Überschwemmungen in Deutschland
Hätte die Katastrophe mit SMS-Alarm verhindert werden können?

In Deutschland beginnt die schwierige Aufarbeitung vermeintlicher Versäumnisse vor dem Hochwasser-Drama.

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Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Armin Laschet besuchten am Dienstag die stark getroffene Ortschaft Bad Münstereifel.

Kanzlerin Angela Merkel und Kanzlerkandidat Armin Laschet besuchten am Dienstag die stark getroffene Ortschaft Bad Münstereifel.

AP

Zum zweiten Mal reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern in die vom Hochwasser stark betroffene Region in Westdeutschland. Diesmal machte sie in Begleitung von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet Halt in Bad Münstereifel. Man werde «alles daransetzen», dass den Menschen schnell und unbürokratisch geholfen werden könne, versprach Merkel.

Heute Mittwoch beschliesst das Kabinette in Berlin ein Programm für finanzielle Soforthilfe in der Höhe von rund 400 Millionen Euro. Über einen weiteren Wiederaufbaufonds in Milliardenhöhe soll erst danach entschieden werden.

Die USA setzen längst auf Massen-SMS

Während sich die Pegelstände der Flüsse wieder senken und sich die Lage generell beruhigt, geht in Deutschland die Debatte über begangene Verfehlungen und Versäumnisse los. Der Präsident des Deutschen Städtetages, Burkhard Jung, forderte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe «nach der akuten Nothilfe eine glasklare Analyse» dessen, was für die Zukunft aus der Unwetterkatastrophe zu lernen sei. Als Beispiel nannte er «Konsequenzen für die künftige Kommunikation bei Extremwetter». So habe etwa das Zusammenbrechen von Festnetz und Mobilfunknetz die Kommunikation erschwert.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer forderte, dass Betroffene in Zukunft per SMS gewarnt werden, wie das etwa in den USA bei ähnlichen Katastrophenfällen bereits Usus sei. «Ich bin dafür, dass wir diese Push-Nachrichten auch über die Mobilfunkanbieter beim Bürger ankommen lassen. Aber das ist immer gescheitert, weil der politische Wille an mancher Stelle gefehlt hat», sagte der CSU-Politiker am Dienstag im «Bild live»-Polittalk.

Opferzahl auf 165 gestiegen

Für den Katastrophenschutz sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Der Bund hat hier keine unmittelbaren Zuständigkeiten. Bei Naturkatastrophen und besonders schweren Unglücksfällen können die Länder allerdings zum Beispiel das Technische Hilfswerk oder die Bundespolizei zur Hilfe anfordern.

Die Zahl der bekannten Opfer der Unwetterkatastrophe ist in Deutschland inzwischen auf 165 geklettert. Alleine im stark betroffenen Landkreis Ahrweiler verloren 117 Menschen ihr Leben. Im ebenfalls stark betroffenen Belgien, das gestern einen nationalen Trauertag beging, starben 31 Menschen. (dpa/sas)

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