«Scheues Reh»
Wilde Kuh lebt seit Monaten im bayerischen Wald

Seit zwei Monaten hält eine ausgebüxte Kuh Bayern auf Trab. Yvonne lebt wie ein scheues Reh im Wald. Nun soll sie wegen erhöhter Sicherheitsgefahr gefangen und notfalls getötet werden. Tierfreunde wollen die Kuh retten.

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Kuh Yvonne führt alle an der Nase herum

Kuh Yvonne führt alle an der Nase herum

Zur Verfügung gestellt

Am 21. Mai wurde es einer Kuh zu bunt auf ihrer Weide. Sie büxte aus und lebt seither im Wald. Nur zur Dämmerung kommt sie aus dem Unterholz. Eben wie ein scheues Reh.

Dies hat bisher auch keinerlei Probleme gemacht. Die Grundstückbesitzer tolerieren den speziellen Waldbewohner. Als sie jedoch eines Tages auf die Strasse lief - ausgerechnet vor ein Polizeiauto - wurde sie zum Sicherheitsrisiko erklärt. Kuh Yvonne - wie sie mittlerweile genannt wird - soll eingefangen und notfalls getötet werden.

Schlachtbank ruft

Die Tierfreunde vom Tiergnadenhof Gut Aiderbichl wollen nicht zusehen, wie Yvonne erschossen wird. Sie möchten der ehemaligen Milchkuh ein neues Zuhause schenken. Um sie zu retten, hat der Hof Yvonne inzwischen ihrem Besitzer abgekauft. Dieser hatte sie von einem österreichischen Bauern und wollte sie mästen und später schlachten.

Die wilde Kuh einzufangen, zeigt sich aber als äusserst schwierig. Duzende Helfer sind seit letzter Woche mit Pferden und Geländewagen unterwegs. Ohne Erfolg. Selbst die ausgeklügelte Strategie, die Helfer vom Gut Aiderbichl entwarfen, ging nicht auf. Schwester Waltraud sollte Yvonne anlocken, was auch funktionierte. Dennoch konnte das «scheue Reh» nicht eingefangen werden. Die Aktion ging also in die Hose, die Jäger stehen nach wie vor mit leeren Händen da.

Im Dunkeln wird nicht geschossen

«Es war sehr neblig und finster», erklärte Hans Wintersteller, Gutsverwalter von Aiderbichl, gestern gegenüber der Online-Ausgabe des «Münchner Merkurs». Da hätte fast keine Chance bestanden. Wintersteller ist sich sicher: «Yvonne ist blitzgescheit. Sie weiss: Wenn es dunkel ist, schiessen wir nicht auf sie.»

Nebst blitzgescheit ist die wilde Kuh auch sehr schnell. Als es einmal gelang, sie zu betäuben, ist sie davon gelaufen und konnte nicht wieder gefunden werden.

Dackel Mirko soll die Suche nun endlich beenden und die Kuh aus dem Unterholz jagen. Klappt auch das nicht, haben die Mitarbeiter vom Gut Aiderbichl noch mehr Ideen auf Lager: Silage soll Yvonne anlocken. Klappt auch das nicht, wollen sich 100 Aiderbichl-Mitglieder auf die Suche nach der frei lebenden Kuh machen. «Wir lassen nichts unversucht, um Yvonne lebend nach Gut Aiderbichl Deggendorf zu bringen», lässt das Gut auf seiner Homepage verkünden.

Auch im Aargau flüchtete eine Kuh vor dem Schlachter

Auch im aargauischen Brunegg erreignete sich letzte Woche Ähnliches, wobei die Kuh in diesem Falle deutlich schneller aufgespührt werden konnte (az berichtete). Immerhin dauerte es über 24 Stunden, bis die Jagd erfolgreich war. Die Kuh wurde erschossen.

Dem Tier war die Flucht beim Verladen von einem Transporter zum anderen gelungen. Endstation wäre wie bei Yvonne aus Bayern ein Schlachthof gewesen. (ldu)

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