Ein solcher Fall darf sich nicht wiederholen. Ein Psychiater zeigte sich selber beim Kantonsarzt an, weil er über Jahre Sex mit seiner Patientin hatte. Der Kantonsarzt informierte die Staatsanwaltschaft telefonisch, zeigte den Psychiater aber nicht an. Der Fall kam juristisch erst ins Rollen, als die Patientin den Psychiater bei der Staatsanwaltschaft anzeigte.

In diesem Fall ist vieles nicht so gelaufen, wie man es erwarten würde, ja erwarten dürfte. Der Kantonsarzt hat das Opfer nie angehört. Die Staatsanwaltschaft hat kein Strafverfahren eröffnet, weil es offenbar für einen Anfangsverdacht nicht genügt, dass ein Psychiater Sex mit seiner Patientin hatte. Solche Fälle zerrütten das Vertrauen in die Behörden.

Zwar haben beide involvierten Departemente angekündigt, die internen Abläufe zu überprüfen oder dies bereits getan. Das ist zu begrüssen. Leider zeigt sich genau in dieser nachträglichen Überprüfung das eigentliche Problem.

Genauso wie die Staatsanwaltschaft erst nach der Anzeige des Opfers aktiv wurde, sind auch die Verantwortlichen beim Kanton erst aktiv geworden, als der Fall öffentlich und Kritik laut wurde. Plötzlich war es Gesundheitsdirektorin Franziska Roth ein Anliegen, das Opfer persönlich zu treffen. Eine symbolpolitische Aktion – mehr nicht. Der Frau hätte es mehr geholfen, wenn die involvierten Personen ihrer Geschichte von Anfang an die nötige Aufmerksamkeit geschenkt hätten – nicht erst, als sie gar nicht mehr anders konnten.