Eswatini
Der König lässt auf Kinder schiessen: Wie lange kann sich Afrikas letzter absolutistischer Herrscher noch halten?

Mswati III herrscht absolutistisch über Eswatini. Jetzt ging er aber einen Schritt zu weit, finden nicht nur seine Kritiker.

Markus Schönherr, Kapstadt
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König Mswati III. ist ein Waffen-Narr.

König Mswati III. ist ein Waffen-Narr.

Journalisten, Bürgerrechtler und Oppositionelle lässt er wegsperren, Proteste erstickt er mit Hilfe von Tränengas: Seit Jahren sind sich seine Kritiker nichts anderes gewöhnt von König Mswati III., dem letzten absoluten Monarchen Afrikas. Jetzt hat der Regent von Eswatini (bis 2018 Swasiland) in den Augen vieler aber eine rote Linie überschritten: Erstmals nimmt der absolutistische Monarch jetzt Kinder ins Visier.

In Eswatini, dem bergigen Königreich zwischen Südafrika und Mosambik, brodelt es schon länger. Seit drei Monaten kommt es immer wieder zu Protesten. Die Demonstranten fordern mehr Mitsprache und ein Ende der Gewaltherrschaft. Diese Woche hat die Demokratiebewegung auch die Schulen erreicht: Lernende aller Altersstufen gingen auf die Strasse, errichteten Blockaden und warfen mit Steinen. Mswati liess die Armee und die Polizei in den Schulen aufmarschieren. Mindestens 80 Institutionen mussten vorübergehend schliessen.

Demokratie passt nicht zu seiner Kultur

«Die sozialen Medien quellen über mit Videos von Kindern, die verzweifelt versuchen, Bewaffneten zu entkommen», sagt Dumisani Minsi, Landesdirektor von Save the Children in Eswatini. Tränengas und Schüsse an den Schulen gehören in diesen Tagen «zum Alltag».

Hunderte Kinder seien willkürlich verhaftet worden, erzählt Minsi. Damit hätten die Sicherheitskräfte gegen Kinderschutzgesetze verstossen. «Wir fordern die Regierung dazu auf, Militär und Polizei von den Schulen abzuziehen, damit Kinder wieder einen sicheren Ort zum Lernen haben.»

König Mswati III. geriet wiederholt wegen seines autoritären Führungsstils unter Druck. Nach der Unabhängigkeit von Grossbritannien 1968 hatte sein Vater, König Sobhuza II., das Mehrparteiensystem abgeschafft. Seitdem zerschlägt die Polizei Proteste unter Anwendung strenger Anti-Terror-Gesetze. Bereits 2015 warnte der Monarch vor «Leuten, die nichts über unsere Kultur wissen». Gemeint waren Demokratieaktivisten. Vor ihnen gelte es das Königreich zu «beschützen».

15 Frauen und 200 Millionen Dollar

Eine der Traditionen, die Mswati «beschützen» will, ist sein ureigenes Verständnis der Ehe: Jedes Jahr lässt er junge Frauen in einer Tanzveranstaltung vor ihm antreten und wählt sich eine neue Ehefrau aus. Mehr als 15 Frauen soll der gewichtige Monarch bereits in seinem königlichen Harem haben.

Ein sonderbares Ritual: Die jährlich stattfindenden Hochzeitstänze für den König.

Youtube

Unterdessen demonstrierten in den vergangenen Tagen auch die Erwachsenen: In mehreren Städten gingen Menschen gegen Polizeibrutalität und für höhere Löhne auf die Strasse. In der Hauptstadt Mbabane steckten Demonstranten etliche Fahrzeuge und Gebäude in Brand. Mehrere Menschen starben. Kurzzeitig sahen Beobachter das Ende von Afrikas letzter absoluter Monarchie gekommen, als Gerüchte auftauchten, Mswati habe sich ins benachbarte Südafrika abgesetzt.

Viele Swasi sind stolz auf die Königsherrschaft, die eng mit ihrer Kultur verwoben ist. Für andere ist sie eine Bürde. Dazu trägt vor allem Mswatis Luxusleben bei. 2019 etwa liess der Monarch fast 80 neue BMW- und 15 Rolls-Royce-Limousinen importieren. Der Generalsekretär der Oppositionspartei PUDEMO Wandile Dludlu erklärte:

«Der schamlose König verwöhnt sich und seine Familie, während er die Probleme jener Menschen ignoriert, die er vorgibt anzuführen.»

Mswati lebt mit seinen Ehefrauen in Palästen. Sein Vermögen wird auf 200 Millionen US-Dollar geschätzt. Währenddessen gilt Eswatini mit einem Durchschnittseinkommen von weniger als 300 Dollar pro Monat als einer der ärmsten Staaten der Welt.

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