Wahlen
Philippinen: Comeback der berüchtigten Marcos-Dynastie

Jahrzehntelang knechtete das Marcos-Regime auf den Philippinen schamlos das Volk. Aber viele junge Wähler können sich daran nicht erinnern. Ferdinand Marcos Jr. verklärte die Vergangenheit zu einem «goldenen Zeitalter» - und wird nun wohl der nächste Präsident.

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Diktatoren-Sohn Ferdinand Marcos Jr.: «Auch wenn die Auszählung noch nicht abgeschlossen ist, kann ich es kaum erwarten, Ihnen allen für all die Hilfe zu danken, allen, die sich unserem Kampf angeschlossen haben, den Opfern, die Sie gebracht haben, Ihrer Arbeit, der Zeit und dem Talent, die Sie uns geschenkt haben.»

Diktatoren-Sohn Ferdinand Marcos Jr.: «Auch wenn die Auszählung noch nicht abgeschlossen ist, kann ich es kaum erwarten, Ihnen allen für all die Hilfe zu danken, allen, die sich unserem Kampf angeschlossen haben, den Opfern, die Sie gebracht haben, Ihrer Arbeit, der Zeit und dem Talent, die Sie uns geschenkt haben.»

Keystone

Auf den Philippinen steht die Familie des früheren Diktators Ferdinand Marcos vor einem Comeback. Das Volk hatte das autokratische Regime 1986 aus dem Land getrieben - der Machthaber und seine schuhverliebte Ehefrau Imelda mussten nach Hawaii flüchten. 36 Jahre danach hat ihr Sohn Ferdinand «Bongbong» Marcos Jr. (oder kurz: BBM) die Präsidentenwahl nach inoffiziellen Berechnungen mit grossem Abstand gewonnen. Die berühmt-berüchtigte Dynastie steht kurz davor, in den Malacañang-Palast der Hauptstadt Manila zurückkehren.

Offizielle Ergebnisse kann nur der Kongress (bestehend aus Senat und Abgeordnetenhaus) verkünden. Dies wird erst für Ende Mai erwartet. Mehr als 67 Millionen Wahlberechtigte waren an die Urnen gerufen. Die Beteiligung war Schätzungen zufolge sehr hoch.

Haben die Philippiner vergessen, dass Ferdinand (1917-1989) und Imelda (heute 92) Marcos einst vor allem mit Mord, Folter, Kleptokratie und dem spurlosen Verschwinden politischer Gegner von sich reden machten? Oder warum ist ihr Sprössling zum neuen Politstar avanciert? Zur Erinnerung: In den Schränken des Malacañang-Palastes wurden nach der Flucht Hunderte Handtaschen und Abendroben sowie Tausende Paar Schuhe gefunden, Relikte von mehr als zwei Jahrzehnten schamloser Plünderung und einem Jetset-Leben in Saus und Braus.

1965: Ferdinand und Imelda Marcos mit ihren Kindern, inklusive Ferdinand Marcos Jr.

1965: Ferdinand und Imelda Marcos mit ihren Kindern, inklusive Ferdinand Marcos Jr.

Keystone

Viele Wähler sind nicht einmal 30 Jahre alt und haben keine Erinnerung ans Marcos-Regime, ans Kriegsrecht oder ein Leben in Angst. Diese Zielgruppe lockte BBM auf sozialen Netzwerken mit einer «Nostalgie-nach-besseren-Zeiten»-Kampagne. Millionen folgen ihm mittlerweile auf TikTok und YouTube. Dort verbreitete er den Slogan «Einheit», um die Folgen der Corona-Pandemie anzugehen. Eine echte Vision für die Zukunft? Fehlanzeige. Interviews und öffentliche Debatten mied er wie der Teufel das Weihwasser.

Nie distanzierte er sich vom Erbe seiner Eltern. Seine Botschaft: Lasst uns nach vorne schauen. Erst kürzlich bezeichnete er seinen Vater als «Staatsmann, ein politisches Genie». Der eigentliche politische Star in der Familie sei aber Mutter Imelda, die die Herzen aller gewinnen könne, «von den Marktverkäufern bis hin zur Königin von England». Ungeniert verklärte er die Marcos-Diktatur zu einem vermeintlichen «goldenen Zeitalter» voller Wohlstand. Gerade die jüngere Wählerschaft scheint ihm geglaubt zu haben.

«Das alles zeigt, dass wir noch einen langen Weg vor uns haben, um bei den Menschen ein politisches Bewusstsein zu entwickeln», sagte die Menschenrechtsaktivistin Etta Rosales. «Die Leute lesen nur noch die Schlagzeilen.» In dem südostasiatischen Inselstaat werden Präsident und Vize-Präsident unabhängig voneinander gewählt. Wer die meisten Stimmen bekommt, gewinnt. Insgesamt bewarben sich neun Männer und eine Frau um das höchste Amt. (dpa)

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