Epstein-Verbindung
«Unbesonnener, arroganter Trottel»: Prinz Andrew gerät in Epstein-Affäre immer stärker unter Druck

Klage eingereicht: Der britische Prinz soll vor zwei Jahrzehnten eine damals Minderjährige missbraucht haben. Andrew streitet alles ab.

Sebastian Borger, London
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Soll vor zwanzig Jahren eine 17-Jährige missbraucht haben: Prinz Andrew.

Soll vor zwanzig Jahren eine 17-Jährige missbraucht haben: Prinz Andrew.

Paukenschlag zum Jahrestag: Zwei Jahre nach dem Tod des Sexualverbrechers Jeffrey Epstein in einer New Yorker Gefängniszelle hat eines seiner prominentesten Opfer Zivilklage gegen Epsteins Freund Prinz Andrew eingereicht. «Ich ziehe Prinz Andrew für seine Taten zur Rechenschaft», teilte Virginia Guiffre mit. «Für die Mächtigen gibt es keine Ausnahme.» Der Neunte der britischen Thronfolge soll die damals 17-Jährige vor zwanzig Jahren sexuell missbraucht haben.

Dem Lieblingssohn von Königin Elizabeth II. hängen die Vorgänge um die Jahrhundertwende seit mehr als einem Jahrzehnt nach. Damals hatte ihn eine frühere Flamme, die mondäne Ghislaine Maxwell, bei ihrem damaligen Lover, dem millionenschweren Finanzjongleur Jeffrey Epstein, eingeführt.

Dieser versammelte mit Vorliebe Prominente in seinem Umkreis, darunter auch die Ex-Präsidenten Bill Clinton und Donald Trump, und umgarnte sie mit kostenloser Gastfreundschaft auf seinen diversen Anwesen in Manhattan, Florida und in der Karibik.

Junge Mädchen zu «Sex-Sklavinnen» gemacht

Dass dort junge Mädchen und Frauen ein und aus gingen, will der Prinz nie bemerkt haben. Die Zeugenaussagen der Opfer sprechen eine andere Sprache: Dutzende wurden den Ermittlungen der Polizei zufolge zum Geschlechtsverkehr gezwungen und zu «Sex-Sklavinnen» abgerichtet. Der deshalb bereits 2008 zu einer kurzfristigen Freiheitsstrafe verurteilte Epstein wurde 2019 erneut verhaftet und starb kurz darauf, am 10. August, 66-jährig in einer Gefängniszelle.

Das Todesermittlungsverfahren sprach von Selbstmord, die Umstände blieben dubios, in jedem Fall für die Gefängnisbehörden peinlich.

Vielleicht ist dies der Grund, warum Ghislaine Maxwell in ihrer eigenen, mittlerweile 13 Monate dauernden Untersuchungshaft lückenlos überwacht wird. Der jüngsten Tochter des legendären Medienzaren Robert Maxwell wirft die New Yorker Staatsanwältin unter anderem «Verführung Minderjähriger» und Meineid vor.

Die sechs Anklagepunkte beziehen sich auf die Jahre 1994 bis 1997 und könnten 35 Jahre Strafhaft zur Folge haben – es sei denn, Maxwell legt den Strafverfolgern ihre Kenntnisse über Epsteins Machenschaften offen. Die Beschuldigte beteuert ihre eigene Unschuld, der Prozess soll im November beginnen.

Maxwell spielt auch in den vermeintlichen Kontakten zwischen Giuffre und dem Prinzen eine entscheidende Rolle. Denn das unbedarfte Mädchen gab eigenen Angaben zufolge mehrmals Maxwells Drängen nach und hatte mit dem «stark schwitzenden» Prinzen, damals 41, Geschlechtsverkehr. Sowohl Andrew selbst wie Maxwell haben dies stets bestritten.

Der Prinz will sich an nichts erinnern

In einem katastrophalen längeren Interview mit der BBC beteuerte der Herzog von York 2019, er habe «keinerlei Erinnerung an ein Treffen mit dieser Lady».

Prinz Andrew: «Man kann nicht beweisen, ob das Foto gefälscht wurde oder nicht.»

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In der britischen Öffentlichkeit wird Andrew zunehmend bestenfalls als etwas dümmliche Lachfigur wahrgenommen. Sogar seine Freunde würden einräumen, berichtete die Society-Journalistin Vassi Chamberlain, der Prinz sei zur fraglichen Zeit «unentwegt auf Sex aus» gewesen: «Sein Ruf als unbesonnener, arroganter Trottel kommt nicht von Ungefähr.»

Giuffres Anwälte haben ihre Klage auf der Grundlage eines erst 2019 erlassenen Gesetzes zum Opferschutz von Kindern und Jugendlichen formuliert. Ziel der Klage dürfte eine Geldzahlung sein, wie sie die Mutter von drei Kindern, heute 38, auch schon von Maxwell sowie aus Epsteins Nachlass erhalten hat.

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