Russland
Nawalny-Anhänger rufen zu landesweiten Protesten auf – Putin zeigt bereits im Vorfeld Härte

Unterstützer des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny wollen an diesem Samstag quer durch Russland protestieren. Der Staat unternimmt jetzt schon vieles, um das zu verhindern.

Inna Hartwich aus Moskau
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Im Januar 2018 protestierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny noch selbst gegen die russische Regierung. Nun sitzt der Oppositionsführer in Haft.

Im Januar 2018 protestierte Kreml-Kritiker Alexej Nawalny noch selbst gegen die russische Regierung. Nun sitzt der Oppositionsführer in Haft.

Evgeny Feldman / AP

Das Team um den inhaftierten Kreml-Kritiker Alexej Nawalny hat für diesen Samstag in mehr als 60 russischen Städten zu «Spaziergängen» aufgerufen. Der Staat stuft diese als «Massenunruhen» ein, die «Massnahmen durch die Staatsanwaltschaft» erforderten.

«Wenn wir Nawalny nicht retten, holen sie jeden», sagen sich die Nawalny-Leute und riskieren harte Strafen. Der Kreml reagiert nervös und gibt sich dabei gelassen: «Es gibt keinen Protest als solchen. Es gibt lediglich Provokateure, die zum Protest aufrufen», sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag.

Bereits zuvor nahm die Polizei die bekanntesten Anhänger des Oppositionspolitikers fest. Kira Jarmysch, die Pressesprecherin Nawalnys, wurde am Freitag zu neun Tagen Arrest verurteilt. Auch Ljubow Sobol, die Produzentin von Nawalnys Youtube-Kanal, wurde zeitweise festgehalten. Die Beamten harrten vor den Wohnungen von Nawalnys Mitarbeitern und Anhängern im ganzen Land aus, sie liessen ihnen den Strom abschalten, holten sie aus Zügen heraus.

Die Jugend solidarisiert sich mit Nawalny

Musiker, Abgeordnete, Schauspieler, Schriftsteller und Regisseure setzen sich für den Gefangenen ein. Jugendliche hängen Nawalnys Porträts in Schulen auf, Studenten nehmen Theaterstücke über die russische Willkür-Justiz auf und laden die Videos in sozialen Netzwerken hoch. Millionenfach verbreiten sich die Appelle unter dem Hashtag #swobodunawalnomu (Freiheit für Nawalny).

Russlands Aufsichtsbehörde Roskomnadsor forderte soziale Medien auf, solche Aufrufe zu sperren. Kämen sie dem nicht nach, drohen Strafen von umgerechnet bis zu 50'000 Franken. Organisatoren könnten wegen Verführung der Jugend belangt werden, Eltern wegen Verletzung der Aufsichtspflicht.

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