Ferien
Griechenlands Tourismus läuft auf Hochtouren - diese vier Inseln sind besonders beliebt

Ein wenig Erleichterung in schweren Zeiten: Trotz Waldbränden, Hitze und Corona erlebt der griechische Fremdenverkehr derzeit ein Hoch.

Gerd Höhler, Athen
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Rhodos ist eine der vier «klassischen» Ferieninseln in Griechenland: Hier boomt der Tourismus.

Rhodos ist eine der vier «klassischen» Ferieninseln in Griechenland: Hier boomt der Tourismus.

Sahara-Hitze und Feuerstürme: Das sind nicht gerade die Bedingungen, unter denen man sich entspannte Ferien vorstellt. Trotzdem erlebt Griechenland jetzt einen Reiseboom, der selbst die Erwartungen der Optimisten in der Tourismusbranche übertrifft. Das spiegeln auch die Passagierzahlen auf den griechischen Flughäfen.

Am Airport Athen landeten und starteten im Juli 1,85 Millionen Fluggäste – ein Anstieg von 107 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Daten der europäischen Flugsicherungsbehörde Eurocontrol zeigen, dass die Zahl der für August angemeldeten Griechenlandflüge bei 80 Prozent des Niveaus aus dem Vor-Corona-Jahr 2019 liegen, die für Anfang September angemeldeten Flüge sogar bei mehr als 90 Prozent.

Vom Feuer verschont

Ein Grund ist, dass die grossen Brände wichtige Ferienregionen bisher nicht direkt betreffen. Zwar mussten im Westen der Halbinsel Peloponnes auch einige Ferienhäuser zeitweilig evakuiert werden, die grossen Hotels an der Küste waren aber davon nicht berührt.

Corona-Regeln

Was es beim Griechenland-Trip zu beachten gilt

Griechenland-Touristen müssen einige Einschränkungen und bürokratische Prozeduren in Kauf nehmen. Mindestens 24 Stunden vor der Einreise muss man sich auf der Internetseite travel.gov.gr elektronisch anmelden und erhält dann am Reisetag per E-Mail einen QR-Code. Er dient der Nachverfolgung und muss bei der Ankunft vorgezeigt werden. Wer nicht voll geimpft oder von Covid-19 genesen ist, muss einen negativen Schnelltest oder einen PCR-Test mitbringen. Im Land selbst gelten einige Beschränkungen: In Bars und Clubs müssen die Gäste sitzen. Bei Rückreisen gilt: geimpft, getestet, genesen Geschlossene Räume in der Gastronomie, Kinos und Theater sind nur für Geimpfte zugänglich, ein Test reicht nicht. In Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln gilt Maskenpflicht. Für Rückflüge aus Griechenland in die Schweiz und nach Österreich gilt die 3G-Regel: Man muss geimpft, genesen oder getestet sein. (ghö)

Nachdem im Juli die Gästezahlen in Griechenland bereits zwei Drittel des Niveaus vom bisherigen Rekordjahr 2019 erreichten, brachte die erste August-Woche einen weiteren Schub. Vielerorts liegt die Auslastung der Hotels jetzt bei mehr als 80 Prozent des Vorkrisenjahres 2019. Gäste aus Deutschland stellen derzeit die grösste Gruppe, gefolgt von Briten, Italienern, Franzosen und Niederländern. Auf den Plätzen sechs und sieben liegen die Schweiz und Österreich.

Gefragt sind aktuell vor allem vier Insel-Ziele, die seit Jahren zu den Griechenland-Klassikern gehören: Mykonos, Santorin, Rhodos und Kos. «Es läuft derzeit besser als erwartet», berichtet Konstantina Svynou, die Vorsitzende des Hotelverbandes auf Kos. Die Auslastung vieler Hotels erreiche im August bis zu 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus.

Die höchsten Zuwachsraten im Mittelmeerraum

«Wir hoffen, die Saison bis Ende Oktober oder sogar in den November ausdehnen zu können», sagt Svynou, die selbst ein Familienhotel in der Inselhauptstadt betreibt. «Aber wir leben in ständiger Agonie», klagt die Verbandschefin, denn «niemand weiss, wie sich die Pandemie und die Reiseregeln entwickeln». Wenn wichtige Herkunftsländer Reisewarnungen aussprechen oder gar Rückkehrer in Quarantäne stecken, «dann könnten die Gästezahlen ganz schnell wieder einbrechen», fürchtet Svynou. Ein erstes Warnsignal ist der Anstieg der neu gemeldeten Infektionen: Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg in Griechenland diese Woche erstmals seit Anfang April wieder über den Wert von 200.

Derzeit hat Griechenland unter allen Mittelmeer-Reisezielen die höchsten Zuwachsraten, stellen die Analysten der National Bank of Greece (NBG) in einer jetzt veröffentlichten Studie fest. Das am Jahresanfang angepeilte Ziel, in diesem Jahr die Gästezahlen und Tourismuseinnahmen gegenüber 2020 zu verdoppeln und damit 50 Prozent des Niveaus vom Rekordjahr 2019 zu erreichen, sei in greifbarer Nähe, heisst es in der Studie.

Auch langfristig sehen die Analysten der NBG gute Aussichten: Bis 2030 könnte Griechenland seinen Anteil am globalen Tourismus von 2,3 auf 3,2 Prozent steigern und die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr von 18,2 Milliarden Euro im bisher besten Jahr 2019 auf 36 Milliarden verdoppeln, prognostizieren die Experten der NBG.

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