Italien
Peitschen-Peer geisselt Grillo und Berlusconi als «Clowns»

Mit einer unglücklich formulierten Analyse der Italien-Wahl verscherzt sich der deutsche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück ein Diner mit Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano.

Dominik Straub, Rom
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Tritt für die SPD gegen Kanzlerin Angela Merkel an: Peer Steinbrück. (Archiv)

Tritt für die SPD gegen Kanzlerin Angela Merkel an: Peer Steinbrück. (Archiv)

Keystone

Rein inhaltlich ist an Steinbrücks Aussagen wenig auszusetzen: In Italien, hat der Kanzlerkandidat der SPD an einer Parteiversammlung am Dienstagabend gesagt, hätten «zwei Clowns» gewonnen. Der eine - Beppe Grillo - sei «ein beruflich tätiger Clown, der auch nichts dagegen hat, wenn man ihn so nennt»; der andere - Silvio Berlusconi - sei «ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub». Vermutlich teilt auch der ehemalige Kommunist Giorgio Napolitano diese Einschätzung.

Nun ist aber Napolitano nicht in erster Linie ein Ex-Linker, sondern der italienische Staatspräsident und gerade auf Staatsbesuch in Deutschland. Und als höchster und überparteilicher Repräsentant seines Landes musste er sich von Amtes wegen über die Disqualifizierung zweier wichtiger italienischer Parteiführer aufregen und ein geplantes Abendessen mit dem Genossen Steinbrück kurzerhand platzen lassen: «Nach diesen abseitigen - oder noch schlimmeren - Äusserungen sind die Voraussetzungen für das Treffen nicht mehr gegeben», liess die italienische Botschaft in Berlin den SPD-Kanzlerkandidaten wissen.

Es ist das Drama des Peer Steinbrück, dass er zwar scharf analysieren kann und meistens richtig liegt, sich aber zuweilen in der Wortwahl vergreift. Das haben auch schon die Eidgenossen erlebt, die er - damals noch als deutscher Finanzminister - im Zusammenhang mit dem helvetischen Bankgeheimnis im Jahr 2009 mit «Indianern» verglich, denen mit der «Kavallerie» gedroht werden müsse. Der damalige Schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz fand das auch nicht lustig.

Zurück zu den beiden italienischen Komikern: Womöglich hat sich Deutschlands Problem-Peer in Deutschland nun selber zum Clown gemacht. Die stellvertretende FDP-Vorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger jedenfalls findet die Kommentare Steinbrücks zur Italien-Wahl zum «Fremdschämen». Das freut und erleichtert wiederum die Italiener, zumindest diejenigen, die nicht Berlusconi oder Grillo gewählt haben: Geteiltes Leid ist halbes Leid.

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