Wikileaks-Gründer
Julian Assange: Genie oder Wahnsinn?

Vor ihm zittern die Mächtigen. Doch was weiss man über das Leben von Julian Assange? Der Versuch einer Kurz-Biografie über das Wikileaks-Mastermind.

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Wer ist Julian Assange?
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Julien Assange
Julian Assange
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Julian Assange beim Verlassen des Gerichtsgebäudes

Wer ist Julian Assange?

Am 3. Juli 1971 wird Julian Paul Assange im australischen Townsville geboren. Seine Eltern - die beiden betreiben einen Wanderzirkus - trennen sich wenige Jahre nach der Geburt Assanges. Er wächst bei seiner Mutter auf, die 1979 erneut heiratet. Die Ehe steht unter keinem guten Stern. Christine Assanges Mann steht in Verbindung mit einer Sekte namens «The Family» - einer Vereinigung, die in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch Schlagzeilen macht.

Als Christine Assange sich Anfang der 80er Jahre, nach der Geburt ihres zweiten Kindes, von ihrem Mann trennt, beginnt eine jahrelange Flucht. Mit 14 Jahren ist Julian Assange bereits 37mal umgezogen. Eine Jugend wie Tom Sawyer und Huckelberry Finn: «mit Jagen, Fischen, Höhelnforschung.» Unterwegs, paranoid, auf der Flucht, nicht sesshaft - die bewegten Jahre prägen den jungen Assange nachhaltig. «Dass du paranoid bist, heisst nicht, dass sie nicht hinter dir her sind,» schreibt Autor Robert Wilson.

«Dass du paranoid bist, heisst nicht, dass sie nicht hinter dir her sind»

Als Jugendlicher beschäftigt er sich mit Computern. MIt 16 bekommt er sein erstes Modem und hackt sich in die Netze von Telefongesellschaften. Sein Umgang mit der neuen Technologie - erste Erfahrungen sammelt er auf dem C64 - ist schon damals intuitiv, wie seine Mutter zu berichten weiss. Später legt er sich das Pseudonym «Mendax» (das lateinische Wort für «lügnerisch») zu und stöbert in Online-Netzwerken. An der University of Melbourne studiert Assange schliesslich Physik.

Ende der 80er Jahre zieht er mit seiner Freundin zusammen. Assange wird Vater, als er 18 ist. Als er 20 wird, ist er bereits geschieden. Der Trennungfolgt ein jahrelanger Rechtsstreit, mittlerweile teilen sich die beiden das Sorgerecht. Assanges Haar wird weiss. Assange ist auf der Suche nach dem einen grossen Lebensziel und wird in der Hackerbewegung fündig. Zusammen mit der Journalistin Suelette Dreyfus schreibt er das Buch «Underground», dessen Untertitel die Story perfekt zusammenfasst: «Tales of Hacking, Madness and Obsession on the Electronic Frontier», zu deutsch: «Geschichten übers Hacken, den Wahnsinn und die Obsessionen an der elektronischen Front».

Ebenfalls Anfang der 90er Jahre gründet er mit Freunden einen der ersten australischen Internetdienste: Auf «Suburbia» veröffentlicht die Gruppe Artikel, startet Diskussionen und Aufrufe. Assange wird zudem Mitglied der Hackergruppe «The International Subversives», im Selbstverständnis moderne Robin Hoods einer neuen Ära in Sachen Informationstechnologie - der Gencode für das spätere Unternehmen Wikileaks. Schon nach wenigen Monaten überwirft sich Assange mit seinem Mitstreiter. Young verlässt das Unternehmen, andere Hacker und Cyberpunks kann Assange jedoch fest an sich binden. Während die Wikileaks-Mitstreiter - es sollen um die 1000 sein - im Hintergrund bleiben, wird Assange zum Gesicht der Bewegung. «Nur eine Führung, die bereit ist, in der Öffentlichkeit Mut zeigen, kann Informanten dazu bewegen, für das Allgemeinwohl Risiken auf sich zu nehmen,» so Julian Assange über sein Selbstverständnis.

Sein Ziel ist nicht das Aufdecken von Wahrheit, sondern das Lähmen grosser Apparate, seien sie wirtschaftlicher oder politischer Natur. Sein Motto: «Leaking ist eine inhärent antiautoritäre Tat. Es ist eine anarchistische Tat.»

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