reduziert werden.

Während mittlerweile niemand mehr dem vor zwei Jahren noch enthusiastisch empfangenen ehemaligen deutschen Internationalen Gomez eine Träne nachweint, wiegt der Verlust des montenegrinischen Abwehrchefs Savic ungleich schwerer. Vor allem, weil auch der spanische Altinternationale Joaquin (34) auf eine Rückkehr zu seinem Stammverein Betis Sevilla drängte.

In die Jugend investieren

Und schliesslich strapazierte der Ex-Basler Mohamed Salah zusätzlich die Nerven der Vereinsführung. Der Ägypter war im Januar vom FC Chelsea auf Leihbasis zu den Toskanern gestossen und hatte mit sechs Toren in 16 Spielen wesentlich zur Europa-League-Qualifikation beigetragen. Die Fiorentina besass im Sommer eine Kaufoption und wollte diese auch wahrnehmen. Eine separate Klausel im Leihvertrag ermöglichte es Salah aber, sich einseitig vom Vertrag zu lösen und schliesslich zur AS Roma zu wechseln.

Den Verlust an Routine und internationaler Klasse wollen die Della Valles durch vermehrte Investitionen in die eigene Nachwuchsakademie ausgleichen. Diese trägt mit dem Sturmtalent Berardeschi oder dem Rohdiamanten Diakhatè, den manche Beobachter bereits mit Juves Paul Pogba vergleichen, bereits erste Früchte.

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