Israel
Israel warnt Gaza-Bewohner und droht mit Ausweitung der Angriffe

Nach dem Scheitern einer Waffenruhe hat Israel Bewohnerinnen und Bewohner des nördlichen Gazastreifens zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Dies solle "zu ihrer eigenen Sicherheit" geschehen, teilte das Militär mit.

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Im nördlichen Gaza-Streifen steigt Rauch empor nach dem Einschlag einer Rakete.

Im nördlichen Gaza-Streifen steigt Rauch empor nach dem Einschlag einer Rakete.

Keystone

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat für Mittwoch eine Ausweitung des Einsatzes angekündigt. Netanjahu warf der Hamas am Dienstagabend vor, Israels einseitige Feuerpause ignoriert zu haben. Nun werde die Miliz dafür "einen hohen Preis bezahlen", sagte er. In der Nacht auf Mittwoch griff die Luftwaffe Häuser führender Hamas-Mitglieder an.

Palästinensische Kinder halten Flugblättern der israelischen Armee in den Händen.

Palästinensische Kinder halten Flugblättern der israelischen Armee in den Händen.

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Israel hatte ab Dienstagvormittag sechs Stunden lang seine Luftangriffe einseitig gestoppt. Die Hamas aber feuerte weiter Dutzende Raketen Richtung Israel, weil sie sich von der diplomatischen Initiative Ägyptens für die Feuerpause übergangen sah. Nachmittags setzte dann die israelische Armee ihre Attacken fort.

Das israelische Militär zählte bis zum späten Dienstagabend 141 Raketenabschüsse aus dem Gazastreifen. In der Hafenstadt Aschdod wurde ein Haus direkt getroffen. Nach Aufhebung der einseitigen Feuerpause berichtete das israelische Militär, die Luftwaffe habe 30 Bombenangriffe geflogen, von denen 20 Raketenstellungen gegolten hätten.

Einmarsch gefordert

Netanjahu liess offen, ob nun israelische Bodentruppen in den Küstenstreifen am Mittelmeer einmarschieren. Dies fordert Aussenminister Avigdor Lieberman, der als Scharfmacher im Kabinett gilt. "Wir wollen die Infrastruktur des Terrors zerstören. Daher kann man diese Militäraktion nicht nur aus der Luft betreiben", sagte er.

Israelische Beobachter halten es aber weiter für möglich, dass beide Seiten einen Waffenstillstand vereinbaren. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas reist am Mittwoch nach Kairo, um doch noch eine Feuerpause zu vermitteln. Der im Westjordanland regierende Politiker hatte gefordert, die Feuerpause einzuhalten. Abbas hat mit der Hamas im April eine Einheitsregierung gebildet. Seine Organisation Fatah ist im Vergleich zu der Hamas gemässigt.

Der gegenseitige Beschuss in Nahost hält seit einer Woche an. Nach Angaben palästinensischer Rettungsdienste wurden seither in Gaza mindestens 203 Menschen getötet und mehr als 1500 weitere verletzt. Mindestens die Hälfte der Opfer stammten demnach aus der Zivilbevölkerung.

Erstmals gab es ein israelisches Todesopfer. Ein Mann wurde laut Armee am Grenzübergang Eres von einer Rakete getroffen.

Hilfe aus Frankreich

Am Mittwoch hat der französische Aussenminister Laurent Fabius Hilfe angekündigt. Europa sei in dem Konflikt bereit, etwas zu tun, sagte er dem Radiosender France Culture. Er schlug eine europäische Unterstützungsmission an den Grenzübergängen zwischen dem Gazastreifen und Israel vor.

Eine solche Mission mit dem Namen EUBAM (EU Border Assistance Mission) hatte die Europäische Union im Jahr 2005 am Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten gestartet. Die Mission wurde 2007 nach der Wahl der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen abgebrochen.

Die Regierung in Paris erhofft sich durch eine Reaktivierung einer Grenzmission einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen Israel und den Palästinensern. Das Thema könnte beim EU-Gipfel in Brüssel zur Sprache kommen.

Völkerrecht gebrochen

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft Israel vor, mit tödlichen Angriffen auf zivile Ziele im Gazastreifen das Völkerrecht gebrochen zu haben. In vier Fällen habe die israelische Armee Ziele attackiert, obwohl es kein legitimes militärisches Ziel für den Angriff gegeben habe oder unverhältnismässig viele Zivilisten gefährdet wurden.

Dazu gehörten ein Angriff auf ein Café, bei dem neun Menschen starben. Ausserdem verurteilt die Organisation laut einer Mitteilung vom Mittwoch einen Angriff auf zwei Wohnhäuser und ein Auto. HRW kritisiert auch die Angriffe militanter Palästinenser auf Israel als völkerrechtswidrig.

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