Openleaks
«Ich habe kein Bedürfnis, Assange wieder zu treffen»

Die neue Enthüllungsplattform Openleaks ist online – die az sprach in Davos mit dem Chef Daniel Domscheit-Berg über Transparenz, das WEF und seinen alten Weggefährten Julian Assange.

Lorenz Honegger
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Daniel Domscheit-Berg

Daniel Domscheit-Berg

Herr Domscheit-Berg, Sie arbeiteten jahrelang Seite an Seite mit Wikileaks-Chef Julian Assange, bis es zum Bruch kam. Haben Sie noch Kontakt zueinander?

Daniel Domscheit-Berg: Nein, seit September 2010 haben wir nicht mehr miteinander gesprochen.

Haben Sie im Sinn, den Kontakt wieder aufzunehmen?

Im Moment besteht aus meiner Sicht kein Bedürfnis, Julian Assange wieder zu treffen. Wenn er das Bedürfnis dazu hat, können wir weiterschauen.

Sie beide setzen sich aber für die gleiche Sache ein?

Ja, wir arbeiten für die gleiche Sache.

Mit Openleaks enthüllen Sie geheime Machenschaften aus Politik und Wirtschaft. Warum?

Damit wir die Realität besser verstehen können. Wir leben in einer Welt der Daten-Zurückhaltung und sind überall mit immer mehr Geheimhaltung konfrontiert.

Wo kommt Openleaks ins Spiel?

Openleaks schafft die technischen Mittel für mehr Transparenz. Es muss eine Plattform sein, wo Informanten Dokumente abladen, rechtlich aber nicht dafür belangt werden können.

Zur Zukunft: Wann werden erste Geheimdokumente über Openleaks an die Öffentlichkeit gelangen?

Direkt über unsere Plattform gelangen keinerlei Dokumente an die Öffentlichkeit.

Openleaks ist also nur als Verbindungsglied zwischen Informanten und Medien gedacht?

So ist es. In den nächsten Wochen werden wir mit einer ersten Testphase beginnen. Wie lange es dauern wird, bis die ersten Dokumente publiziert sind, werden wir dann sehen.

Openleaks arbeitet mit Medien und Nicht-Regierungs-Organisationen zusammen – sind auch Schweizer Partner darunter?

Für die erste Testphase bestehen unsere Kooperationen bereits. Aber ich bin mir sicher, dass wir ab der Betaphase im Sommer auch mit Schweizer Partnern kooperieren werden.

Haben Sie bereits geheime Dokumente erhalten?

Nein, bis jetzt noch nicht.

Seit Mittwoch sind Sie als Gast der Anti-WEF-Veranstaltung «Public Eye» in Davos. Auch das World Economic Forum soll auf Sie aufmerksam geworden sein.

Als mein Auftritt am «Public Eye» angekündigt wurde, erreichte mich eine Anfrage von der WEF-Organisation, ob ich nicht für einen Tag lang ins Kongresszentrum kommen könnte.

Und Sie sagten zu. Was machten Sie dort?

Am Mittwochabend nahm ich an einem Dinner teil, wo die Zukunft der Transparenz besprochen wurde.

Und mit wem konnten Sie da reden?

Ich lernte unter anderem den Verleger der «New York Times» kennen und diskutierte mit Kollegen von den Universitäten Harvard und Oxford.

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