Bottenwil fühlt sich im Stich gelassen. Die Gemeinde im Uerkental wartet nach dem Unwetter im Juli weiter auf Hilfe. Die Betroffenen sind enttäuscht von der Armee, die nicht kommt, und beelendet von der Bürokratie, die immer einen Grund findet, warum etwas nicht geht, und sie von Pontius zu Pilatus schickt.

Bottenwiler Landwirt im Stich gelassen

Der Bottenwiler Landwirt Thomas Hunziker ist von einem rutschenden Hang bedroht. Trotz versprochener Hilfeleistung, lässt ihn die Armee nun im Stich.

Es wäre naheliegend, jetzt mit dem Finger auf die Verantwortlichen bei der Armee zu zeigen und ihnen zuzurufen: «Schämt euch, wie könnt ihr die Unwetter-Opfer alleine lassen!» Doch das wäre etwas zu einfach. Es gibt gute Gründe, warum die Armee nicht gerade jetzt und so husch, husch Leute in den Westaargau schickt. Bottenwil hatte das Pech, dass der verheerende Bergsturz in Bondo dazwischenkam und alle verfügbaren Kräfte auf sich zog. Zudem ist eine Hangsicherung wie in Bottenwil kein Kinderspiel wie Sandsäcke stapeln bei einer Überschwemmung. Für die komplizierte Arbeit am Berg braucht es gut ausgebildete Spezialisten. Die sind offenbar rar in der Schweizer Armee.

Hier liegt das Problem: Wenn unsere Armee mit Mann und Material schon bei zwei lokalen Unwettern im gleichen Sommer an den Anschlag kommt, können wir nur hoffen, dass es in der Schweiz nie zu einer grösseren Naturkatastrophe kommt. Vielleicht sollte Bundesbern nicht wie unter Ex-VBS-Chef Ueli Maurer hochtrabend die «beste Armee der Welt» ausrufen, sondern etwas bescheidener, aber wirkungsvoller die «beste Truppe für Hilfe im Inland» anstreben und die nötigen Massnahmen rechtzeitig treffen.