Stadtfest Baden

Baden ist akut und hochgradig höhenwahnsinnig

Unsere kleine Stadt verändert zurzeit stündlich ihr Gesicht, wächst in die Breite, vor allem aber auch in die Höhe. Die Aufbauarbeiten fürs Badener Stadtfest haben begonnen und lassen Baden komplett anders aussehen.

«Meine Ruh ist hin», seufzt Fausts Gretchen. Dazu hat auch Baden momentan allen Grund, sind zentrale Teile der Stadt doch Grossbaustellen mit allen Geräuschemissionen. Es wird auf Teufel komm raus gehämmert, gebohrt, gesägt und zwischendurch auch geseufzt. Aber nicht weil die Ruhe dahin ist, sondern weil das Fieber steigt.

Und nicht nur das – auch Gebilde steigen himmelwärts. Innert 24 Stunden ist auf dem Schlossbergplatz aus Holz auf Metallstreben ein dreigeschossiges Gebäude entstanden, an dem selbst schiebbare Plexiglas-Fenster nicht fehlen. Nobel, nobel, liebe Kolleginnen und Kollegen vom Radio Argovia! Schräg gegenüber macht eine Metallgerüst-Konstruktion höhenmässig dem Manor Konkurrenz. Mit Wohlgefallen scheint der Stadtturm festzustellen, dass er doch noch auf die Barbesucher, die sich ab der Stunde 18 am 17. des Monats daselbst tummeln werden, herabsehen kann.

90 Kubik Bauholz

Von ennet der Hochbrücke blickt Schloss Schartenfels hingegen offensichtlich etwas indigniert auf den Theaterplatz hinüber. Was heisst schon Theaterplatz? Holzmarkt wäre gegenwärtig wohl treffender. Meier Zimmerei AG Endingen verbaut hier fast 90 Kubik Bauholz und einen Lastenzug Konstruktionsplatten. Insgesamt vier Wochen lang – inklusiv des Wiederabbaus – sind zehn Arbeiter beschäftigt. Gegenwärtig liegen noch Langhölzer, Kanthölzer, Bretter herum, so weit das Auge reicht. Viele sind aber auch schon zusammengefügt und lassen erahnen, dass hier der kulturelle Nabel des Festes entsteht. Einige der noch jungen Bäume stehen jetzt plötzlich mitten auf einer Bühne. Das heisst, genau genommen wachsen sie sozusagen aus dem Bühnenboden heraus.

Die Eingänge zum Parkhaus sind Fundament zu einem ausladenden ersten Stockwerk mit Riegelelementen Richtung Limmat. Eine Bar in der Mitte, links und rechts je ein kleines Kleinkunsttheater, unten drunter, im Parterre, Beizen – noch bestehen sie erst auf dem Papier, doch alles wächst und gedeiht hier nach dem Motto: «Holz isch heimelig».

Auch auf Schloss Stein herrscht – von weither unübersehbar – dieses Motto, und wie: eine Wahnsinns-Konstruktion, die dort oben entsteht. Sie lockt wie Sirenen zu einer näheren Besichtigung. Wenn bloss der Aufstieg nicht wäre. Aber Treppen hin, Schweiss her – früher oder später wird es in Kauf genommen werden. Werden müssen, denn ganz einfach: Die Ruh ist definitiv hin.

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