Unser Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner, das muss man rückblickend auf die Bundesratswahlen von dieser Woche nun wirklich einmal anerkennen, ist ein Titan.

Was war er geweibelt für den von den Parteioberen verschmähten Schaffhauser Thomas Hurter und hatte vor der Nomination durch die Bundeshausfraktion noch trotzig verkündet: «Da ist noch lange nicht aller Tage Abend.»

Und als es dann definitiv eingenachtet hatte, war für Ulrich Giezendanner klar: Unter diesen Umständen ist sein Favorit der Zuger Thomas Aeschi. «Er ist ein Mann der Wirtschaft, sprachbegabt und bürgerlich.

Dieser junge Mann tut dem Parlament, aber auch der SVP gut.» Nun, wir wissen, wie es herausgekommen ist: Nichtkandidat Hurter flog schon im ersten Wahlgang raus, Aeschi hatte keine Chance, zum Bundesrat gewählt wurde der nicht mehr ganz so junge Waadtländer Guy Parmelin.

Man kann also weiss Gott nicht sagen, dass die Sache so gelaufen ist, wie sich das unser Nationalrat am liebsten gewünscht hätte. Und was macht Giezendanner? Er grollt nicht, nein, er jubiliert.

Der Tag der Wahl von Guy Parmelin sei für ihn der glücklichste in seinen 24 Jahren in Bern überhaupt, erklärt er. Man muss sich das vorstellen: Der Mann seiner dritten Wahl wird Bundesrat und «Giezi» ist glücklich wie noch gar nie zuvor. Ganz einfach, weil er sich aufrichtig über eine würdige Wahl freuen kann.

Wir wollen jetzt gar nicht darüber grübeln, was es zu bedeuten hat, dass offenbar nicht einmal der Einzug von SVP-Übervater Christoph Blocher in den Bundesrat damals annähernd vergleichbare Glücksgefühle bei Nationalrat Giezendanner ausgelöst hatte wie heute die Wahl des im Vergleich eher unscheinbaren Parmelin.

Die Geschichte bewegt uns aus einem anderen Grund: Vielleicht inspiriert sie auch Neo-Nationalrat Andreas Glarner und er nimmt sich ein Beispiel an Veteran Giezendanner. Was war er doch geweibelt gegen die Aufnahme von Asylsuchenden.

Er muss ja nicht gleich jubilieren, dass es anders kam. Aber ein ganz kleines bisschen über die Demokratie in seinem Dorf freuen könnte er sich auch, statt einer Studentin mit Klagen zu drohen. Und ein paar Asylbewerber in Oberwil-Lieli dürften ja nun auch nicht so viel mehr Probleme machen als ein Waadtländer Bauer im Bundesrat.