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Hitlergruss im EU-Parlament: «Ich habe der Präsidentin nur zum Abschied gewinkt»

Ein bulgarischer EU-Abgeordneter zeigt im EU-Parlament bei der Debatte um die Rechtsstaatlichkeit den Hitlergruss. Nach empörten Reaktion behauptet dieser, es handle sich bloss um ein «kleines Missverständnis».

Remo Hess, Brüssel
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Eindeutige Geste: Der bulgarische EU-Parlamentarier zeigt den Hitlergruss.

Melissa Schumacher/CH Media Video Unit

Dass sich unter den 705 Abgeordneten im EU-Parlament ein paar schräge Vögel befinden, ist hinlänglich bekannt. Manche unter ihnen kann man aber getrost auch einfach als «durchgeknallt» beschreiben. Der Bulgare Angel Dschambaski gehört seit gestern offiziell dazu.

Der 42-jährige Abgeordnete der rechtsnationalen Partei «Nationale Bewegung» wetterte im Rahmen der Debatte über den Rechtsstaatlichkeitsmechanismus und der Frage, ob man Staaten wie Polen oder Ungarn wegen ihrem Demokratieabbau EU-Mittel entziehen solle, über die EU und ihre Repräsentanten. «Wir werden euch niemals erlauben, uns zu sagen, was wir sagen und was wir tun sollen», so Dschambaski. Sein Statement schloss er mit «Lange lebe Orban, Fidesz, Kaczinsky und das Europa der Nationalstaaten». Nachdem ihm Buhrufe aus den Reihen der Abgeordneten entgegenflogen drehte sich der Bulgare auf seinem Weg aus dem Plenum um und hob die Hand zum Hitlergruss.

Die empörten Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. «Die Rechtspopulisten zeigen ihr wahres Gesicht» schrieb der deutsche FDP-Abgeordnete Moritz Körner auf Twitter. Manfred Weber, der Fraktionsführer der Christdemokraten Manfred Weber, verlangte «umgehende Sanktionen» gegen seinen Abgeordnetenkollegen. Die Parlaments-Vizepräsidentin Pina Picierno, die die Sitzung leitete, bestätigte entsprechende Massnahmen ergriffen zu haben. Pina: «Das Europaparlament ist ein lebendiges Denkmal der Demokratie gegen die Barbarei des Nazi-Faschismus».

«Habe zum Abschied gewinkt»: Dschambaski kontert mit billiger Ausrede

In einer Mail an sämtliche EU-Parlamentarier versuchte sich Dschambaski am Abend zu rechtfertigen. Es habe zu seinem Votum am Nachmittag «ein kleines Missverständnis» gegeben. Dass er Provokationen und kontroversen Äusserungen nicht abgeneigt sei, wüssten alle. Tatsächlich fiel er in der Vergangenheit schon mit rassistischen Äusserungen gegen die Roma-Minderheit auf.

Wer glaubts? Dschambaskis Entschuldigungs-Mail an seine Parlaments-Kollegen.

Wer glaubts? Dschambaskis Entschuldigungs-Mail an seine Parlaments-Kollegen.

Screenshot Twitter @marcobreso

Der Vorwurf, er habe im Parlament den Hitlergruss gezeigt, sei jedoch eine Diffamierung, die ihn «schockiert» habe. In Wirklichkeit sei alles ganz anders gewesen: Nach seinem Statement habe er realisiert, dass seine Worte bei manchen Parlamentariern auf Abneigung gestossen seien. Dafür wollte er sich entschuldigen und habe deshalb auf dem Weg aus dem Plenum der Parlamentsvorsitzenden zum Abschied «demütig» gewunken. Dschambaski: «Ich bin sehr überrascht, dass ich das überhaupt erklären muss. Es war ein einfaches Winken, nicht mehr».

Die Chancen, dass ihm das jemand abnimmt, stehen allerdings denkbar schlecht.

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