Milliardär
Bill Gates und die Frauen: War eine Affäre Schuld an seiner Scheidung?

Das Bild, das sich die Öffentlichkeit von Multi-Milliardär und Mega-Spender Bill Gates machte, bekommt Risse. Amerikanische Medien porträtieren den Technologie-Unternehmer als Schwerenöter, der am Arbeitsplatz Frauen nachstellte und sich Beziehungstipps von Jeffrey Epstein geben liess.

Renzo Ruf, Washington
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Microsoft-Mitgründer Bill Gates: Aus seinem Privatleben werden immer mehr unschöne Details bekannt.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates: Aus seinem Privatleben werden immer mehr unschöne Details bekannt.

Keystone

Vor zwei Wochen kündigten Bill und Melinda Gates an, sich scheiden zu lassen. Und nun kommen immer mehr Details aus dem Privatleben eines der einflussreichsten Männer dieser Welt ans Tageslicht. Über das Wochenende berichteten die «New York Times» und das «Wall Street Journal» übereinstimmend, dass der 65-Jährige an seinen Arbeitsplätzen bei Microsoft und der Bill & Melinda Gates Stiftung regelmässig Frauen nachgestellt habe – obwohl er doch eigentlich seit 1994 angeblich glücklich verheiratet war.

Das «Wall Street Journal» berichtete, Gates habe im vorigen Jahr den Verwaltungsrat von Microsoft verlassen müssen, weil das Technologieunternehmen eine interne Untersuchung gegen ihn angestrebt hatte. Diese Untersuchung drehte sich um eine Affäre zwischen Gates und einer Microsoft-Angestellten im Jahr 2000.

Und die «New York Times» schrieb, dass Gates berüchtigt für seine oft tollpatschigen Anmach-Versuche gegenüber Frauen gewesen sei. Andererseits zitierte die «Times» auch Stimmen, die sagten, dass Gates seine Machtposition als Konzernchef nie missbraucht habe, und nie Druck auf Frauen ausgeübt habe.

Affäre «einvernehmlich» beendet

Eine Sprecherin des Multi-Milliardärs, dessen Vermögen aktuell auf 128 Milliarden Dollar geschätzt wird, wies den Tenor der Berichterstattung zurück. Gates, der Microsoft zu Beginn der Siebzigerjahre mitgegründet hatte, sei freiwillig als Verwaltungsrat zurückgetreten, sagte sie, und nicht aufgrund einer alten Affäre. Ausserdem sei diese aussereheliche Beziehung schon lange «einvernehmlich» beendet worden.

Microsoft wiederum bestätigte, dass in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 eine interne Untersuchung gegen Gates eingeleitet worden sei. Ein Ausschuss des Verwaltungsrats und eine externe Anwaltskanzlei habe sich mit den Anschuldigungen beschäftigt, er habe eine Affäre mit einer Untergebenen gehabt. Gates allerdings trat zurück, bevor ein Ergebnis dieser Überprüfungen vorlag. Offiziell hiess es damals, der Microsoft-Mitgründer wolle nun mehr Zeit für seine philanthropische Arbeit aufwenden.

Beziehungstipps von Jeffrey Epstein?

Melinda Gates wollte die Spekulationen öffentlich nicht kommentieren. Das «Wall Street Journal» hatte bereits vor einigen Tagen berichtet, die 56-Jährige habe sich seit 2019 regelmässig mit ihren Scheidungsanwälten getroffen. Es ist unklar, wie detailliert Gates über die Vorfälle bei Microsoft informiert war und warum sie sich letztlich dazu entschied, einen Scheidungsantrag einzureichen. (Die offizielle Begründung lautet, dass sich das mächtige Paar auseinandergelebt habe und ihre Beziehung «unwiederbringlich» am Ende sei.)

Jeffrey Epstein.

Jeffrey Epstein.

AP

Eine Rolle mag vielleicht auch der Kontakt gespielt haben, den ihr Gatte mit dem umstrittenen Financier Jeffrey Epstein gepflegt hatte. Gates traf sich von 2011 bis 2014 mehrmals privat mit Epstein an seinem Wohnsitz in New York, angeblich, um über Philanthropie zu sprechen. Angeblich habe ihm Epstein während dieser Treffen auch Beziehungstipps gegeben. Diese Darstellung entspreche nicht der Wahrheit, sagte eine Gates-Sprecherin, und der Multi-Milliardär betreue diese Treffen. Epstein hatte sich im August 2019 das Leben genommen, nachdem er wegen Menschenhandels und sexuellem Missbrauch Minderjähriger angeklagt worden war.

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