Waldbrände
Griechische Insel Euböa in Flammen – Menschen werden mit Schiffen von den Stränden geholt

Im Ferienparadies Euböa verschlingen Grossbrände ganze Ortschaften. Doch es gibt erste Zeichen der Hoffnung.

Gerd Höhler, Athen
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Bewohnerinnen und Touristen verlassen Euböa auf einer Fähre, während die Feuersbrunst sich dem Dorf Limni nähert.

Bewohnerinnen und Touristen verlassen Euböa auf einer Fähre, während die Feuersbrunst sich dem Dorf Limni nähert.

Thodoris Nikolaou / AP (6. August 2021)

Seit sieben Tagen fressen sich gewaltige Feuerwalzen durch die Wälder im Norden der zweitgrössten griechischen Insel Euböa. Den Feuerwehren gelang es bis zum Montagnachmittag nicht, die Flammen entscheidend einzudämmen.

Dramatische Szenen spielten sich hier in der Nacht zum Montag ab: Bewohner flüchteten vor den herannahenden Flammen aus ihren Dörfern an die Strände und wurden dort von Fischerbooten und Fähren aufgenommen, weil alle anderen Fluchtwege versperrt waren.

Auf Euböa ist die Lage prekär.

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Seit Tagen laufen diese Rettungsaktionen. Über 40 Dörfer wurden bereits geräumt, Tausende Menschen sind obdachlos. Viele kamen bei Freunden und Verwandten unter, andere wurden kostenlos in Hotels einquartiert oder nächtigen auf Feldbetten in Sporthallen. Alle hoffen, dass ihre Häuser noch stehen, wenn sie in die Dörfer zurückkehren können.

Ein tragischer Lichtblick: Auf Euböa ist inzwischen so viel Wald verbrannt, dass die Feuer vielerorts keine Nahrung mehr finden und von selbst verlöschen – etwa, wenn die Flammen die Küste erreichen. Hunderte Gebäude sind bereits abgebrannt. Viele Ortschaften sind ohne Elektrizitätsversorgung, über 2000 Strommasten hat das Feuer zerstört. Nach einer Woche Dauereinsatz sind die Löschmannschaften mit ihren Kräften am Ende.

Ein Hoffnungsschimmer in der Katastrophe

Der Vorsitzende der Feuerwehrgewerkschaft, Dimitris Stathopoulos, äusserte indes die Hoffnung, dass die Feuerfronten auf Euböa bald unter Kontrolle gebracht werden können. Auch bei den Bränden auf der Halbinsel Peloponnes zeichnete sich am Montag eine Entspannung ab. Die Feuer nördlich der Hauptstadt Athen waren am Montag bis auf wenige Brandnester gelöscht. Aber die Feuerwehren rücken nicht ab. Grösste Sorge der Löschmannschaften ist, dass auffrischende Winde die Flammen neu anfachen könnten. Nach zwei extremen Hitzewellen in den vergangenen acht Wochen sind die Wälder völlig ausgedörrt.

Noch sind die Brände nicht gelöscht, aber die Bilanz dieser Katastrophe ist bereits jetzt verheerend. Griechische Fachleute haben Satellitenbilder ausgewertet. Danach sind allein auf Euböa etwa 46000 Hektaren abgebrannt, im ganzen Land gar mehr als 65000 Hektaren. Damit sind seit Anfang dieses Jahres in Griechenland bereits mehr als doppelt so viele Wälder abgebrannt wie im jährlichen Durchschnitt der vergangenen zwölf Jahre.

Fachleute sehen in der Hitzeglocke, die seit Wochen über dem östlichen Mittelmeer liegt, und den Bränden ein weiteres Indiz dafür, dass sich der Klimawandel beschleunigt. Der griechische Geowissenschafter Costas Synolakis meint, die Feuerstürme seien Ergebnis der globalen Erwärmung. «Unser Klima kippt», sagt Synolakis.

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