Mysteriös
Frankreich rätselt über Drohnenflüge über AKWs

Sie tauchen in der Dunkelheit auf, lautlos und an mehreren Orten zugleich. In der Nacht auf Samstag überflogen Drohnen fünf Kernkraftwerke in allen Teilen Frankreichs.

Stefan Brändle , Paris
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Eines der Atomkraftwerke Frankreichs: Das AKW Fessenheim (Archiv)

Eines der Atomkraftwerke Frankreichs: Das AKW Fessenheim (Archiv)

Keystone

Zuvor hatten auch andere Atommeiler im ganzen Land Besuch der unbemannten fliegenden Objekte erhalten.

Begonnen hatte es mit dem Reaktor in Creys-Malville, der seit langem abgebaut wird. Das wirkte wie ein Versuchsballon. Seither häufen sich die mysteriösen Fälle, ohne dass die Behörden wissen, wer dahinter stecken könnte. Bisher hat sich auch niemand dazu bekannt.

Die Regierung in Paris beschwichtigt, eine Drohne stelle keinerlei Gefahr für ein Atomkraftwerk dar. Die Anlagen seien sogar gegen den Absturz eines zivilen Flugzeugs gefeit, erklärt die Gendarmerie, die die verbotenen Flüge registriert hat. In Frankreich ist es untersagt, das Gebiet um ein AKW in einem Umkreis von fünf Kilometern und tiefer als 1000 Meter zu überfliegen.

Aus dem Spielwarengeschäft?

Das Innenministerium lässt auch verlauten, bei den Drohnen handle es sich um Amateurgeräte, wie sie heute in jedem besseren Spielzeugladen gekauft werden könnten. Im Bedarfsfall habe man die Mittel, um solche Drohnen zu «neutralisieren», erklärte Innenminister Bernard Cazeneuve, ohne genauere Angaben über das Wie solcher Interventionen zu machen. Auch der Atomkonzern Areva liess verlauten, die Sicherheit der Anlagen sei nie bedroht gewesen.

Die AKW-Betreiberin Electricité de France (EDF) und die französische Atombehörde CEA, die ebenfalls von einer Drohne überflogen wurden, haben immerhin Klage gegen Unbekannt eingereicht. Die Umweltverbände zeigen sich beunruhigt, da es sich angesichts der gleichzeitigen Überflüge offensichtlich um eine konzertierte Aktion handle. «Das Ausmass der Operationen und die eingesetzten Mittel werden immer beunruhigender», sagte Greenpeace-Sprecher Yannick Rousselet nach der dritten Nacht mit Drohnenflügen.

Zuvor hatte seine Organisation jeden Verdacht, in die Operation verwickelt zu sein, von sich gewiesen. Greenpeace France hatte einmal einen Fallschirmspringer über einem AKW von einer Drohne begleiten lassen, um die spektakuläre Operation zu filmen. Rousselet erklärte aber, all diese Aufnahmen würden sogleich veröffentlicht.

Horror-Szenarien nicht plausibel

Frankreich rätselt deshalb weiter, wer die Drohnen-Flüge manövrieren könnte. Sicherheitsexperten halten Horror-Szenarien wie etwa Inspektionsflüge für Terrorattacken für nicht plausibel. Es gebe unverdächtigere Mittel – wie etwa Präzisionskameras aus mehr als 1000 Metern Höhe –, um auf legale Weise zu Vogelbildperspektiven eines Kernkraftwerks zu kommen, meinen sie. Als möglich erachtet wird eine Aktion von Drohnen-Gegnern wie Ende 2013, als deutsche «Piraten» mit einem Flugobjekt bis auf ein paar Meter in die Nähe der deutschen Kanzlerin Angela Merkel gekommen waren.

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