«Der Bachelor» ist übel sexistisch. Welches Klischee wird da nicht zementiert, wenn 20 Frauen in knappen Outfits um einen Mann mit Zahnpastalächeln konkurrieren? Nein, solange ich mich als intelligente und selbstbewusste Frau bezeichne, schaue ich das nicht. Dachte ich zumindest. Bis ich mir die letzte Folge reinzog. Seither weiss ich: «Der Bachelor» ist Schock-Therapie in Sachen Fremdschämen, Sozialstudie, Schenkelklopf-Trash und Beauty-Magazin in einem. Und das unterhält mich. Ganz egal, aus welchen Gründen Sie die Sendung schauen – aus diesen sieben ist es auch für Feministinnen und Feministen okay:

1. Weil «Bachelor»-Shaming etwas für Privilegierte ist:

Die Diskussion über Feminismus in der Schweiz wurde bisher vor allem von privilegierten Frauen geführt. Frauen, die sich zur Gleichberechtigung weniger Gedanken machen – aus welchen Gründen auch immer –, sollte man unter keinen Umständen dafür verurteilen, in einer Sendung wie «Der Bachelor» Unterhaltung, ja vielleicht Romantik nach traditioneller Manier (wir sind alle auf der Suche nach der grossen Liebe) zu finden. In den USA erzielt «The Bachelor» Traumquoten, weil am Tag nach der Sendung das ganze Land darüber sprechen will, welches Outfit das schönste und welcher Spruch der sexistischste war.

2. Weil «Der Bachelor» die Diskussion über Sexismus anfeuert:

In dieser Sendung haben Frauen willig und schön zu sein. Ob das alles richtig ist, darüber redet man jetzt.

3. Weil Feministin nicht gleich Feministin ist:

Es gibt nicht «die» Feministin. Nicht alle Feministinnen hassen Männer und rasieren sich nicht. Es gibt Feministinnen, die tragen Highheels, Make-up, lachen hin und wieder über sexistische Witze (und über den «Bachelor») – und setzen sich dennoch im Alltag für feministische Anliegen ein.

4. Weil Feminismus nicht dazu benutzt werden sollte, sich schuldig zu fühlen:

Viele Frauen, die feministische Anliegen vertreten, hadern damit, gewisse Dinge tun zu wollen. «Unfeministische» Dinge, wie etwa das Essen vom Mann bezahlen zu lassen oder den Nachbarn zu fragen, ob er einem die Lampe aufhängt, obwohl man es selber kann. Bei keinen von diesen Dingen sollten Frauen ein schlechtes Gewissen haben. Man kann Dinge durchaus durch die feministisch-kritische Brille betrachten – und sie dennoch gerne tun.

5. Weil mir «Der Bachelor» die Augen öffnet:

Wo soll ich anfangen? Bei den Schlauchboot-Lippen, dem viel zu kurzen Rock oder dem Fall-Fehler, den Kandidatin x immer und immer wieder macht? Wenn ich «Der Bachelor» schaue, werde ich zum lästernden Biest, zu einem schlechteren Menschen. Zu merken, dass ich noch immer verurteile, was mir nicht entspricht, beschämt mich.

6. Weil es auch «Die Bachelorette» gibt:

Es gibt ein weibliches Pendant zum «Bachelor», bei dem sich 20 Männer lächerlich machen, um das Herz einer Frau zu erobern.

7. Weil ich sowieso tun und lassen kann, was ich will:

Es gibt Dinge, die nicht in die Logik des Lebens passen – sich aber dennoch gut anfühlen. Ein Soft-Ice essen, obwohl man schon zwei hatte. Eine neue schwarze Tasche kaufen, obwohl man schon sechs hat. Dem Nachbarn die Meinung geigen, obwohl er einem doch so nett die Lampe aufhängte. Oder «Der Bachelor» schauen, obwohl man Feministin ist.