Corona
Nachdem Schweiz-Urlauberin die Briten-Mutation einschleppte: Belgien verbietet Ferienreisen

In Belgien mussten 5000 Personen in Quarantäne, nachdem eine Frau die britische Coronavariante aus den Skiferien in der Schweiz einschleppte. Angesichts der anstehenden Karnevalsferien verbietet die Regierung jetzt kurzerhand alle Urlaubsreisen.

Remo Hess, Brüssel
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Greift zu drastischen Massnahmen: Der belgische Premier Alexander De Croo (Archiv)

Greift zu drastischen Massnahmen: Der belgische Premier Alexander De Croo (Archiv)

Keystone

Für den belgischen Premierminister Alexander De Croo ist die Sache klar: «Reisende lassen das Virus zirkulieren. Es muss daher möglich sein, jene Reisen zu verbieten, die nicht essenziell sind».

Gesagt, getan: Belgien verbietet ab Ende Januar alle «nicht essenziellen», sprich alle nicht notwendigen Reisen. Dazu gehören sämtliche Ferienreisen, wie verschiedene belgische Medien berichten.

Die Geschichte über die Schweiz-Rückkehrerin sorgte in Belgien für Schlagzeilen.

Die Geschichte über die Schweiz-Rückkehrerin sorgte in Belgien für Schlagzeilen.

Screenshot Gazet van Antwerpen

Ziel: Ausbreitung der Briten-Variante verhindern

Die Entscheidung folgt kurz nach Bekanntwerden, dass eine Belgierin sich in den Skiferien in der Schweiz mit der hochansteckende britischen Coronavariante infiziert und das Virus bei ihrer Rückkehr eingeschleppt hatte. In der Folge gab die Frau das Virus an ihre Tochter weiter, die es an ihrer Schule verbreitete, von wo es über die Mutter einer Mitschülerin an eine zweite Schule gelangte. Bilanz der fatalen Kettenreaktion: Sämtliche Schüler und Schülerinnen, das Lehrpersonal und die Angehörigen mussten in Quarantäne und zum Massentest. Insgesamt rund 5000 Personen.

Eine Wiederholung dieser Geschichte will man jetzt anscheinend verhindern. Vor allem aber geht es darum, die Ausbreitung der britischen Coronamutation zu unterbinden.

Bald kommen die Karnevalsferien

Die belgische Regierung hat sich gerade jetzt zum Urlaubsverbot entschlossen, weil bald die üblichen Karnevalsferien anstehen. Schon vergangenes Jahr hat Belgien in dieser Zeit schlechte Erfahrungen mit Reiserückkehrern gemacht: Viele Urlauber brachten das Virus direkt aus den Karnevalsferien zurück nach Belgien, eines der am dichtesten besiedelten Länder Europas, worauf es sich rasend schnell verbreitete. Heute hat Belgien mit über 20'000 Coronatoten bei 11 Millionen Einwohnern eine der höchsten Sterberate der Welt. Nach strengen Lockdown-Massnahmen wurden die Zahlen von über 22'000 Fälle im Oktober auf das Niveau von unter 2000 Ansteckungen und rund 50 Tote pro Tag gesenkt.

Wie genau das Reiseverbot umzusetzen sein wird, muss sich noch zeigen. Grenzschliessungen will die Regierung jedenfalls nicht veranlassen. Für Geschäftsreisende und Berufspendler soll der Gang über die Grenze weiterhin erlaubt bleiben. Auch aus dringen familiären Gründen oder für Studierende sollen Reisen möglich sein.

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