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Prozess gegen Epstein-Gefährtin: Was bedeutet das Zögern der Jury für Ghislaine Maxwell?

Seit Montag beraten die Geschworenen in New York über die Anklagepunkte gegen Ghislaine Maxwell (59), die Freundin des verstorbenen Sexualverbrechers Jeffrey Epstein. Ihr Zögern verheisst für die Anklage nichts Gutes.

Renzo Ruf, Washington
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Ghislaine Maxwell (links) spricht mit ihrem Anwalt in einem Gerichtssaal in New York.

Ghislaine Maxwell (links) spricht mit ihrem Anwalt in einem Gerichtssaal in New York.

Gerichtszeichnung: Elizabeth Williams / AP

Das Warten geht weiter. Am Mittwoch verabschiedeten sich die zwölf Geschworenen, die seit dem späten Montagabend in einem Bundesgericht in New York über die sechs Anklagepunkte gegen Ghislaine Maxwell brüten, ins lange Weihnachtswochenende. Mit einem «Nein, danke» lehnten die Geschworenen auch das Angebot von Richterin Alison Nathan für einen zusätzlichen Verhandlungstag ab. Ihre Beratungen werden sie frühestens am kommenden Montag fortsetzen.

Maxwell, die langjährige Freundin des verstorbenen Sexualverbrechers Jeffrey Epstein, wird ihren 60. Geburtstag am Weihnachtsfeiertag also definitiv hinter Gittern feiern müssen. Sie sitzt derzeit in einem Untersuchungsgefängnis im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Sie steht im Verdacht, ihrem Weggefährten als Zuhälterin von Minderjährigen gedient zu haben. Bei einer Verurteilung droht ihr eine Gefängnisstrafe von bis zu 70 Jahren.

«Vielleicht war das der grösste Fehler ihres Lebens»

Ist das Zögern der Geschworenen nach den Schlussplädoyers der Maxwell-Anwälte nun ein gutes Zeichen für die Angeklagte? Womöglich. Denn klar ist: Gemäss den Spielregeln vor Bundesgericht müssen Urteile einstimmig gefällt werden – egal ob Freispruch («not guilty») oder Schuldspruch («guilty»), und zwar in jedem einzelnen Anklagepunkt. Weil die Beratungen der Jury-Mitglieder geheim sind, selbst für Richterin Nathan, weiss niemand, über welche Punkte die Geschworenen hinter verschlossenen Türen diskutieren. Ein Abweichler unter den 12 Geschworenen aber reicht - und der Prozess gegen Maxwell fände ein vorzeitiges Ende.

Rückschlüsse lassen sich höchstens aus den Fragen ziehen, die die Geschworenen der Richterin bisher gestellt haben. So baten die Jury-Mitglieder um Transkripte sämtlicher vier Epstein-Opfer, die vor Gericht ausgesagt hatten. Auch wollten die Geschworenen Zugriff auf ein Protokoll der Bundespolizei FBI, in dem ein Opfer widersprüchliche Aussagen über Epstein und Maxwell gemacht hatte. Richterin Nathan wies letzteres Ansinnen ab, weil sie dieses Dokument nicht als offizielles Beweismittel zugelassen hatte.

Maxwells Verteidiger sind optimistisch

Derweil verbreitet die Verteidigung Optimismus. Im Gerichtssaal klatschten sich zwei der Maxwell-Anwältinnen am Mittwoch ab. Die Verteidigung bezeichnet Maxwell als Bauernopfer der Justiz. Anwältin Laura Menninger sagte im Schlussplädoyer:

«Ghislaine wird der Prozess gemacht, weil sie mit Jeffrey Epstein zusammen war. Vielleicht war das der grösste Fehler ihres Lebens. Aber es ist kein Verbrechen.»

Die Anklage hingegen stellt sich auf den Standpunkt, dass Epstein und Maxwell Komplizen gewesen seien; sie habe ihm junge Frauen und minderjährige Mädchen zugehalten, die sie dann häufig gemeinsam sexuell missbraucht hätten.

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