Vatikan
Papst Franziskus hat genug von der Spenden-Verschwendung - und unterbindet unheilige Geschäfte

Franziskus entmachtet das Staatssekretariat und konzentriert die Finanzströme in einer einzigen Behörde. Es ist seine wichtigste Reform. Auslöser war ein Immobiliendeal in London.

Dominik Straub aus Rom
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Finanzreformer Papst Franziskus.

Finanzreformer Papst Franziskus.

Imago (Vatikan, 24.12.2020

Das neue Motu proprio trägt den harmlosen Titel «Über einige Kompetenzen in wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten». Aber das päpstliche Dekret hat es in sich: Es entzieht dem bisher allmächtigen Staatssekretariat jegliche finanzielle Autonomie. Die Superbehörde der römischen Kurie, zugleich Aussen- und Innenministerium des Kirchenstaats, wird ab sofort keinen Euro mehr ausgeben können, ohne dass die interne Finanzkontrolle oder der Papst persönlich ihren Segen geben.

Alle Konten des Staatssekretariats bei der Vatikanbank IOR sowie alle Auslandkonten werden aufgehoben und die Guthaben an die vatikanische Vermögensverwaltung übertragen.

Den Peterspfennig zum Spekulieren missbraucht

Die Apsa, die bisher hauptsächlich das milliardenschwere Immobilienvermögen des Heiligen Stuhls verwaltete, aber mit den täglichen Geschäften der anderen vatikanischen Behörden kaum etwas zu tun hatte, wird nun alle Finanzströme des Kirchenstaats dirigieren und überwachen, unterstützt von der internen Finanzkontrolle, dem Wirtschaftssekretariat.

Das gilt insbesondere auch für den sogenannten Peterspfennig, also für Spenden der Gläubigen in aller Welt, die eigentlich für wohltätige Zwecke und für die Evangelisierung bestimmt wären. Im Staatssekretariat war der Peterspfennig auch für andere Zwecke missbraucht worden – etwa für riskante Immobilienspekulationen in London, bei der die vom Staatssekretariat angeheuerten Broker Summen in dreistelliger Millionenhöhe verzockt hatten.

Der Skandal von London

Der Finanzskandal um die Luxus-Immobilie an der Sloane Avenue im vornehmen Londoner Stadtteil Chelsea war der Tropfen, der das Fass in den Augen von Franziskus hatte überlaufen lassen. Die Affäre war im Jahr 2019 aufgeflogen, doch die Bemühungen des Papstes, den Finanzsumpf im Kirchenstaat trockenzulegen, dauern schon sehr viel länger, nämlich seit seiner Wahl zum Papst 2013.

Der Argentinier war damals im Konklave vor allem von den nicht-italienischen Kardinälen gewählt worden, weil sie ihm zutrauten, die Kurie auszumisten und das Finanzgebaren transparenter und nicht zuletzt auch wieder christlicher zu gestalten.

In der Vatikanbank IOR ist seit längerem wieder Ruhe eingekehrt – vor den Reformen Bergoglios hatte die «Bank Gottes» den Ruf einer mafiösen Geldwaschmaschine genossen. Die Widerstände im Staatssekretariat, das seit Jahren keine ordentliche Jahresbilanz vorlegt und dessen Finanzen deshalb vollkommen intransparent sind, waren dagegen erbittert.

Erbitterter Machtkampf hinter den Kulissen

Als Franziskus ein Jahr nach seiner Wahl das Wirtschaftssekretariat aus der Taufe hob und den australischen Kardinal George Pell an dessen Spitze setzte, kam es hinter den Kulissen schnell zu einem Machtkampf zwischen dem «Ranger», wie der hemdsärmlige ehemalige Rugby-Spieler Pell in der Kurie genannt wurde, und der damaligen Nummer zwei im Staatssekretariat, dem sardischen Kardinal Angelo Becciu.

Pell hatte sein Augenmerk auf das eigenmächtige Finanzgebaren im Staatssekretariat gerichtet – aber als in Melbourne gegen ihn Anklage wegen sexuellen Missbrauchs erhoben wurde, schien er den Machtkampf verloren zu haben. Inzwischen steht der Verdacht im Raum, dass Becciu in Australien Zeugen bestochen habe, damit diese seinen Widersacher mit frei erfunden Aussagen belasteten.

Notwendige Änderungen

Becciu bestreitet dies, aber dieses Jahr hat das oberste Gericht Australiens den zunächst verurteilten Pell von allen Vorwürfen freigesprochen. Franziskus hat den «Ranger» danach in Rom zur Privataudienz empfangen und ihn damit symbolisch rehabilitiert. Dafür ist Becciu in Ungnade gefallen: Im Zusammenhang mit den Skandal um die Londoner Immobilie hat ihn Franziskus im September Knall auf Fall von allen Ämtern enthoben und ihm die Kardinalswürde abgesprochen.

Mit dem neuen Motu proprio zum Jahresende 2020 ist die wichtigste Reform von Papst Franziskus nun weitgehend unter Dach und Fach. Das päpstliche Dekret enthält neben der Entmachtung des Staatssekretariats auch noch eine Reihe weiterer Normen und Weisungen, die zu mehr Transparenz in den vatikanischen Finanzen führen sollen. Es tritt per 1. Januar 2021 in Kraft, damit der Kirchenstaat bereits im kommenden Jahr eine – hoffentlich – aussagekräftigere Bilanz erstellen kann.

«Es war notwendig, der Verwaltung der vatikanischen Finanzen eine Wende zu geben, um die Transparenz und Kosteneinsparungen zu erhöhen», kommentiert Nunzio Galantino, der Chef der apostolischen Güterverwaltung, das Motu proprio seines Vorgesetzten.