Ukraine
Brüchige Waffenruhe: Kämpfe und Artilleriefeuer in Mariupol

Beim ersten ernsthaften Bruch der Waffenruhe in der Ukraine ist es am Samstagabend bei der ostukrainischen Hafenstadt Mariupol zu Kämpfen gekommen. Zu hören war Artilleriefeuer. Regierungstruppen und Separatisten beschuldigen sich gegenseitig.

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Explosionen in Mariupol.

Explosionen in Mariupol.

Twitter/ronzheimer

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters sah, dass eine Industrieanlage, ein Lastwagen sowie eine Tankstelle innerhalb der Stadtgrenzen in Brand gerieten. Auch andere Journalisten berichteten von Explosionen.

Ein Offizier der ukrainischen Armee erklärte vor Ort: "Es gab einen Artillerieangriff. Wir haben eine Reihe von Einschlägen abbekommen, aber noch keine Informationen über Opfer."

Die Separatisten warfen ihrerseits den Regierungseinheiten einen Verstoss gegen die Feuerpause vor. Stellungen nahe Mariupol seien unter Feuer genommen worden, teilten sie am späten Samstagabend mit.

Sanktionen vorbereitet

Am Freitag hatten die Konfliktparteien einen Waffenstillstand vereinbart, der abgesehen von vereinzelten Schüssen auch gehalten hatte. Auch in der Umgebung des Hafens von Mariupol am Asowschen Meer war es nach heftigen Kämpfen am Freitag nach Verkündung der Waffenruhe ruhig geblieben.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin waren sich bei einem Telefonat am Samstag ebenfalls einig gewesen, dass der Waffenstillstand halte. Es seien aber weitere Massnahmen nötig, um ihn dauerhaft zu machen. Die grosse Skepsis der Bevölkerung zeigte aber gleichzeitig, wie gross das Misstrauen und wie verhärtet die Fronten sind.

Sollte die Waffenruhe nicht halten, sollen Anfang der Woche neue Sanktionen gegen Russland in Kraft treten. Die EU-Botschafter hatten sich am Freitag auf eine Verschärfung der Strafmassnahmen gegen Russland verständigt. Wirksam werden sollen sie allerdings erst zu Beginn der Woche.

Die EU erklärte zudem, die zusätzlichen Strafmassnahmen könnten ausgesetzt werden, wenn Russland seine Soldaten aus der Ostukraine abziehe und die neu vereinbarte Waffenruhe zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischen Regierungseinheiten eingehalten werde.

Gefangenenfreilassung begonnen

Die prorussischen Aufständischen begannen der Regierung zufolge am Samstag mit der Freilassung von Gefangenen. Mehrere Soldaten seien in der Nähe der Separatistenhochburg Lugansk übergeben worden, sagte Poroschenkos Sprecher Swjatoslaw Zegolko in der Hauptstadt Kiew.

Die prowestliche Führung der Ex-Sowjetrepublik will ihrerseits vermutlich an diesem Montag erste Gefangene freilassen. Die Aufständischen haben Schätzungen zufolge etwa 1000 Soldaten in ihrer Hand, die Regierungstruppen demnach etwa 200 moskautreue Kämpfer. (sda)

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