Bonstetten ZH
Die im Sudan entführte Schweizerin: eine Krankenschwester aus dem Säuliamt

Die im Sudan entführte Schweizerin handelt es sich um eine 71-jährige Krankenschwester aus dem Bezirk Affoltern. Für ihr Engagement vor Ort wurde sie 2010 vom Roten Kreuz ausgezeichnet.

Sacha Ercolani
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Margrit Schenkel.

Margrit Schenkel.

LTA

Vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) gibt es keine Auskunft zur am Samstag im Sudan von Rebellen entführten Schweizerin: «Aus Sicherheit geben wir keine weiteren Informationen zu diesem Fall», sagt EDA-Mediensprecher George Farago auf Anfrage. «Unsere Vertretung vor Ort ist mit den lokalen Behörden in Kontakt. Abklärungen sind im Gang.» Laut «Blick», handelt es sich jedoch um die 71-jährige Margrit Schenkel aus Bonstetten ZH.

Entführungsfälle: Oft trifft es Geschäftsleute

Die meisten der mehr als 32 Schweizer Entführungsopfer der letzten 20 Jahre wurden von ihren Geiselnehmern früher oder später wieder freigelassen – dies aber erst nach Lösegeldzahlungen. Tragisch endete indes 1979 die Verschleppung des Schweizer Geschäftsmannes Hugo Wey in San Salvador. Er wurde ermordet aufgefunden. Entführungen von Schweizer Touristen im Ausland sind gemäss Statistik relativ selten. Viel öfter werden Geschäftsleute, im Ausland lebende Schweizer oder Mitarbeiter von internationalen Organisationen verschleppt. Hohe Wellen schlug anfang 2003 der Fall von vier Schweizer Touristen, die von islamistischen Salafisten in der algerischen Sahara entführt worden waren und dann ein halbes Jahr später zusammen mit zehn anderen ausländischen Geiseln in Mali freigelassen wurden. Sie alle hatten unzählige TV-Auftritte und schrieben sogar Bücher.

Die gelernte Krankenschwester engagiert sich nach Informationen der «Nordwestschweiz» bereits seit 1974 im Sudan, spricht sechs Sprachen fliessend, darunter auch Arabisch. Unter bürgerkriegsähnlichen Wirren arbeitete Schenkel stets unerschütterlich an ihrem Lebenswerk – sie leitet eine Kinderstation, die Hebammenschule und ein Ernährungszentrum. Für ihr Engagement wurde sie 2010 mit dem Preis des Schweizerischen Roten Kreuzes ausgezeichnet und erhielt 30 000 Franken.

Am vergangenen Samstagabend, bei einem ihrer letzten Einsätze, stürmten bewaffnete Männer die Wohnung von Schenkel. Noch immer ist unklar, wer die Männer sind und was sie fordern. Die Entführung der Schweizerin geschah in der westsudanesischen Bürgerkriegsregion Darfur. Dort tobt ein Konflikt zwischen der sudanesischen Armee, mit ihr verbündeten Milizen und Rebellen. Dabei wurden nach UNO-Angaben seit 2003 schon mehr als 300 000 Menschen getötet. Mehr als 2,5 Millionen Menschen flohen vor den Kämpfen, die die Regierung in Khartum wiederholt für beendet erklärt hat. Wer sich dort aufhält, lebt gefährlich. Das EDA warnt deshalb vor Reisen in die Region.

Freilassung gefordert

Schenkel arbeitete seit 2001 fix in El Fasher, dem Hauptort der Provinz Nord-Darfur. Dort ist sie dem Gesundheitsminister der Provinz direkt unterstellt. Da sie wie die Einheimischen stets in einfachen Verhältnissen lebt und sich auch so ernährt, genoss sie selbst in regierungskritischen Kreisen grossen Respekt. Schwester Margrit arbeitet sozusagen als Privatperson und ist auf jeden Franken aus ihrer Heimat angewiesen. Unterstützung erhielt sie oft vom Verein Mutter- und Kind-Betreuungs-Arbeit Sudan (Mukiba). Die Schweiz verlange die sofortige und bedingungslose Freilassung der Entführten, erklärte Sprecher Georg Farago der Nachrichtenagentur SDA.

Der ehemalige Baselbieter FDP-Ständerat René Rhinow, der von 2001 bis 2011 Präsident des Schweizerischen Roten Kreuzes war, überreichte Margrit Schenkel 2010 den Roten-Kreuz-Preis: «Ich erfuhr soeben von der Entführung, und das ist natürlich schlimm», sagt Rhinow am Telefon. Wie mit einer solchen Situation nun umzugehen sei oder ob die Schweiz möglicherweise Lösegeld bezahlen muss, dazu will sich René Rhinow nicht äussern. Er sagt: «Beim Roten Kreuz könnte man möglicherweise Gespräche mit dem Innenministerium oder dem Gesundheitsministerium vermitteln, mehr aber wohl nicht.»