WikiLeaks
Julian Assange bis auf weiteres in Gewahrsam

Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange, ist heute Morgen in London festgenommen worden. Am Nachmittag stand er in Westminster vor dem Gericht.

Drucken
Teilen
Julian Assange steht in London vor Gericht
6 Bilder

Julian Assange steht in London vor Gericht

Wie der «Guardian» berichtet, hat Julian Assange keine Kaution hinterlegt und verbringt stattdessen die Zeit bis zur zweiten Anhörung im Gefängnis. Die Anklage, geführt von schwedischen Behördenvertretern, argumentierte bereits vorher für eine Inhaftierung Assanges. Zum einen weil er sich nicht früher gestellt hat und zum anderen zu seiner eigenen Sicherheit.

Assange wird in der zweiten Anhörung eine mögliche Auslieferung an Schweden anfechten. Als Grund geben er und seine Anwälte an, eine Kettenreaktion befürchten zu müssen. Schweden könnte Assange weiter in die USA ausliefern, wo ihm hohe Haftstrafen drohen. Assange hat ausserdem einen Antrag auf Unterstützung durch das australische Konsulat eingereicht. Dies obwohl sich Australien schon im Vorfeld der Verhaftung bei der Fahndung nach Assange ausdrücklich hinter die USA gestellt hat.

Gegen 13:40 Uhr MEZ hat Julian Assange das Gericht in Westminster betreten. Er wird nun vor dem Gericht Stellung nehmen zu den Vorwürfen der Vergewaltigung aus Schweden. Das Gericht muss dann über eine mögliche Auslieferung an Schweden entscheiden.

Julian Assange kam mit seinen Anwälten Mark Stephens und Jennifer Robinson durch den Hintereingang. Ein Redaktor des «Guardian» hat den Moment in einem Telefongespräch mit Journalist Sam Jones aufgezeichnet:

Die britische Polizei teilte heute mit, Julian Assange sei auf Basis des von Schweden ausgestellten internationalen Haftbefehls heute Morgen um 10.30 Uhr in einer Londoner Polizeistation verhaftet worden. Ihm wird in Schweden vorgeworfen, zwei Frauen zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Assange kündete im Vorfeld an, zu Gesprächen mit der Polizei bereit zu sein. Die Polizei habe seinen Aufenthaltsort, der in Südengland vermutet wurde, gekannt, so der Anwalt von Julian Assange. Der 39-Jährige Australier bestreitet die Vorwürfe. Bis am Montag soll Assange gemäss Aussagen seiner Anwältin die Vorwürfe gegen ihn nicht in vollem Ausmasse gekannt haben.

Er soll noch heute vor dem Amtsgericht in Westminster erscheinen. Gemäss Guardian soll für Assange eine Einzelzelle vorgesehen sein, verbunden mit einer Kontaktsperre. Beobachter erwarten allerdings, dass er gegen eine Kaution auf freien Fuss gesetzt wird. Assange will im Verlauf des Nachmittags eine Videobotschaft veröffentlichen.

Staatsanwältin: Keine Auslieferung an die USA zu befürchten

Neben Schweden sind auch die USA und als deren Helfershelfer Australien hinter Assange her. Wie die schwedische Staatsanwältin Marianne Ny sagt, sei eine Auslieferung in einem Fall wie diesem nicht möglich. Dies berichtet «Spiegel».

Zweifel bleiben aber. Denn eine internationale Fahndung ist in einem Fall wie diesem höchst ungewöhnlich. Stutzig macht auch, dass die beiden Frauen, die Assange angezeigt haben, in den ersten Protokollen von «einvernehmlichem Sex» gesprochen haben. Erst später soll es umgeschlagen haben und Richtung Vergewaltigung gegangen sein.

Australische Zeitung veröffentlicht Leserbrief von Assange

Die Webseite «The Australian» hat anlässlich der Verhaftung Auszüge aus einem Leserbrief von Julian Assange veröffentlicht, der morgen in voller Länge abgedruckt werden soll. Julian Assange beginnt mit «Im Jahr 1958 schrieb ein junger Rupert Murdoch, damals Besitzer und Redaktor von «Adelaide`s The News», «im Rennen zwischen Geheimhaltung und Wahrheit scheint es unausweichlich, dass die Wahrheit immer siegen wird.»

Das Schreiben thematisiere noch eine Weile weiter die Meinungsfreiheit; «die dunklen Tage der korrupten Regierung in Queensland» (wo Assange aufwuchs, Anm. d. Red.); der FitzGerald-Bericht; und es sage viel aus über seine Erziehung in einer Stadt, in der «die Menschen geradeaus gesagt haben, was sie denken.»

Weiter steht im Brief, australische Politiker würden mit dem US State Departement «wahrscheinlich im falschen Chor mitsingen». Auf der einen Seite würden sie behaupten, die Veröffentlichungen durch Wikileaks würden Leben riskieren und Truppen in Gefahr bringen. Auf der anderen Seite würden sie dann aber behaupten, die von Wikileaks publizierten Dokumente seien völlig unwichtig: «It can't be both.»

Wieso ein Kondom Assange hinter Gitter bringen könnte

Zu Beginn der Jagd auf Assange ging es noch um den Vorwurf der Vergewaltigung. Doch die Polizeiprotokolle aus Schweden machen klar: Es gab keine Vergewaltigung, es gab keine Belästigung - der Sex passierte freiwillig, im gegenseitigen Einverständnis. Es gab aber Streit um ein Kondom. Und laut schwedischem Gesetz kann «Sex ohne Kondom» bestraft werden. Ein Fall für Interpol!

Be eienr Verurteilung droht Assange nach schwedischem eine Mindeststrafe von zwei Jahren Gefängnis wegen «Vergewaltigung».

Stockholms Staatsanwaltschaft ist übrigens selbst unter Beschuss: Gegen sie wurde eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht, weil sie Assanges Namen an die Medien weitergab. (mik/sha/chn/sda)

Update folgt...

Aktuelle Nachrichten