Raumfahrtpolitik
Die Nasa ist zum Erfolg verdammt

Die Nasa steht zunehmend unter politischem wie finanziellem Druck. Die Landung des Mars-Rovers Curiosity kommt für die Wissenschaftler darum einer Erlösung gleich.

Renzo Ruf
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Hier hängt «Curiosity» kurz vor der Landung am Fallschirm
6 Bilder
Kurz nach der Landung schickte «Curiosity» die ersten Bilder auf die Erde
«Curiosity» soll auf dem Mars verschiedene Gesteinsbrocke analysieren
«Curiosity» soll immer dem Wasser folgen
Das sind die ersten Bilder von «Curiosity»
Die ersten Fotos vom Mars

Hier hängt «Curiosity» kurz vor der Landung am Fallschirm

Keystone

Barack Obama, US-Präsident und Wahlkämpfer, lobte die Landung des Mars-Rovers Curiosity gestern als eine «beispiellose Technologie-Leistung». «Heute haben die USA Geschichte geschrieben», liesst sich Obama in einer schriftlichen Mitteilung zitieren. Die Amerikaner würden noch lange stolz auf diesen Moment zurückblicken. «Der heutige Erfolg erinnert uns daran, dass unsere Vormachtstellung – im All wie auf der Erde – davon abhängt, dass wir klug in Innovation, Technologie und Forschung investieren.»

Überschwänglich gefeiert haben gestern auch die Angestellten der US-Weltraumbehörde Nasa (National Aeronautics and Space Administration). Dies selbstverständlich wegen der blossen technischen Leistung. Wahr ist aber auch: Die USA müssen sparen, um das gigantische Haushaltsdefizit zu verringern – die Nasa steht deswegen unter politischem wie finanziellem Druck. Der Erfolg von Curiosity wirkt auf die Wissenschaftler da wie eine Erlösung.

Wegen des weniger reichlich fliessenden Geldes ist unter anderem auch das ursprünglich für 2016 anvisierte Nachfolgeprogramm für die SpaceShuttle-Flotte gescheitert. Unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung wurde das Space Shuttle im vorigen Sommer aus dem Verkehr gezogen.

Die neue Doktrin der Amerikaner lautet nun: Weg von der bemannten Raumfahrt hin zu Erkundungsmissionen mit modernstem technischem Gerät. Die Curiosity-Landung wird entsprechend als Bestätigung gewertet, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet.

Space Shuttle fliegt nicht mehr

Aus der bemannten Raumfahrt vollständig verabschiedet hat sich die Nasa indes noch nicht. In diesem Bereich setzt sie nunmehr aber auf die Zusammenarbeit mit Zulieferbetrieben. Letzten Freitag wurde bekannt, dass die Nasa ein neues Kooperationsabkommen mit zwei Unternehmen abgeschlossen hat. Demnach sollen der Flugzeugbauer Boeing und das Technologieunternehmen SpaceX für 1,1Milliarden Dollar ein funktionsfähiges Transportgefährt entwickeln, das Astronauten in die Internationale Raumstation (ISS) befördert. SpaceX ist einer der führenden privaten Anbieter von Weltraumtechnologie, der sich mit Konkurrenten wie Virgin Galactic und Blue Origin ein Rennen um diesen Markt liefert. Die Firma ist im Besitz von Elon Musk, dem südafrikanischen Mitbegründer des Zahlungssystems Paypal und des Sportautobauers Tesla Motors.

Bei dem neuen Transportgefährt soll es sich um eine Weiterentwicklung der Transportrakete Dragon handeln, der es vor drei Monaten erstmals gelang, an die ISS anzudocken. Das neue Fortbewegungsmittel für die Nasa soll ab 2017 im Einsatz stehen.

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