Naturkatastrophe
Grossbrände wüten am Mittelmeer: In Griechenland und der Türkei zerstören die Feuer ganze Ortschaften

Der türkische Präsident Erdogan spricht von den schlimmsten Bränden der Geschichte. Meteorologen warnen: Das Schlimmste steht noch bevor.

Gerd Höhler, Athen
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Heftige Waldbrände in Griechenland

Beitrag: Melissa Schumacher

Seit Tagen wüten in Griechenland und der Türkei verheerende Waldbrände. Ortschaften werden evakuiert, Tausende Menschen fliehen vor den Flammen. Nach der Hitzewelle drohen Wolkenbrüche und Überflutungen in den Brandgebieten.

Die ganze Nacht war Nektarios Farmakis auf den Beinen. Der Gouverneur der Region Westgriechenland half bei der Koordinierung der Brandbekämpfung in der Umgebung des antiken Olympia auf der Halbinsel Peloponnes. Als am Mittwochabend eine Flammenfront auf die antike Stätte zurollte, weckte das bei den Menschen böse Erinnerungen an den Sommer 2007.

Damals verwüstete ein Feuersturm ihre Wälder. Wenige Orte sind den Griechen so heilig, wie Olympia, wo in der Antike alle vier Jahre die Olympischen Spiele ausgetragen wurden. Diesmal gelang es den Feuerwehren, ein Übergreifen der Flammen auf den Bezirk zu verhindern. «Die Stätte ist vorerst gerettet», konnte Gouverneur Farmakis am Donnerstag melden.

Derweil kämpften im Nordwesten der Insel Euböa die Feuerwehren gegen einen Waldbrand, der drei Tage zuvor ausgebrochen war und sich immer weiter ausbreitet. Mehrere Dörfer wurden evakuiert. In der vom Feuer bedrohten Ortschaft Chronia liefen Retter des Zivilschutzes von Haus zu Haus und brachen verschlossene Wohnungstüren auf, um sicherzustellen, dass keine hilflosen Menschen zurückgelassen wurden.

In einer dramatischen Rettungsaktion nahmen am Abend zuvor Fischerboote und Schiffe der Küstenwache etwa 100 Menschen am Strand der Ortschaft Rovies auf und brachten sie übers Meer in Sicherheit. Die Menschen waren an die Küste geflüchtet, als die Flammen ihren Ort überrollten und alle anderen Fluchtwege abgeschnitten waren.

Beitrag: Silja Hänggi

Erdogan: «Die grössten Brände in der Geschichte»

Auch in der Türkei bleibt die Lage dramatisch. Die staatliche Forstbehörde meldete am Donnerstag 180 Brände. Davon waren 15 ausser Kontrolle. Bei Mugla an der Ägäis griffen die Flammen auf ein Kraftwerk über, wo Tausende Tonnen Kohle lagern. Staatschef Recep Tayyip Erdogan spricht von den «grössten Bränden in der Geschichte des Landes». Zugleich versuchen seine Behörden, das wahre Ausmass der Katastrophe zu vertuschen.

Die türkische Medienaufsicht RTÜK drohte am Dienstag TV-Sendern mit Strafen, wenn sie weiterhin Bilder brennender Wälder und fliehender Menschen zeigen. Die Justiz ermittelt gegen mehrere Journalisten und Nutzer sozialer Medien, weil sie angeblich «Sorge, Angst und Panik» verbreiten. Oppositionspolitiker kritisieren den schlechten Zustand der Feuerwehren, die nicht über ein einziges einsatzfähiges Löschflugzeug verfügen.

Waldbrand in der Nähe eines Kraftwerks an der Ägäis: Die Türkei verliert die Kontrolle über die Flammen.

Waldbrand in der Nähe eines Kraftwerks an der Ägäis: Die Türkei verliert die Kontrolle über die Flammen.

Bild: Ali Balli / EPA (Mugla, 4. August 2021)

Für die meisten Politiker und Fachleute in Griechenland steht fest: Die Extremhitze und die Feuerstürme stehen in Zusammenhang mit dem Klimawandel. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis spricht von»schweren Zeiten», die dem Land bevorstehen. Nikos Chardalias, der Chef der Zivilschutzbehörde, warnt: «Die Bedingungen in den nächsten Tagen und Wochen werden noch schwieriger sein als heute». Bereits Ende Juni stiegen die Temperaturen in Griechenland über 40 Grad, jetzt erreichten sie örtlich sogar 46 Grad. Efthymios Lekkas, Chef der Erdbebenschutzbehörde OASP und einer der führenden Katastrophenexperten des Landes, erwartet für die kommenden Wochen einen «Dauer-Alptraum».

Nach den Flammen droht das nächste Unheil

Im Westen und Norden Griechenlands rechnen die Meteorologen bereits für diesen Freitag mit einem massiven Wetterumschwung: Nach der Extremhitze erwartet man schwere Gewitter. Der Herbst wird auch anderen Regionen Griechenlands, die für diese Jahreszeit üblichen Wolkenbrüche bringen.

In den Brandgebieten drohen dann Überschwemmungen, weil es keine Bäume mehr gibt, die das Erdreich schützen könnten. Und auch die Feuergefahr ist noch nicht gebannt. Am Donnerstagnachmittag frischte der Wind in der Hauptstadtprovinz Attika auf. Er fachte Glutnester in den Brandgebieten der vergangenen Tage an, im Norden Athens flammte erneut ein Grossbrand auf.

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