Zu vergeben sind 16 Sitze, für die allermeisten der 288 Aargauer Nationalratskandidatinnen und -kandidaten bleibt es also beim Traum. Dafür hatten 30 Leserinnen und Leser der az ein Freiticket für den Einzug ins Bundeshaus, wenigstens für einen Tag. Sie waren für eine Tour mit dem az-Wahlkampfbus zum Zentrum der Macht ausgelost worden.

Im az-Bus nach Bundesbern.

Im az-Bus nach Bundesbern.

Mit az-Chefredaktor Christian Dorer am Steuer kam der Wahlkampfbus um die Mittagszeit auf dem Bundesplatz an. Dort wurde die Gruppe von Ständerätin Pascale Bruderer in Empfang genommen und souverän durch die Sicherheitskontrolle ins Parlamentsgebäude dirigiert. Es herrsche eine spezielle Stimmung während der letzten Session der Legislaturperiode, erklärte Bruderer den Gästen: Man spüre die Nervosität der Parlamentarier, die sich in wenigen Wochen zur Wiederwahl stellen. Und die Wehmut bei jenen, die ihre politische Karriere in Bern freiwillig beenden.

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Von Wehmut war allerdings bei Ständerätin Christine Egerszegi, die sich nicht zur Wiederwahl stellt, nicht viel zu spüren. Sie zeigte sich in aufgeräumter Stimmung und erzählte den Besuchern aus dem Heimatkanton die eine oder andere Anekdote, die wohl noch kaum jemand kannte. So waren während ihres Jahres als Nationalratspräsidentin (2006/07) gerade grosse Umbauarbeiten am Bundeshaus in Gang, und das ihr zustehende Präsidentenbüro stand nicht zur Verfügung. Zur Entschädigung dafür sei sie nun im Besitz einer aus dem Gold der Bundeskuppel gefertigten Brosche, erzählte Egerszegi.

Während der Session herrscht Hochbetrieb nicht nur in den Ratssälen, sondern auch in der als Restaurant genutzten «Galerie des Alpes». Den prächtigen Alpenblick müsse man sich bei dem Regenwetter halt vorstellen, so Pascale Bruderer zu den Besuchern. Dafür sorgte sie persönlich dafür, dass Durst und Hunger ohne zu grosse Wartezeit gestillt wurden.

Grüezi Bundeshaus: Der az-Wahlkampfbus ist mit 30 Lesern auf den Berner Bundesplatz gefahren.

Grüezi Bundeshaus: Der az-Wahlkampfbus ist mit 30 Lesern auf den Berner Bundesplatz gefahren.

Auf einer Führung erfuhr man interessante Details über den Sitz des Parlaments und seinen Bau, zum Beispiel dass dafür 15 verschiedene Steinsorten verwendet wurden und 170 Firmen daran beteiligt waren. Den grössten Nutzen vom Tag hatte wohl Eden Schärer aus Wettingen: Für eine Lehrabschluss-Arbeit wollte sie ein Interview mit Pascale Bruderer führen. Irgendwie ging aber die Einladung verloren, die Bruderer an mehr als 30 Schüler und Schülerinnen verschickte, die sie zu einem gemeinsamen Termin bei sich zu Hause empfangen hatte. Spontan willigte die Ständerätin ein, das Interview mit Eden Schärer an einem Exklusiv-Treffen nachzuholen.

Im Gespräch mit den Ständerätinnen

Es ist eine seltene Gelegenheit: Im Bundeshaus ein direktes Gespräch mit den beiden Aargauer Ständerätinnen zu führen. Jedenfalls für normale Bürger.

Doch am Donnerstag durften 30 ausgewählte az-Leser im Kommissionssitzungszimmer des Bundeshauses Pascale Bruderer und Christine Egerszegi begrüssen. Und schonungslos befragen. Anfangs jedoch blieben die Leser zurückhaltend; die ehrwürdige Räumlichkeit und die nicht alltägliche Begegnung schienen die Angriffslust zu hemmen.

Egerszegi löste dann die allgemeine Anspannung und begann, über ihr letztes grosses Geschäft als Ständerätin zu sprechen: die Rentenreform 2020. Ein Thema, womit sie das Interesse sofort weckte, sind doch einige der Anwesenden bereits im Rentenalter. «Jeder Zweite, der jetzt geboren wird, kann gut hundert Jahre alt werden», sagte sie.

Die Rentenreform sei deshalb nötig. Und diese hat es in sich: Frauen sollen ein Jahr länger arbeiten, für die Altersversicherung müssen alle mehr einzahlen und der Umwandlungssatz, der die Rente aus der Pensionskasse bestimmt, soll von 6,8 auf 6 Prozent gesenkt werden.

Im Gegenzug sollen Neurentner monatlich 70 Franken mehr erhalten. «Es gibt doch noch andere Möglichkeiten, die Sozialversicherungen zu alimentieren», sagte ein Leser. Man könne ja bei der Armee sparen. Sofort schoss ein Raunen durch den Saal. Auf den Vorschlag ging indes niemand ein.

«Das macht mir Angst»

Pascale Bruderer erklärte, dass mit den zusätzlichen 70 Franken vor allem kleinere Renten prozentual zunähmen – ein Solidaritätsausgleich. Solidarität, dies war das Schlagwort zum Thema, das den az-Lesern noch stärker unter den Nägeln brannte: Flüchtlinge.

«Ich bin ja kein Rassist», begann ein Leser. «Aber was derzeit im Flüchtlingswesen geschieht, macht mir Angst.» Einige nickten. Bruderer entgegnete, es müsse sich niemand entschuldigen, wenn er Angst habe. «Aber derzeit treffen täglich nur 30 bis 40 Asylsuchende in Buchs ein.» Der Vorwurf, wir hätten ein Chaos, sei nicht gerechtfertigt. «Wir haben definitiv kein Asylchaos.»

Die nun hitzige Diskussion hätte noch lange anhalten können. Doch die Stunde war um. Zeit noch für ein Foto. «Ich habe noch nie ein Selfie gemacht mit Christine Egerszegi», sagt Bruderer und nimmt ihr Handy hervor. Aus dem Stadthaus seien ja Selfies gefährlich. Aber hier sollte es gehen.

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