Gops Muri

Sie lamentieren nicht, sie helfen mit

Freiamt-Redaktor Eddy Schambron zieht ein Fazit zu den rund 150 Flüchtlingen, die in den Geschützen Operationsstellen von Muri untergebracht wurden. Denn gegen einen Vorstoss der SVP kämpften zwei Frauen – die nun auch bei der Integration mithelfen.

Am Anfang standen Befürchtungen. 150 junge Männer, Flüchtlinge unterschiedlichster Herkunftsländer, in der unterirdischen Geschützten Operationsstelle (GOPS), das führte zu Bedenken. Und rief die SVP auf den Plan, die eine Petition gegen die Unterbringung der Asylsuchenden mit 367 Unterschriften beim Gemeinderat deponierte. Der Präsident der SVP-Ortspartei, Simon Käch, sprach von einem «Heuschreckenartigen Überfall» und drohte, der Gemeinderat müsse aufpassen. Mit einer Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat verlangte er sogar, der Gemeinderat sei anzuweisen, ein Baugesuch «betreffend Nutzungsänderung und baulicher Massnahmen einzureichen und das Gesuch innerhalb eines ordentlichen Baugesuchverfahrens zu prüfen». Sie wurde abgewiesen.

«Sie könnten die Bänkli benutzen»: Spitalbesucher stehen der Asylunterkunft im Spitalkeller kritisch gegenüber.

09.07.2015: «Sie könnten die Bänkli benutzen»: Spitalbesucher stehen der Asylunterkunft im Spitalkeller kritisch gegenüber.

Eine Informationsveranstaltung vor der Belegung der Gops mit den Asylsuchenden verlief dafür völlig sachlich und emotionslos. Dort wurde unter anderem auch das Betreuungs- und Sicherheitskonzept vorgestellt. Jetzt sind 150 junge Männer untergebracht und es gibt offensichtlich keine nennenswerten Probleme. Im Spital selber merkt man von den Asylsuchenden praktisch nichts und auch das Einvernehmen mit den Anwohnern ist nach Auskunft des Departements Gesundheit und Soziales gut. Dieses Departement ist jetzt daran, ein Baugesuch auszuarbeiten, das Anfang 2016 eingereicht wird. Die Gops wird dann angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation mit maximal 180 Männern belegt sein.

Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

09.07.2015: Im Keller: So sieht es in dem unterirdischen Not-Spital in Muri aus.

Man kann nicht sagen, die SVP-Vorstösse hätten nichts gebracht. Im Gegenteil: Zwei Frauen, Eva Halter und Ursula Matter, sahen sich auf- und herausgefordert, ein Gegengewicht und Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Sie verfassten einen «Aufruf zur Gelassenheit» in der Lokalpresse, der von 100 weiteren Personen namentlich unterzeichnet wurde. Daraus wurde ein Engagement, das nicht alltäglich ist und Vorbildcharakter hat. So sind die Café Grüezi im Zentrum «Roos» und im Raum der Evangelischen Gemeinde im «Fremo»-Gebäude entstanden. Hier erfahren Asylsuchende Menschlichkeit und Kontakt mit Einheimischen, hier können sie Deutsch üben und schweizerische Umgangsformen. Anderen wird die Integration über sportliche Aktivitäten erleichtert. Zu spüren ist über alle Sprachbarrieren hinweg, dass die Asylsuchenden für das Angebot sehr dankbar sind. Umgekehrt entlastet es die professionell arbeitenden Betreuer und entschärft Situationen, die sonst problematisch werden könnten.

So leben Asylbewerber im Untergrund (Tele M1, November 2015)

27.11.2015: So leben Asylbewerber im Untergrund

Wer eines dieser Café Grüezi besucht, stellt auf jeden Fall fest: Hier sind vor allem junge Menschen angekommen, die mit der Hoffnung auf ein besseres Leben alles zurückgelassen haben. Es sind Menschen, die das taten, was wir in der gleichen Situation von Perspektivlosigkeit, Gewalt und Zerstörung wahrscheinlich ebenso getan hätten.

Café Grüezi

Café Grüezi

Auch die zwei Frauen und die inzwischen beachtliche Anzahl Freiwilliger haben keine einfachen Antworten auf die komplexen Fragen und Auswirkungen des Flüchtlingselends. Aber sie haben ein Herz und Sozialkompetenz, etwas Zeit und den guten Willen, ihren Beitrag zu leisten. Sie klopfen keine lauten Sprüche und dreschen kein leeres Stroh. Sie lamentieren nicht über den andauernden Flüchtlingsstrom, den wir zumindest nicht direkt beeinflussen können. Sie helfen einfach mit, eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle Aufgabe zu meistern. Sie sind frei dafür, weil sie nicht irgendeiner Wählerschaft gefallen müssen.

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