Royal Wedding
Prinzessin makellos: Wie Meghan Markle das Königshaus und das Volk verzaubert

Rettet oder zerstört sie die Monarchie? Mit Meghan Markle verändert sich das Königshaus: Neue Dramen, Hollywood und eine seltsame Rassismusdebatte halten Einzug. Die royale Familie hat genau geschaut, wer da kommt. Dabei wirkt Miss Markle oft makelloser als Lady Di.

Max Dohner
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Meghan Markle verändert das Königshaus.

Meghan Markle verändert das Königshaus.

REUTERS

Meghan Markle schien zunächst alles andere als makellos. Das schlug den Royals auf den Magen. Als Prinz Harry ins gebohnerte Palais von Windsor trat und fragte, ob A – eine Amerikanerin, B – eine Schauspielerin, und C – eine Gemischtrassige genehm sei als Verlobte, überlegte die Queen. Kurz bei A und B, beim Punkt C ... wer weiss.

Mit Punkt A hatte man Erfahrung: 1936 wollte King Edward VIII. die geschiedene Wallis Simpson heiraten. Vor die Wahl gestellt, zog er das leichte Leben der schweren Krone vor. Und zu Punkt B: Ach, schauspielern müssen in einer Königsfamilie doch alle! Queen Elizabeth II. hatte das blutjung vorgemacht und 1953 angeregt, ihre Krönungszeremonie vom Fernsehen übertragen zu lassen. Das katapultierte damals das neue Medium über Nacht in Dimensionen hollywoodscher Traumfabriken.

Königin Elisabeth II. (*21. April 1926) Elisabeth bestieg am 6. Februar 1952 den Thron. Das macht sie zur am längsten regierende Monarchin von Grossbritannien überhaupt – sie schlägt sogar ihre Vorgängerin Queen Victoria.
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Prinz Philip, Herzog von Edinburgh (*10. Juni 1921) Ist seit 1947 der Prinzgemahl ihrer Majestät. Er lernte Königin Elisabeth, damals noch eine Prinzessin, auf der Hochzeit der Prinzessin Marina von Griechenland und dem Herzog von Kent 1934 kennen – zu dieser Zeit war er acht Jahre alt.
Prinz Charles, Herzog von Wales (*14. November 1948) Prinz Charles ist der älteste Sohn von Königin Elisabeth II. und Prinz Philip. Er ist der Thronfolger des Vereinigten Königreichs.
Camilla, Herzogin von Cornwall (*17. Juli 1947) Camilla ist die zweite Ehefrau von Prinz Charles nach Diana, Prinzessin von Wales († 31. August 1997). Sie und Prinz Charles kannten sich bereits, bevor er Diana das erste Mal getroffen hatte.
Prinz William, Herzog von Cambridge (*21. Juni 1982) Prinz William ist der erste Sohn von Prinz Charles und Prinzessin Diana. Sein vollständiger Titel lautet: «His Royal Highness Prince William Arthur Philip Louis, Duke of Cambridge, Earl of Strathearn and Baron Carrickfergus».
Catherine, Herzogin von Cambridge (*9. Januar 1982) Die gebürtige Catherine Elizabeth («Kate») Middleton ist seit dem 29. April 2011 die Ehefrau von Prinz William und somit ein Mitglied der Royal Family. Zwei Milliarden Menschen verfolgten die Royale Hochzeit damals vor ihrem Fernseher.
Prinz George von Cambridge (*22. Juli 2013). Der kleine Prinz George ist der erste Sohn von Kate und William. Genau wie sein Vater wurde er im St. Mary's Krankenhaus in London geboren.
Prinzessin Charlotte von Cambridge (*2. Mai 2015) Die erste Tochter des Ehepaares. Der volle Name der kleinen Prinzessin lautet Charlotte Elizabeth Diana.
Prinz Louis von Cambridge (*23. April 2018) Das derzeit jüngste Mitglied der britischen Königsfamilie.
Prinz Harry von Wales (*15. September 1984) Der zweite Sohn von Prinz Charles und Lady Diana. Früher galt er als Party-Prinz, bald schon trägt er einen Ehering: Seine künftige Ehefrau ist die ehemalige US-Schauspielerin Meghan Markle (* 4. August 1981).
Prinzessin Anne (*15. August 1950) Das zweite Kind und die einzige Tochter von Königin Elisabeth II. gilt als distanziert und kühl – doch kaum ein Mitglied des britischen Königshauses zeigt mehr soziales und politisches Engagement als sie. Zudem war Prinzessin Anne in ihren jüngeren Jahren eine erfolgreiche Military-Reiterin und Olympia-Teilnehmerin.
Prinz Andrew, Herzog von York (*19. Februar 1960) Der zweite Sohn und das dritte Kind von Königin Elisabeth II.
Sarah, Herzogin von York (*15. Oktober 1959) Sarah Ferguson (auch «Fergie» genannt) gilt nicht mehr als ein offizielles Mitglied der Royal Family seitdem sie und Prinz Andrew sich 1996 scheiden liessen. Sie wurde unter anderem als Autorin bekannt und moderierte zeitweise eine eigene Talk-Show.
Prinzessin Beatrice von York (*8. August 1988) Erste Tochter von Prinz Andrew und Sarah Ferguson. An der Hochzeit von Kate und William sorgte sie für Aufsehen mit diesem aussergewöhnlichen Kopfschmuck.
Prinzessin Eugenie von York (*23. März 1990) Die jüngste Tochter von Prinz Andrew und Sarah Ferguson. Hier mit ihrem Verlobten Jack Brooksbank zu sehen. Das zukünftige Ehepaar lernte sich bei einem Ski-Aufenthalt in der Schweiz kennen.
Prinz Edward, Graf von Wessex (*10. März 1964) Prinz Edward ist der jüngste Sohn von Königin Elisabeth II. Wie fast alle Mitglieder der Königsfamilie ist er Ehrenoberst mehrerer Einheiten aller Teilstreitkräfte im Vereinigten Königreich und in anderen Staaten des Commonwealth.
Sophie, Gräfin von Wessex (*20. Januar 1965) Die gebürtige Sophie Helen Rhys-Jones ist die Ehefrau von Prinz Edward. 1996 hatte sie mit einem Partner eine eigene PR-Agentur gegründet, musste 2002 auf Druck des Königshauses als Geschäftsführerin allerdings zurücktreten.
James (*17. Dezember 2007) und Lady Louise Mountbatten-Windsor (* 8. November 2003) James und Louise Mountbatten-Windsor sind die beiden Kinder von Prinz Edward und seiner Frau Sophie, der Gräfin von Wessex. Der Name Mountbatten-Windsor ist ein persönlicher Nachname für die Nachkommen von Königin Elisabeth II.
Prinz Richard, Herzog von Gloucester (*26. August 1944) Prinz Richard ist der Cousin der Königin und Enkel von Georg V.. Zum Zeitpunkt seiner Geburt stand er an fünfter Stelle in der britischen Thronfolge – mittlerweile ist er auf Platz 24 gerutscht.
Birgitte, Herzogin von Gloucester (*20. Juni 1946) Die Ehefrau von Prinz Richard kommt ursprünglich aus Dänemark und wurde in Odense geboren. Sie arbeitete unter anderem in der dänischen Botschaft von London. Gemeinsam hat das Ehepaar drei Kinder.
Prinz Edward, Herzog von Kent (*9. Oktober 1935) Prinz Edward ist Vetter von Königin Elizabeth II. und Enkel von Georg V.. Er wurde 1935 als erstes Kind von Prinz George, Herzog von Kent, und dessen Ehefrau, der Prinzessin Marina von Griechenland geboren.
Katherine, Herzogin von Kent (*30. September 1992) Die Ehefrau von Prinz Edward ist Katharine, Herzogin von Kent. Obwohl eine offizielle Trennung nie stattgefunden hat, gehen die beiden seit den 1980er Jahren privat getrennte Wege.
Prinz Michael, Herzog von Kent (*4. Juli 1942) Der zweite Sohn von Prinz George, Herzog von Kent, und der Prinzessin Marina von Griechenland. Er ist nach dem Bruder des letzten Zaren von Russland, Michail Alexandrowitsch Romanow, benannt, dessen Grossneffe er ist.
Marie Christine von Reibnitz (*15. Januar 1945) Marie Christine von Reibnitz ist die Ehefrau von Prinz Michael. Sie geriet wegen ihren kritischen Aussagen gegenüber der königlichen Familie und einer mutmasslichen Affäre bereits mehrmals in die Schlagzeilen.
Prinzessin Alexandra, Lady Ogilvy (*25. Dezember 1936) Wie ihre Geschwister Prinz Edward und Prinz Michael nimmt Prinzessin Alexandra für ihre Cousine Königin Elizabeth Aufgaben in der Öffentlichkeit wahr. Von 1964 bis 2005 war sie Kanzlerin der Lancaster University, die ihr eine Ehrendoktorwürde für Musik verliehen hat. (Bild von 1961)

Königin Elisabeth II. (*21. April 1926) Elisabeth bestieg am 6. Februar 1952 den Thron. Das macht sie zur am längsten regierende Monarchin von Grossbritannien überhaupt – sie schlägt sogar ihre Vorgängerin Queen Victoria.

Keystone/EPA/STRINGER

Also war nur Punkt C wirklich Neuland. Insofern als der Buckingham-Palast eine Insel darstellt auf Albions Insel. Im Königreich selber ist die Realität längst eine andere: Von allen westeuropäischen Ländern weist Grossbritannien die höchste Zahl an ethnisch gemischten Beziehungen auf. Und die Schwiegertochter in spe mit aufgehelltem Teint und geplättetem Haar... Hatte nicht neulich die britische «Vogue» geschrieben, Miss Markle entspreche dem Ideal einer ethnischen Mischung?

Die Unschuld half nach

Das Resultat dieser drei Überlegungen kann man dieses Wochenende auf allen Kanälen betrachten: «Ja», gefolgt von zweimal «Ja» des hübschen Brautpaars, Typ Pocahontas und Typ Ed Sheeran, einfach ohne Gitarre, dafür mit Rolls und Helikopter. Rachel Meghan Markle und Henry Charles Albert David of Wales, genannt Prinz Harry, geben sich Ring und Wort. Gott seis geklagt: Dianas Söhne haben jetzt alle beide im goldenen Familienkerker ihre privilegierten Ehezellen bezogen.

Windsor ist schon am Tag vor der Hochzeit in der Hand von Schaulustigen.
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Sie säumen den Strassenrand,
machen Fotos
und besetzen die besten Plätze.
Windsor ausser Rand und Band
Windsor ausser Rand und Band epa06747192 A Royal fan wearing a face mask of Britain's Prince Harry poses for a picture in Windsor, Britain, 17 May 2018. Britain's Prince Harry and his fiancee Meghan Markle will marry at Windsor Castle on 19 May. EPA/NIGEL RODDIS
Windsor ausser Rand und Band
Windsor ausser Rand und Band
Windsor ausser Rand und Band
Am Samstag heiraten Harry und Meghan.
Windsor ausser Rand und Band
Die Polizei ist ebenfalls vor Ort und riegelt das Zentrum ab.

Windsor ist schon am Tag vor der Hochzeit in der Hand von Schaulustigen.

NEIL HALL

Sich die Sache reiflich zu überlegen, war schon richtig. Nicht wegen moralischer Bedenken – Moral ist bürgerlicher Ballast. Bei Hof regiert etwas Bedeutsameres: Etikette. Das Motto lautet: «Keep calm and carry on» – halt die Lippe steif und stelze weiter. Wozu? Kümmert niemanden. Hauptsache, die Familie ist alt und wird durch Verjüngung laufend älter. Also sind nur zwei Fragen wichtig, da man, egal ob geboren von Gottes Gnaden, den Genpool nun mal irdisch mischen muss... nein, die Frage, ob es Liebe sei, figuriert darunter nicht: Gibts einen Thronfolger, eine Thronfolgerin? Und benimmt sich jeder so, wie das festgeschrieben steht? Für England und für Kontinuität.

Man hatte es in Windsor natürlich schon klassisch versucht, bei Prinzessin Diana: Sie entstammte einem noch älteren Geschlecht als die Queen selbst, jobbte und posierte glaubwürdig als schüchterne Kindergärtnerin. Leider befeuerte der Anblick Prinz Charles nicht. Dann, «rein zufällig», schien beim Fotoshooting die Sonne durch Dianas wadenlangen Rock. Und zeichnete den Umriss ihrer Hüften ab. Diana sagte, sie habe nichts gewusst. Der Fotograf reagierte sofort, und Prinz Charles war gerührt vom Blitz.

Er war später nicht herzlos, nur konsequent, als er nach der Geburt des zweiten Sohns seine ehelichen Pflichten einstellte. Getreu einer anderen Regel der britischen Monarchie: «You need an heir and a spare»: Du brauchst einen Erben und in der Hinterhand ein zweites As.

Wird Charles übersprungen?

Das Fiasko mit Lady Di war traumatisch für alle, nicht nur für Prinz Harry, der acht Jahre alt war, als seine Eltern sich trennten, und zwölf, als Diana starb. Dianas Tragödie, leben und blühen zu wollen als Individuum, wo individuelle Entfaltung gar nicht gefragt war, trug dem Haus Windsor viel schmutzige Wäsche ein. Einen verheerenden Brand und ein düsteres Image.

Auch darum lässt das Haus jetzt wohl lichte Freuden zu, ohne Gewähr. Harry hatte oft von Gefühlen gesprochen, was man im Haus Windsor nicht tut. Nun erlaubt man ihm einen Raum fürs private Glück. Und verschafft damit im Buckingham der Unberechenbarsten Zutritt: der Liebe. Vermutlich gibt es die sogar, irgendwo da draussen, in der Wildnis des gemeinen Volkes. Dazu zählt in den Augen der Queen halt auch ein Tenniscourt wie Wimbledon; da hatten sich Meghan und Harry kennen gelernt. Irritierenderweise für Beziehungssucher in der profanen Welt – weniger für Royals, die seit Jahrhunderten via Empfehlung Leute verbandeln –, arrangiert als Blind Date durch eine PR-Dame.

Harry ist Nummer sechs auf einem allfälligen Weg zum Thron. Das entspannt die Lage für die zwei. Bruder und Schwägerin, William und Kate, luden sich das Familienkreuz auf und tragen es, inklusive Erbfolge-Troika, beinahe schon unirdisch schmerzlos zum Thron. Als gäbe es längst schon einen Konsens, Prinz Charles zu überspringen. Ihn hat das Warten melancholisch gemacht bis zum Grünstich in seiner Gesinnung, und die Architektur-Hässlichkeit Londons gab ihm den Rest.

Mag der Tenor in den Zeitungen bisher lauten, dass sich «die Royals neu erfinden müssen» (NZZ), um ihren USP, ihren «Brand» aufzupolieren, und darum Hand böten zu einer «Liaison des 21. Jahrhunderts», so spiegelt das wohl eher das ökonomische Schubladendenken der Gegenwart als die Punkte, worum die Überlegungen eines Königshauses kreisen. Wenn der Gatte der Queen, Prinz Philip, von einer «Firma» spricht, outet er den eigenen Palast nicht als Managementklitsche, sondern drückt nur den sarkastischen Snobismus adliger Brits aus. So wie er gegenüber einem Gast, der sich wichtigmachte, quer durch Papua-Neuguinea gereist zu sein, erstaunt bemerkte: «Oh, und Sie wurden nicht mal gefressen dabei.»

Kühl wird man festgestellt haben: Prinz Harry, Darling und Sorgenkind, ist abgedrängt vom Thron. Im Grunde war er ein typischer Lad: Er soff, rauchte, ging in Nacktbars und schlug sich mit den schmierigsten Typen rum, Journalisten. Harry ist populär und insgeheim jener Rock’n’Roll-Star im Königshaus, den man besonders im Auge behalten muss.

Nun wird gesagt, mit Meghan Markle ziehe jetzt erst ein Rock’n’Roll-Star ein. In Wahrheit ist Miss Markle vom Wesen her makelloser, als Lady Di selbst als Kindergärtnerin je gewirkt hatte. Damit läuft es genau umgekehrt als das Image erweckt – und dafür hat das Königshaus viel Gespür entwickelt seit dem «annus horribilis»: Prinzessin Diana, die Unschuld, wurde leidenschaftlich, unbeherrscht. Miss Markle dagegen, die Geschiedene, die mit der verkrachten Familie, ist beherrscht. Harry wird zweifellos «ruhiger» unter ihrer Regie.

Klar, Miss Markle war bei «Deal-no-Deal» mal Nummerngirl mit Stöckelschuhen und Minirock. Dann tauchte Donald Trump als «Ehrengast» dort auf, der Wolf in Orange. Eine Reihe von Nummerngirls nahm beglückt die Visitenkarte aus seiner Hand, Meghan aber nicht. Sie achtete früh darauf, dass ihr später in der Karriere nichts zum Verhängnis werden kann.

Da ist etwas: Politik

Im Übrigen steht Royals ein Röntgenapparat zur Verfügung, um Personen ihres Umkreises zu scannen, wie ihn niemand sonst auf der Welt hat: die Yellow Presse. Da schmeisst man eine Kandidatin einfach mal rein und lehnt sich derweilen zurück auf der Chaiselongue. Bei Meghan sieht das Fazit der Durchleuchtung so aus, wie das der Produzent des amerikanischen News-Portals TMZ formulierte nach der Hatz, erschöpft, beinahe deprimiert: «Nichts.»

Doch, da ist etwas: Meghans politische Seite, ab dem Mädchenalter: Frieden, Gendergerechtigkeit, Umwelt – sie organisierte einiges und meldete sich oft zu Wort. «Politisch» ist man jedoch nicht an Britanniens Hof, kaum bringt man das Wort über die Lippen. Wartet deshalb neues Ungemach? Schlimmer noch, als wenn Miss Markle aus Langeweile schon bald die Porzellantasse aus der Hand fällt beim allabendlichen Tee?

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