Corona-Pandemie
Im Süden des Landes sind die Intensivstationen wieder voll: Die nächste Corona-Welle schlägt in den USA ein

In amerikanischen Bundesstaaten wie Tennessee, Florida oder Texas stecken sich täglich wieder Tausende Menschen mit dem Corona-Virus an. Weil viele Amerikaner noch nicht geimpft sind, erkranken sie zum Teil schwer.

Renzo Ruf, Washington
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Ein Protest von Befürworterinnen und Gegnerinnen einer Maskenpflicht an den öffentlichen Schulen in Fort Lauderdale (Florida) .

Ein Protest von Befürworterinnen und Gegnerinnen einer Maskenpflicht an den öffentlichen Schulen in Fort Lauderdale (Florida) .

Amy Beth Bennett / AP

Das Chaos in Kabul dominiert die Debatten in Washington. Innenpolitisch allerdings sieht sich die Regierung von Präsident Joe Biden mit einer anderen Krise konfrontiert, die politisch weit grössere Folgen haben könnte und auf lokaler Ebene mehr Emotionen weckt: Mit einer neuen Welle von Corona-Erkrankungen, die zu Beginn des neuen Schuljahres in zahlreichen Landesteilen das Gesundheitswesen erneut an den Anschlag bringt.

So berichten Ärzte in Nashville (Tennessee), dass sich die Wartezeit im Notfall einiger lokaler Spitäler aktuell auf mehrere Tage belaufe. Und der Chef des Spitalverbandes in Alabama liess sich mit den Worten zitieren: «Wir befinden uns auf einem Pfad, der desaströs aussieht», seien doch bereits sämtliche Betten in den Intensivstationen belegt. Im ganzen Land ist die Zahl der Hospitalisierungen auf fast 87'000 angestiegen, eine ähnlich hohe Zahl wie zuletzt im November 2020. Bei etwas mehr als 1000 dieser Patienten handelt es sich um Kinder unter 16 Jahren, die auch in Amerika noch nicht gegen Corona geimpft werden können.

Besonders hoch bei Ungeimpften

Von der aktuellen Welle sind vor allem Landesteile betroffen, in denen die Zahl der ungeimpften Menschen überdurchschnittlich hoch ist – und in denen Gouverneure regieren, die das Heu nicht auf derselben Bühne wie Präsident Biden haben. Florida beispielsweise: Dort positioniert sich Regierungschef Ron DeSantis, ein Republikaner, als die Stimme der Zukunft und bereitet eine Präsidentschaftskandidatur für die Republikanischen Partei vor. Dabei steuert DeSantis einen harten Corona-Kurs. Von einer Maskenpflicht an den Volksschulen, wie sie die Gesundheitsexperten in Washington gemeinhin befürworten, will er nichts wissen. «Wir haben keine solchen Verfügungen, und wir werden keine solchen Verfügungen haben», sagte er vor einigen Wochen.

Allerdings sieht sich DeSantis auch auf lokaler Ebene mit Widerstand gegen seine Politik konfrontiert: Die grössten Schulbezirke Florida ignorierten in den vergangenen Tagen, mit Verweis auf die steigende Zahl der Corona-Ansteckungen, die Anweisung des Gouverneurs und führten eine Maskenpflicht ein. Die Drohung DeSantis, dass er nötigenfalls die Löhne der verantwortlichen Schul-Administratoren streichen werde, erwies sich vorderhand als leere Drohung. Nun sucht der Gouverneur nach einem Weg, die Bezirke zu bestrafen. Seine Sprecherin kündigte diese Woche auf dem Kurznachrichtendienst Twitter Konsequenzen an.

Eine ähnliche Niederlage musste in Texas auch Gouverneur Greg Abbott einstecken. Das höchste Gericht des Bundesstaates entschied am Donnerstag, lokale Verwaltungsbezirke vorderhand gewähren zu lassen, nachdem sie gegen die Anweisung des Gouverneurs im öffentlichen Raum eine Maskenpflicht angeordnet hatten. In Texas, mit einer Bevölkerung von mehr als 29 Millionen Menschen der zweitgrösste US-Bundesstaat, sind aktuell gegen 46 Prozent sämtlicher Bewohnerinnen und Bewohner vollständig geimpft. Damit hinkt Texas dem Rest des Landes hinterher.

Dabei zeigt doch das Beispiel Abbott, wie nützlich es ist, sich gegen Corona zu impfen. So gab der 63-jährige Gouverneur, der seit den Achtzigerjahren querschnittgelähmt ist, diese Woche bekannt, dass er positiv auf das Virus getestet worden sei. Dank der Tatsache, dass er vollständig geimpft sei, sei er aber nicht krank.

Damit ist Abbott eine Ausnahme. In ganz Texas befinden sich aktuell mehr als 12'000 Menschen in Spitalpflege. Und am Donnerstag wurden mehr als 200 Corona-Todesfälle gemeldet. Landesweit sind seit der Beginn der Pandemie mehr als 625'000 Menschen an den Folgen des Virus gestorben.

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