Einkaufsschnäppli

«Hose n'abe! Ich will von Anfang an das ehrliche Angebot»

(Symbolbild)

Faire Preise im Einkaufsschnäppchen-Eldorado. Konsumenten werden immer Aktionen offeriert, oftmals kann kaum jemand widerstehen.

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Hier 30 Prozent, dort 50 Prozent Rabatt. Aktion im Migoop! Als Konsument wird man mit tieferen Preisen gelockt. Wäre es möglich, dass all die tollen Preise nicht weniger als Marktpreise sind? Weinhändler Cortellini über faire Preise im Eldorado.

Thomas Jordan – was für ein Segen für die Schweizer Geldbörsen! Ich meine, da senkt er unsere Währung um gut 15% und die Folgen sind Rabatte um ein Vielfaches, ein Juchee ohnegleichen, ein Eldorado der Einkaufsschnäppchen, als dass uns hören, sehen und kaufen vergehen möge!

Grad heute in der Zeitung: 35% Rabatt auf Kopfsalat! So richtig knackig schönen Schweizer Kopfsalat! Herrjesses, sofort zum Migoop fahren, 20 Stück kaufen, war mein erster Gedanke!

Und dann ab zum Frust, da hab ich nämlich einen Gemüsekühler gesehen, 45% Rabatt! 19 Salatköpfe in den Kühler, einen in den Magen, aber jetzt muss ich weiter zum Dennor, denn dort gibts eine Weinaktion! 50% Rabatt (fünfzig imfall!) auf Salice di Saucentino, da leist ich mir auch mal sechs Flaschen, ich meine, wenn er nicht schmeckt, so war er wenigstens nicht teuer!

Und im Karotto haben sie Rindsentrecôte, garantiert ungespritzt (das Rind), zum halben Preis und auch noch nicht vergammelt, das hau ich mir auf den solarbetriebenen Tischgrill, den ich mit Schönwettergarantie und 80% Rabatt erstehen konnte. Das Erste glaub ich sofort, aber das mit dem Preis ... Unglaublich!

Abends, nach zwei Flaschen halb so teuren Roten (sonst trink ich amix nur eine!), lege ich mich mit ein bisschen Kopfweh in meine frisch erworbene Satinwäsche (40% Rabatt und ein echtes Schweizer Kreuz auf der Verpackung).

Mittlerweile windet sich auch mein Bauch ein bisschen, zumindest beobachte ich verdächtige Blähbewegungen unter der neuen Satinwäsche – läck, war das etwa das Rindsfilet? Jedenfalls bleibt der Schlaf pochend aus und es ereilen mich plötzlich kritische Gedanken ...

Säg emol, wieso werfen mir all die Händler plötzlich all das Zeugs nach? Wäre es vielleicht möglich, dass all die tollen Preise nicht mehr und nicht weniger als Marktpreise sind? Dass man in der freien Marktwirtschaft mittelfristig gar nichts anderes erhalten kann, als eben den korrekten Marktpreis?

Dies hiesse dann aber plötzlich, dass der für 70 statt 250 Franken erworbene Staubsauger eigentlich gar nicht mehr als deren 50 Wert gewesen wäre ...? Jä, wurde ich denn da etwa regelmässig über den Tisch gezogen? Und jetzt raubts mir definitiv den Schlaf!

Es gibt nur eine Konklusion: Hose n’abe! Ich will von Anfang an das richtige und ehrliche Angebot. Alles andere ist doch Bschiss. Ich wünsche mir eine bodenständige, gradlinige, nachvollziehbare und vor allem aufrichtige Preisgestaltung.

Statt mit dem Preis möchte ich mich lieber mit den Eigenschaften beschäftigen. Ich sehne mich nach weniger Ware, dafür mehr Wert! Denn wir ersaufen regelrecht im herabgesetzten Material. Gebt mir nicht zwei für eins, sondern eins, das so gut wie zwei ist! Kann ich es mir leisten, kaufe ich. Falls eben noch nicht, spare* ich! (*altertümliches Verb für «Geld auf die Seite legen»)

Und während ich mir im Halbschlaf überlege, ob ich vielleicht nicht wenigstens noch für die Ferienwohnung einen solarbetriebenen Tischgrill anschaffen sollte – ich meine, bei dem Preis! – wird mir siedend heiss bewusst: hey, das mit der Schönwettergarantie war doch voll gelogen! Irgendwie ...

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