Amerika
Immer mehr Flüchtlinge drängen nach Mexiko - und von dort in die USA

An der Südgrenze des Landes hindern die Behörden Tausende am Weiterreisen. Die meisten wollen in die Vereinigten Staaten.

Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt und Renzo Ruf, Washington
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In der Stadt Tapachula im Süden Mexikos kommen immer mehr Migranten an. Viele wollen weiter in die USA.

In der Stadt Tapachula im Süden Mexikos kommen immer mehr Migranten an. Viele wollen weiter in die USA.

Das Nadelöhr ist der Río Suchiate. Träge und braun fliesst der Fluss dahin. An dieser Stelle im mexikanischen Bundesstaat Chiapas ist er kaum hundert Meter breit. Drüben ist Guatemala, Mit ihren Flössen aus Paletten und LKW-Reifen, die sie wie venezianische Gondoliere steuern, warten Guatemalteken auf Kundschaft. Je nach Gepäck passen fünf bis zehn Migranten auf die wackligen Gefährte. 75 guatemaltekische Quetzales kostet die kurze Überfahrt ins neue Land, gut acht Franken. Für Migranten ist das sehr viel Geld.

Auf der mexikanischen Seite beobachtet die «Guardia Nacional», die neue paramilitärische Polizeieinheit von Präsident Andrés Manuel López Obrador, das Treiben. Der Staatschef schuf die Truppe eigentlich, um das Organisierte Verbrechen zu bekämpfen. Aber bisher ist die Guardia vor allem Grenzpolizei. Hier im Südwestzipfel des Landes sollen sie Migranten daran hindern, mexikanisches Territorium zu betreten. Im Norden, Tausende Kilometer entfernt an der Grenze zu den USA, sollen sie genau das Gegenteil tun. Ein groteskes und zunehmend unmögliches Unterfangen.

Zwischen Januar und August zählte Mexiko 147000 undokumentierte Migranten, drei Mal so viel wie 2020. Die US-Einwanderungsbehörde nahm allen im Juli rund 212000 Flüchtlinge fest. Seit Joe Biden in den USA im Amt ist und sich die Lage in Zentralamerika weiter verschlechtert, kommen sie wieder in Scharen. Manchmal sind es Tausend an einem Tag, die den Suchiate überqueren wollen. In der jüngsten Zeit sind immer mehr Haitianer darunter. Und die Guardia Nacional? Für 300 Quetzales schliessen sie die Augen, wenn die Menschen an der mexikanischen Seite das Floss verlassen.

Die meisten Flüchtlinge wollen weiter in den Norden, in die USA, wo sie Verwandte oder Freunde haben. Derweil versucht die Regierung von Präsident Joe Biden, die Flüchtlinge mit allen Mitteln von dieser langen Reise abzuhalten.

Die Amerikaner greifen an der Grenze hart durch

So griff das Grenzwachtkorps diese Woche hart durch, als Tausende von Menschen bei Del Rio (Texas) die Grenze zu den USA ohne gültige Reisepapiere überschritten. Filmaufnahmen von Agenten hoch zu Ross machten die Runde, die Migranten aus Haiti davon abhielten, auf der amerikanischen Seite des Grenzflusses Rio Grande an Land zu treten.

Solche Massnahmen zeigen Wirkung: Das Lager unter einer Strassenbrücke in Del Rio, in dem zu Wochenbeginn 15000 Menschen unter misslichen Bedingungen hausten, leerte sich am Freitag vollständig – auch weil viele Migranten sich dazu entschlossen hatten, wieder nach Mexiko zurückzukehren.

Politisch allerdings ist die Krise noch lange nicht ausgestanden. Rechte Hardliner werfen Biden vor, er sende falsche Signale an Flüchtlinge aus. Und linke Parteifreunde finden, der Präsident sei herzlos. «Ich bin unzufrieden mit der Regierung», sagte die Abgeordnete Maxine Waters, da Biden zentrale Pfeiler der Einwanderung

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