Kommunistische Partei
Zum Geburtstag gibts Propaganda in nordkoreanischem Ausmass: Xi Jinping feiert den 100. seiner Partei

Chinas Kommunistische Partei zieht im Vorfeld der grossen Feier am 1. Juli alle Register. Doch die Jugend zuckt nur mit den Schultern.

Fabian Kretschmer, Peking
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Als Volksheld inszeniert: Chinas Staatspräsident Xi Jinping.

Als Volksheld inszeniert: Chinas Staatspräsident Xi Jinping.

Bild: Getty

Kurz vor ihrem 100. Geburtstag ist die Kommunistische Partei Chinas eine zutiefst verschlossene Partei – statt ausgelassener Feierstimmung strahlt sie vor allem Paranoia aus. In Peking etwa wird für das Fest vom kommenden Donnerstag die gesamte Innenstadt abgesperrt.

Am 1. Juli begeht die Partei ihren hundertsten Geburtstag. Und zu Recht kann die KP auf viele Errungenschaften zurückblicken: Sie ist nicht nur die längst gediente Partei ihrer Art, sondern mit weit über 90 Millionen Mitgliedern auch die weltweit grösste. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie sich seit Gründung der Volksrepublik immer wieder gehäutet, aus ihren Fehlern gelernt und an die neuen Gegebenheiten angepasst hat. Nach den schrecklichen Irrungen der Kulturrevolution etwa haben die führenden Parteikader den Grundstein für die wirtschaftliche Öffnung des Landes gelegt. Statt ideologischer Verbohrtheit dominierte fortan marktwirtschaftlicher Pragmatismus.

Wie die Kommunistische Partei die Geschichte beschönigt

Und doch entwickelt sich die KP unter Staatschef Xi Jinping wieder in dunkle Zeiten zurück. Sämtliche Nischen der Freiheit hat der Führer wieder geschlossen und jede Form kritischer Berichterstattung im Keim erstickt. Mehr noch betreibt die Partei Geschichtsumschreibung: Die Fehler der eigenen Historie sollen aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht werden.

Das zeigt das neu eröffnete Parteimuseum in Peking: Das dunkle Jahrzehnt der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 wird nur mit einer einzigen Notiztafel erwähnt. Der Grosse Sprung nach vorn – die grösste menschengemachte Hungersnot des 20. Jahrhunderts – wird vollkommen verschwiegen. Stattdessen bekommen die Besucher eine Überdosis Xi Jinping injiziert: Persönlichkeitskult von nordkoreanischem Ausmass.

Doch Chinas Jugend kann nur wenig mit der angestaubten Partei anfangen. Wer ihr beitritt, tut das primär aus pragmatischen Gründen, weil man sich berufliche Vorteile erhofft.

Der ideologische Überbau der KP wirkt im China der Gegenwart immer befremdlicher. Während Xi den Kommunismus hochhält, lässt er Gewerkschafter einsperren und duldet die Ausbeutung der einfachen Arbeiter. Wenn die Kommunistische Partei noch weitere 100 Jahre an der Macht bleiben will, dann muss sie tun, was sie schon mehrfach erfolgreich hinter sich gebracht hat: sich grundlegend wandeln.

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