Von wegen Kuscheljustiz: Die Urteile im Fall Rupperswil sind knallhart. Die Richter verhängten die strengste Strafe des Schweizer Rechts und bauten mit der Verwahrung eine zweite Sicherungslinie ein. Das Bundesgericht hat nun auch noch eine kleine Hintertür verriegelt, durch die der Vierfachmörder dereinst vielleicht aus dem Gefängnis hätte spazieren können.

Das höchste Gericht bestätigt, dass eine angeordnete Psychotherapie gestrichen wird. Dadurch hätten Psychiater die Entwicklung des Schwerverbrechers ausführlich dokumentiert. Bei günstigem Verlauf hätte ihm der Aktenberg geholfen, seine allfällige Ungefährlichkeit schon früh nachzuweisen.

«Man kann nicht vom Delikt auf die Unbehandelbarkeit des Täters schliessen»

«Man kann nicht vom Delikt auf die Unbehandelbarkeit des Täters schliessen» (Beitrag vom April 2019)

Der forensische Psychiater Andreas Frei und Schriftsteller Thomas Meyer über den Täter Thomas N., lebenslange Verwahrung und den Ausweg Suizid.

Doch es bestand ein Widerspruch. Die vor Gericht aufgetretenen Psychiater empfahlen die Anordnung der Psychotherapie, obwohl sie den Täter für kaum therapierbar hielten. Das Bezirksgericht liess sich darauf ein, nicht aber die höheren Instanzen. Das Bundesgericht macht deutlich, dass es zwar zur Logik eines Psychiaters gehört, Therapiewünsche zu erfüllen. Juristisch sind diese hier aber nicht gerechtfertigt.

Der Fall Rupperswil zeigt auf, dass das heute übliche Vorgehen der Psychiater überdacht werden muss. Sie konstruierten eine Erklärung für eine Tat, die sich eigentlich nicht erklären lässt. Dies mussten die Gutachter vor Gericht selber einräumen. Ehrlicher wäre deshalb die Feststellung: In Rupperswil ist etwas Unerklärliches passiert. Mit dem Bundesgerichtsurteil kann in diesem dunklen Kapitel nun zumindest juristisch Ruhe einkehren.

Von der Tat bis heute – der Vierfachmord von Rupperswil in Bildern: