Herr Meier, seit neun Jahren sind Sie Chef von Müllerbräu. Gibt es Tage, an denen Sie kein Bier trinken?

Felix Meier: Die Tage sind eher selten (lacht).

Morgen beginnt das Stadtfest. Welches Bier würden Sie aus dem Zapfhahn wollen?

Müllerbräu Lager, denn das Wetter wird fantastisch und das ist doch der genussvollste Durstlöscher überhaupt. Als Aargauer war es schon immer mein Lieblingsbier. An heissen Tagen trinke ich am liebsten unser Lagerbier. Im Winter bevorzuge ich das kräftige Bier Dark Gold.

Müllerbräu hat am Stadtfest wie auch an Badenfahrten ein Monopol auf Bier und alkoholfreien Getränken. Es gibt deshalb immer wieder kritische Stimmen.

Wir haben eine Sponsoring-Vereinbarung mit dem Stadtfest-Komitee und sind deshalb Exklusivlieferant für Bier und alkoholfreie Getränke. Unser Getränkemonopol am Stadtfest ist basierend auf dieser Vereinbarung klar definiert.

Konkret?

Als Hauptlieferant leisten wir einen finanziellen Beitrag an das Stadtfest. Wir stellen den Festwirtschaftbetreibern rund 140 Durchlaufkühler und 200 Buffets, 500 Kühlschränke und 100 Spültröge gratis zur Verfügung. Ebenso gewährleisten wir eine professionelle Inbetriebnahme der Offenausschankanlagen durch unsere Pressionisten vor Ort auf dem Festplatz. Den Festbetreiberinnen und Festbetreibern steht selbstverständlich praktisch rund um die Uhr ein Pikett-Dienst zur Verfügung. Weiter betreiben wir im Festareal inmitten der Beizen fünf Getränkedepots. Diese werden mit jeweils zwei Personen durch Müller Bräu betreut und stehen den Festbetreibern zwei Stunden vor Festbeginn bis zwei Stunden nach Festende für den kühlen Getränkebezug zur Verfügung. Nebst der gesamten Palette von Müller Bräu bieten wir auch andere Biere an sowie die gesamte Palette an alkoholfreien Getränken. Auch Weine und Spirituosen können über unsere Getränkelogistikschiene bezogen werden.

Das alles tut Müllerbräu wohl kaum nur aus Gutmenschentum. Hand aufs Herz: Müllerbräu macht am Stadtfest ein Bombengeschäft.

Natürlich setzen wir alles daran, dass wir auch einen Deckungsbeitrag erwirtschaften können. Alleine die Lohnkosten für das Personal, das in der Logistik integriert ist, liegen in der Höhe von über 100000 Franken. Gewinn und Verlust sind bei einem solchen Fest auf Messers Schneide.

Die Wetterprognosen sehen gut aus – das Bier wird fliessen.

Unsere Erfahrungswerte bei grossen Festen, wie etwa einer Badenfahrt, liegen bei 1800 Hektolitern, also 180000 Litern. Das Stadtfest ist etwas kleiner; zumindest von der Anzahl Beizen her. Insgesamt bedienen wir rund 140 Beizen und Stände. Im Idealfall werden wir einen ähnlichen Absatz erreichen wie an einer Badenfahrt. Das Fest ist ja schliesslich nicht kleiner, insbesondere von den Aufwendungen her.

Nochmals: Mit diesen Mengen erwirtschaftet Müllerbräu doch einen grossen Teil seines Jahresumsatzes?

Insgesamt setzen wir im Jahr rund 70000 Hektoliter Getränke ab. Müller Bräu erwirtschaftet mit dem Stadtfest oder einer Badenfahrt im sehr guten Fall einen Absatzanteil von vier bis fünf Prozent. Das ist natürlich ein sehr schöner und grosser Anteil, aber nicht 20 bis 30 Prozent unseres Jahresabsatzes, was immer wieder Mal herumgeboten wird.

Das Stadtfest ist kleiner als eine Badenfahrt. Bedeutet das weniger Arbeit für Sie und Ihre Mitarbeiter?

Der Aufwand ist genau gleich wie bei einer Badenfahrt; mit gewissen Equipments sogar höher. Es gibt zwar weniger Beizen, aber Offenausschankanlagen gibt es zehn mehr als bei einer Badenfahrt. Die Konzeption ist ganz anders, weil Flaschen bei offenen Beizen und Bars verboten sind. Somit müssen die Getränke anders ausgeschenkt werden, entweder in Dosen oder im Offenausschank. Wir haben eine Reserve von rund 120 000 Dosen. Diese sind bei den Beizen besonders beliebt, da das Handling schnell und unkompliziert ist.

Ist das Bier aus der Flasche nicht besser?

Es gibt keinen Geschmacksunterschied zwischen einem Bier aus der Dose oder einem Bier aus der Flasche. Das ist ein Ammenmärchen. Am besten schmeckt das Bier vom Zapfhahn, da es nie umgefüllt wurde.

Wir haben von Dosen gesprochen, wie viel Bierreserve haben Sie insgesamt?

Im Sommer brauen wir mehr als im Winter; unser Lager ist voll. Für das Stadtfest haben wir drei zusätzliche Sude gebraut und haben deshalb 450 Hektoliter auf zusätzlicher Reserve. Wir lagern zurzeit rund 3000 Hektoliter vergorenes Bier in den Tanks. Die Herausforderung ist nicht das Brauen, sondern die enorme Logistik an einem Stadtfest.

Inwiefern?

Die Logistik ist sehr komplex. Jeder Gast soll kühles Bier geniessen können, also muss die Kühlkette aufrechterhalten werden. Kein Mensch will lauwarmes Bier trinken. Die Organisation der Logistik startet ein Jahr vor dem Fest. Wir haben Bestellungen von insgesamt 150 Teilnehmern. Es muss alles exakt vorbereitet und organisiert sein, die Badener Feste sind solche der Superlative.

Viel Aufwand für wenig Gewinn – erzielt Müller Bräu wenigstens einen Werbeeffekt?

Ja, das auf jeden Fall. Wenn dem Fest ein guter Ruf vorausgeht, können wir davon profitieren. Deshalb ist es auch so wichtig für uns, dass das Stadtfest zu 100 Prozent funktioniert. Die Besucher sollen zufrieden sein, dann profitieren wir nachhaltig.

Der Druck ist hoch – können Sie das Stadtfest überhaupt geniessen?

Ich werde sicherlich nach der Arbeit am Freitagabend ein kühles Lagerbier trinken gehen. Danach muss ich den Absatz kontrollieren. Vielleicht gibt es einen neuen Konsumtrend und dann müssen wir sofort reagieren können.

Das klingt nach viel Arbeit.

Wenn ich am Freitagabend um 18 Uhr sehe, dass jede Beiz offen ist und alle zufrieden sind, ich keine Telefonate erhalte und die Kontrollgänge in Ordnung sind – dann bin ich der glücklichste und zufriedenste Mensch.