Kommentar
Erinnerungen an das bittere Ende des Vietnamkriegs: Joe Bidens Abzug aus Afghanistan wird sich rächen

Die Taliban stehen vor den Toren Kabuls. Dass die Islamisten das Land binnen weniger Tage weitgehend unter ihre Kontrolle bringen konnten zeigt, wie wenig in Afghanistan während des 20 Jahre dauernden Einsatzes erreicht worden ist. Jetzt droht das Land erneut zum Hort für Terroristen zu werden.

Fabian Hock
Fabian Hock
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Auf dem Rückzug aus Afghanistan: Ein Helikopter der US-Armee über der amerikanischen Botschaft in Kabul.

Auf dem Rückzug aus Afghanistan: Ein Helikopter der US-Armee über der amerikanischen Botschaft in Kabul.

Rahmat Gul / AP, Kabul am 15. August 2021

Nun scheint es unausweichlich: Noch vor dem 20. Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001 wird über Afghanistans Hauptstadt Kabul die Flagge der Taliban wehen. Jener Gruppe von radikalen Islamisten, die die Attacken auf New York und Washington erst möglich machten, indem sie den Terroristen um Osama bin Laden Unterschlupf boten.

Der Westen unter Führung der USA war damals entschlossen, die Taliban-Herrschaft ein für allemal zu beenden. Jetzt ist klar: Er ist gescheitert.

Noch vor gut einem Monat bezeichnete US-Präsident Joe Biden einen Siegeszug der Taliban nach dem Abzug der US-Armee als «höchst unwahrscheinlich». Was für eine Fehleinschätzung! Nun holen die Amerikaner hastig ihre letzten verbliebenen Leute aus dem Land - was bei nicht wenigen Beobachtern Erinnerungen an das bittere Ende des Vietnamkriegs 1975 weckt.

Es wird gefoltert und gesteinigt werden

Was bleibt, ist ein Land in Trümmern, auf denen die Taliban erneut ihre Schreckensherrschaft aufbauen werden. In Afghanistan wird wieder gefoltert und gesteinigt. Wieder werden Abertausende Menschen gezwungen sein, aus dem Land zu fliehen, um ihr Leben zu retten. Joe Biden muss das nicht interessieren. Europa als Ziel einer neuen Flüchtlingswelle allerdings umso mehr.

Zu erwarten ist aber auch, dass Afghanistan unter der Herrschaft der Taliban abermals zum Hort für internationale Terroristen wird. Wohin das führen kann, daran werden wir alle in wenigen Wochen zum 20. Mal erinnert.

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