Vereinigtes Königreich
Boris Johnson freut sich auf ein kaltes Bier: Die Briten wagen sich aus dem Lockdown

Der britische Premier legt Pläne für die schrittweise Öffnung des Landes vor, Gaststätten dürfen ab nächster Woche Aussenbereiche öffnen. Johnson selbst hat bereits Pläne.

Sebastian Borger aus London
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Plant bereits einen Besuch im Pub: Grossbritanniens Premier Boris Johnson.

Plant bereits einen Besuch im Pub: Grossbritanniens Premier Boris Johnson.

Stefan Rousseau / AP

Ein schönes kühles, allenfalls auch lauwarmes Pint Bier im Pub – davon haben die Briten im Coronalockdown der vergangenen drei Monaten vergeblich geträumt. Am Ostermontag brachte der Premierminister ihnen frohe Kunde: Wie im Lockerungsplan der konservativen Regierung vorgesehen, dürfen Restaurants und Gaststätten von nächster Woche an wieder öffnen, zunächst allerdings nur im Aussenbereich. «Ich werde kommenden Montag vorsichtig, aber unabänderlich im Biergarten ein Pint trinken», teilte Boris Johnson in Anspielung auf das erklärte Vorgehen seiner Regierung mit.

Hingegen bremste der konservative Politiker die zuletzt überschäumende öffentliche Debatte über sogenannte Covid-Pässe. Spätestens wenn von Mitte Mai an Kinos und Theater sowie Sportstadien wieder ihre Tore öffnen, müssten Eintrittskartenbesitzer ihre Impfung oder einen kürzlichen Test vorweisen, hatten viele Medien spekuliert. Soweit sei man noch lange nicht, sagte Johnson. Für die nächsten beiden Öffnungsschritte kommende Woche sowie im Mai werde es kein «Covidstatus-Zertifikat» geben: «Da gibt es schwerwiegende ethische und praktische Fragen zu bedenken.»

Solche Einwände hatten sowohl der Labour-Oppositionsführer Keir Starmer wie rund drei Dutzend Abgeordnete aus Johnsons Unterhaus-Fraktion erhoben. Deren Anführer Graham Brady warnte die Regierung am Montag im Tory-nahen «Daily Telegraph», man müsse eine Abkehr von der drakonischen Covid-Gesetzgebung schaffen und zum alten «Fundament britischer Freiheit» zurückkehren: «Alles ist erlaubt, was ein Gesetz nicht ausdrücklich verbietet.»

Angst vor Ausschluss vom öffentlichen Leben

Impfgegner spielen in der öffentlichen Diskussion auf der Insel kaum eine Rolle. Doch fürchten sie, vom öffentlichen Leben ausgeschlossen zu werden. Schon spricht die Regierung davon, neben dem geplanten Impf-App solle auch ein aktueller Covid-Schnelltest oder der Nachweis einer kürzlichen Covid-Erkrankung zur Zugangsberechtigung für öffentliche Vergnügungen reichen.

Von Ende kommender Woche erhält die gesamte Bevölkerung die Chance, sich zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen zu lassen. Das sei schön und gut, moniert die Labour-Opposition; wer aber positiv teste, müsse finanziell abgesichert sein, um die dann fällige Selbstisolation zuhause auch durchstehen zu können.

Inzwischen sind auf der Insel 31,6 Millionen Menschen mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft, beinahe die Hälfte der gesamten Bevölkerung. Bei den über 70-Jährigen lag die Impfquote bei 95 Prozent.

Auch Fitnesscenter und Bibliotheken dürfen öffnen

Auch bei den zweifach Geimpften liegt Grossbritannien mittlerweile mit 7,9 Prozent vor vergleichbar grossen Ländern wie Deutschland (5,2). Mehr als 126000 Menschen sind an Covid-19 gestorben, damit steht das Land weiterhin im Europavergleich schlecht da.

Ausser der Gastronomie kann von kommender Woche an der Detailhandel ebenso seine Tore öffnen wie Fitnessstudios, Schwimmbäder und Bibliotheken - vorausgesetzt, die Massnahmen zur sozialen Distanzierung sind gewährleistet. Besonders sehnsüchtig warten viele auf die Öffnung der Coiffeursalons; in Schottland sorgte dieser Öffnungsschritt schon am Montag für Vergnügen.

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