Amerika
Wie Reiche Steuern vermeiden: Elon Musk bezahlte 2018 in den USA keinen Cent Einkommenssteuern

Das investigative Nachrichtenportal «Pro Publica» veröffentlicht die eigentlich vertraulichen Steuerdaten der 25 reichsten Amerikanerinnen und Amerikaner ‒ und zerstört damit den «Mythos», dass Superreiche dem Fiskus am meisten Geld abliefern.

Renzo Ruf, Washington
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Er ist, aktuell, der zweitreichste Mann der Welt, mit einem Vermögen von mehr als 152 Milliarden Dollar – und einem dementsprechend aufwendigen Lebensstil. Und dennoch bezahlte Elon Musk im Jahr 2018 in Amerika auf Bundesebene keine Einkommenssteuern.

Musk ist nicht allein. Auch der Internet-Pionier Jeff Bezos – aktuelles Vermögen über 185 Milliarden Dollar – lieferte dem Internal Revenue Service (IRS) 2007 und 2011 keine Einkommenssteuer ab. Und selbst obwohl es Amerikas Superreichen nicht immer gelingt, die Steuerlast auf null Dollar zu drücken, ist ihre Steuerquote dank legalen Tricks verschwindend tief.

So wuchs das Vermögen des legendären Investors Warren Buffett, der öffentlich gerne über die Ungerechtigkeiten des amerikanischen Steuersystems spricht, von 2014 bis 2018 um mehr als 24 Milliarden Dollar. In der gleichen Zeitspanne bezahlte der 90-Jährige aber nur gegen 24 Millionen Dollar an Einkommenssteuern. Dies berichtete das investigate Nachrichtenportal «Pro Publica» am Dienstag, mit Berufung auf die eigentlich vertraulichen IRS-Daten der 25 reichsten Amerikaner.

Auch die Bidens greifen auf Steuertricks zurück

Das Fazit, das «Pro Publica» angesichts dieser Daten zieht: Der Mythos, wonach in Amerika alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler ihren gerechten Anteil bezahlen und die reichsten Amerikaner am meisten Geld an den Fiskus abliefern, sei nun für immer zerstört. Dafür mitverantwortlich sind nicht nur zahlreiche Schlupflöcher, Abzüge und Steuertricks, von denen letztlich nur superreiche Unternehmer profitieren können – sondern auch die Tatsache, dass auf Bundesebene Vermögen nicht besteuert wird. Entsprechende politische Pläne sind laut Umfragen zwar höchst populär; es gibt aber berechtigte Zweifel daran, ob eine Vermögenssteuer mit der Verfassung vereinbar wäre.

Die Zahlen, die das Nachrichtenportal in mehreren Artikeln präsentiert, sind Wasser auf die Mühlen der Demokraten, die in Washington eine Debatte über die Reform des Steuerrechtes in Gang bringen wollen. So ist es kein Zufall, dass es jeweils quirlige Unternehmer sind, die ihre IRS-Rechnungen stark reduzieren können – ihnen steht eine Palette von Möglichkeiten zur Verfügung, die Lohnbezüger normalerweise nicht haben. So beschafft sich Elon Musk frisches Geld, indem er Kredite aufnimmt und bei den Banken Tesla-Aktien als Sicherheiten hinterlegt.

Ein anderer Trick, auf den übrigens auch der heutige Präsident Joe Biden und seine Gattin Jill zurückgreift: Saläre und Honorare werden über eine juristische Person abgerechnet, da Unternehmen prozentual weniger Steuern bezahlen müssen. Die Vehikel der Bidens trugen dabei fantasievolle Namen wie Giacoppa Corp. oder CelticCapri Corp.

IRS-Chef Charles Rettig, im Amt seit Oktober 2018, kündigte derweil eine Untersuchung an, um herauszufinden, wie «Pro Publica» sich Zugriff auf vertrauliche Daten verschaffen konnte. Steuerinformationen gehörten nicht an die Öffentlichkeit, sagte Rettig sinngemäss. Und eine IRS-Sprecherin betonte, dass gegen das Gesetz verstosse, wer vertrauliche Regierungsinformationen offenlege. «Pro Publica» wiederum betonte, die Identität der Quelle nicht zu kennen. Auch kann das Nachrichtenportal nicht ausschliessen, dass die Informationen von einem ausländischer Hacker stammten.

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