Pakistan
Afghanistans Nachbar: Freund der USA – oder doch der Taliban?

Afghanistans Nachbar ist schwer zu durchschauen. Die Geister, die Amerika rief, wird es nicht mehr los.

Michael Wrase, Limassol
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Eine pakistanische Zeitung berichtet über die Ereignisse in Kabul.

Eine pakistanische Zeitung berichtet über die Ereignisse in Kabul.

Keystone

Bündnispartner Pakistan spielt im Konflikt um Afghanistan seit Jahrzehnten eine paradoxe Rolle: Das Land ist noch immer ein nomineller Verbündeter der USA in ihrem Krieg gegen den Terror. Anderseits unterstützt Pakistan die afghanischen Islamisten seit Jahrzehnten ideologisch und finanziell.

Ihr Aufstieg begann 1979, nach dem Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan – und zwar mit dem ausdrücklichen Segen der USA. Sie hatten den damaligen pakistanischen Diktator Zia al Haq gebeten, die afghanischen Mudschaheddin zu einer Guerillastreitmacht aufzurüsten. Die von der CIA mit fünf Milliarden Dollar finanzierte Operation endete acht Jahre später mit dem Abzug der Russen. Die Mudschaheddin, aus denen später die Taliban hervorgingen, aber blieben in Afghanistan. Die Geister, die auch die USA damals gerufen hatten, wurde man bis heute nicht mehr los.

Ihre Machtübernahme wurde in Pakistan auch deshalb gefeiert, weil der geflohene pakistanische Präsident Ghani als Verbündeter Indiens galt. Strategisch gesehen hat Afghanistan für Pakistan eine überragende Bedeutung. Die pakistanische Armee betrachtet das Land am Hindukusch als «Rückzugsgebiet» im Falle einer indischen Invasion. In Islamabad ist man daher an engen Beziehungen mit den Taliban interessiert.

Pakistans Bündnis mit den Taliban hat die angespannten Beziehungen zu den USA weiter beschädigt. Seit seinem Amtsantritt habe US-Präsident Joe Biden noch keinen Kontakt zu ihm aufgenommen, klagt der pakistanische Premier Iman Khan. «Die Amerikaner haben beschlossen, dass jetzt Indien ihr strategischer Partner ist», sagte er in der vergangenen Woche.

Trotzdem ist der «Aufstieg der Taliban für Pakistan keineswegs einfach», betont die pakistanische Buchautorin Madiha Afzal. Dschihadistische Gruppen in Pakistan würden den Aufstieg der Taliban sowie der Niederlage der Vereinigten Staaten als «ideologischen Sieg» betrachten, was «auf lange Sicht Instabilität in der gesamten Region» bedeuten könne.

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