Nasa
Ready for Takeoff: Das Spaceshuttle startet ein letztes Mal in den Weltraum

Es ist ein historischer Tag: Mit dem Raumschiff Atlantis startet zum letzten Mal ein Spaceshuttle der US-Raumfahrtorganisation Nasa in die unendlichen Weiten des Weltalls. Eine Hommage.

Renzo Ruf, Washington
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Space Shuttle: Die besten Bilder der NASA-Raumfähre
13 Bilder
Astronauten arbeiten über Neuseeland an der International Space Station
Das Space Shuttle Challenger explodiert 1986 nur 73 Sekunden nach dem Takeoff
Das Kennedy Space Center 1686 bei einem Start
Doppelpack Space Shuttle auf einer NASA 747
Innenansicht eines Flüssigwasserstoff-Tanks
Start der 24. Space Shuttle Mission 1986
Schwarzer Rauch von brennenden Ölbohrtürmen in Kuwait 1991
Sicht aus der russischen Mir Space Station auf das Space Shuttle
Start eines Space Shuttles 1981
Landung 1981 in einem trockenen Seebett
Weltraumspaziergang 1984
Astronaut Joseph R. Tanner bei einem Weltraumspaziergang 1997

Space Shuttle: Die besten Bilder der NASA-Raumfähre

Zur Verfügung gestellt

Die Faszination ist ungebrochen. Obwohl die Raumfahrtbehörde Nasa heute um 17.26 Uhr mit dem Start der Trägerrakete Atlantis den Abschied von der Space-Shuttle-Ära einläuten will - im Space Camp in Huntsville (Alabama) stehen Kinder und Jugendliche immer noch Schlange. Für das sechstägige Trainingslager für angehende Astronauten sind über 11600 Anmeldungen eingegangen.

Weder der hohe Preis (899 Dollar) noch die unsicheren Zukunftsaussichten schrecken die neugierigen Kinder ab. «Es ist enttäuschend, dass das Space-Shuttle-Programm endet, aber ich glaube, dass unser Wissensdurst den Anstoss zu weiteren Erkundungsmissionen geben wird», sagte ein 16-jähriger Teilnehmer jüngst der «Washington Post».

Symbol der Weltmacht

Solche Stellungnahmen sind Wasser auf die Mühlen der Nasa. Seit Tagen versuchen hochrangige Vertreter eine sentimental gestimmte Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass der letzte Space-Shuttle-Start nicht zwingend das Ende der US-Dominanz im Weltall bedeuten muss. Oder gar das Ende einer Supermacht, in der sich derzeit fast jede öffentliche Diskussion ums Sparen dreht. Die USA würden auch in den nächsten 50 Jahren die erste Geige spielen, sagte Nasa-Chef Charles Bolden vorige Woche in Washington.

Mit der Aussage wollte er den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die von einer Nasa sprechen, die nach dem Fallenlassen der Mars-Mission kein ambitioniertes Ziel mehr verfolge. Boldens Bemühungen waren wohl vergeblich. Denn er sagte auch: «Die Frage, ob wir das All weiter auskundschaften werden, stellt sich nicht. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie wir dies tun werden.»

Obama will technologischen Fortschritt

Trotz dieser offenen Fragen: Der letzte Start der Space Shuttle Atlantis - der 135. seit dem Start des Programms vor 30 Jahren - bedeutet nicht, dass sich die Nasa aus dem Geschäft zurückzieht. Vielmehr werden die Prioritäten verlagert, wie Präsident Barack Obama sagte. Bekannt ist dazu aber nur, dass die Amerikaner bei der Personenbeförderung im All stärker mit den Russen zusammenarbeiten wollen.

Und die Kooperation mit privaten Unternehmen, die neuartige Fortbewegungsmittel für die Reise durchs Weltall entwickeln, soll verstärkt werden. Obama: «Wir brauchen den technologischen Durchbruch.» Dieses Modell klingt revolutionärer als es ist, wie Insider versichern. «Nasa arbeitet seit ihrer Gründung mit Lieferanten. Lieferanten haben den Space Shuttle konstruiert und die Apollo-Raketen», sagte Ex-Astronaut Garrett Reisman kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters.

Privatisierung der Raumfahrt

Reisman verkörpert den Zeitenwechsel im US-Raumfahrtprogramm. Der Lebenslauf des 43-jährigen Astronauten ist gespickt mit ausserordentlichen Verdiensten: Zweimal hob er mit dem Space Shuttle vom Kennedy Space Center in Florida ab, zuletzt im Mai 2010. Im Frühling 2008 wohnte Reisman drei Monate lang in der Internationalen Raumstation (ISS), und er unternahm mehrere Weltraumausstiege.

Diesen März aber heuerte er bei der privaten Konkurrenz an. Seither arbeitet der Ingenieur für SpaceX in Kalifornien. Das futuristische Unternehmen ist das geistige Kind von Elon Musk, der sein Vermögen mit dem Internet-Bezahlsystem PayPal verdient hat. Seit 2002 basteln die mittlerweile über 1200 Angestellte von SpaceX an der Entwicklung von Raketen des Typs Falcon und der Raumfähre Dragon. Das ist nicht ganz billig: Musk soll mehr als 100 Millionen Dollar in sein Unternehmen gepumpt haben. Er ist aber immer noch Feuer und Flamme: «Im besten Fall werde ich in zehn Jahren einen Mann auf den Mars schicken», sagte Musk in diesem Frühjahr. Bereits träumt er von einer Kolonie auf dem Roten Planeten.

Der Visionär hat auch schon einige Erfolge vorzuweisen. So hob Dragon im Dezember 2010 von Cape Canaveral ab, umkreiste die Erde zweimal, und landete dann im Pazifik, gebremst durch Fallschirme - der erste privat finanzierte Ausflug eines Flugkörpers ins Weltall. Allerdings war Dragon unbemannt, Vergleiche zum wiederverwendbaren Space Shuttle sind deshalb fehl am Platz. Nasa glaubt dennoch, dass SpaceX bald ein funktionsfähiges Transportgefährt für Güter anbieten wird, die zur Versorgung der ISS ins Weltall transportiert werden müssen. Die Astronauten sollen mit einer russischen Sojus-Rakete reisen, und an Bord einer Raumkapsel des ehemaligen Erzfeindes zurückkehren. Der legendäre Astronaut John Glenn, der 1962 durchs All flog, kann es kaum fassen: «Das darf doch nicht sein.»

Raumfahrt für Privatpersonen

In drei, vier Jahren schliesslich, glaubt Musk, wird SpaceX auch Personen transportieren können. Die Nasa geht von einem Startdatum im Jahr 2016 aus. Unterstützt wird das futuristische Unternehmen in Kalifornien auch mit Steuergeldern. Für die Entwicklung einer Transportrakete wird SpaceX Subventionen von bis zu 3,1 Milliarden Dollar erhalten.

Hinzu kommen weitere Unterstützungszahlungen für die Förderung der bemannten Raumfahrt. Die Nasa hat entsprechende Verträge im Wert von 270 Millionen Dollar mit SpaceX, dem Flugzeugbauer Boeing und zwei weiteren Firmen abgeschlossen. Diese kämpfen aber nicht nur um die Gunst des Staates: Sie möchten die kommerzielle Raumfahrt auch fürs zahlungskräftige Publikum öffnen.

200000 Dollar pro Flug

Auf diesem Feld mischt auch Richard Branson mit, der umtriebige Vorsitzende der Virgin-Gruppe. Der Brite will von New Mexico aus in den nächsten 15 Monaten eine bemannte Raumfähre starten. 200 Millionen Dollar hat er dafür in den «Spaceport America» investiert, wie der Flughafen im Niemandsland getauft wurde.

Die Warteliste der All-Ausflügler ist lang, obwohl der Spass mit 200000 Dollar pro Flug doch recht teuer ist: 500 Leute hätten sich ihren Trip bereits reserviert, sagte Branson. Lachend fügte er an: «Wir müssen noch extensive Tests unternehmen, bevor ich und meine Kinder ins All fliegen. Meine Frau würde mir nie verzeihen, wenn ich die Kinder nicht zurückbringen würde.»

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