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China verbietet das Zocken – nur noch maximal eine Stunde an Wochenendtagen erlaubt

Jugendliche dürfen nur noch zu bestimmten Zeiten online gamen – die Parteikader verstehen sich als Volkserzieher.

Fabian Kretschmer, Peking
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Online gamen wann und wo man will - für Chinas Jugend ist damit nun Schluss. Peking reguliert bis tief ins Privatleben.

Online gamen wann und wo man will - für Chinas Jugend ist damit nun Schluss. Peking reguliert bis tief ins Privatleben.

Im Januar setzten die Bauarbeiter in Shanghai zum Spatenstich für die vielleicht grösste E-Sports-Arena an: Auf 500000 Quadratmetern sollen hier bald Zuschauermassen ihren Idolen beim professionellen Gamen zujubeln können.

Doch ob sich das über 800 Millionen Franken teure Investment überhaupt rentiert, scheint mehr als fraglich. Denn Chinas Jugend wird derzeit von der Regierung mit einem strikten Online-Spielverbot belegt.

Am Montag hat die zuständige Behörde eine entsprechende Regelung vorgelegt: Unter der Woche sollen die Kinder und Teenager gar nicht mehr im Netz zocken dürfen, von Freitag bis Sonntag nur maximal eine Stunde pro Tag. Sogar die Uhrzeit wird genauestens festgelegt: Nur im Zeitraum von acht bis neun Uhr abends darf an Wochenenden und während öffentlicher Ferien gespielt werden.

Dass die Massnahme auch überprüft werden kann, dafür sorgen äusserst strenge Gesetze: Jeder Spieler muss sich mit seinem Klarnamen und der Ausweisnummer registrieren. Einige Entwickler haben zudem bereits Software zur Gesichtserkennung in ihre Produkte integriert, sodass niemand heimlich einem fremden Account verwenden kann.

Die moralische Begründung hinter dem Verbot

Viele Details bleiben die offiziellen Stellen bislang schuldig. Doch wenig überraschend begründete die Staatsführung ihre Neuregelung moralisch. Die Regierung möchte die «physische und mentale Gesundheit von Jugendlichen schützen», heisst es von der Nachrichtenagentur Xinhua.

Bereits vor wenigen Wochen hatte eine staatliche Zeitung in einem Leitartikel Online-Videospiele als «Opium für den Geist» diffamiert, was damals die Börsenkurse aus Angst vor Regulierungsschritten fallen liess.

Die Aktien von chinesischen Spieleherstellern sind seit Montag allerdings nur leicht gesunken. Dies hat zum einen damit zu tun, dass die zunehmend resillente Branche eine strikte Regulierung bereits seit längerem erwartet.

An der Massnahme wird jedoch vor allem deutlich, wie sehr sich die Parteiführung in der Hauptstadt Peking als moralische Autorität zur Erziehung seiner Jugend versteht: So hat die Regierung in den letzten Wochen nicht nur den kommerziellen Nachhilfesektor für Schüler de facto verboten, sondern auch gleichzeitig verpflichtenden Unterricht zur «Gedankenlehre Xi Jinpings» eingeführt und die meisten ausländischen Schulbücher aus dem Klassenzimmer verbannt.

Kiffende und rebellische Stars werden gelöscht

Dass sich die Jugend nicht in ihrer Freizeit von «falschen» Idolen verleiten lässt, will die Regierung ebenfalls lösen: In einer Regulierung «exzessiver» Fan-Kultur haben die Behörden etliche Online-Auftritte von skandalgeschüttelten Popstars einfach gelöscht. Wer beim Joint rauchen erwischt wurde oder ein politisch sensibles Thema anspricht, dessen Celebrity-Karriere ist in China vorbei.

Auch der am Freitag vorgeschlagene Gesetzesentwurf zur Online-Regulierung liest sich über weite Strecken wie ein pädagogischer Leitfaden: Algorithmen dürfen Jugendliche nicht zu «schlechtem Verhalten» anstiften, «süchtig» machen und zum Ausgeben grosser Geldsummen verleiten.

Was sicherlich in der Theorie gut gemeint ist, dürfte in der Umsetzung problematisch werden: Denn im Ein-Parteien-Staat gibt es keinen öffentlichen Diskurs darüber, welche Werte die Regierung in Peking ihrer Jugend vermitteln sollte. Zudem sollten doch viele Erziehungsfragen Angelegenheit der Eltern sein – und nicht ausschliesslich mit Regierungsverboten geregelt werden.

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